vergrößernverkleinern
Im Vorjahr als Deutschland-Tour-Sieger gefeiert: Jens Voigt © imago

Am Freitag steigt die Rundfahrt. Mit neuartigen Kontrollen will der Veranstalter weiteren Dopingsündern auf die Schliche kommen.

Kitzbühel - Glaubwürdigkeit im Anti-Doping-Kampf und Spannung im sportlichen Wettstreit: Einen Monat nach der erneut von zahlreichen Dopingfällen überschatteten Tour de France steht die am Freitag beginnende Deutschland-Tour (29. August bis 6. September) vor einem schwierigen Spagat.

Während ein packendes Rennen auf höchstem Niveau für positive Schlagzeilen sorgen soll, wollen die Veranstalter gleichzeitig durch verschärfte Kontrollmaßnahmen die Zweifel an den radsportlichen Spitzenleistungen ausräumen.

Am Ende der 1408 km langen Etappenfahrt von Kitzbühel nach Bremen wollen sie möglichst einen sauberen Sieger präsentieren.

Mit "intelligenten Kontrollen" und neuen Testmethoden sollen potentielle Dopingsünder abgeschreckt und schwarze Schafe aussortiert werden.

Zusammenarbeit mit der Sporthochschule

Unter dem Dach des Weltverbandes UCI und unterstützt vom Biochemischen Institut der Sporthochschule Köln setzen die Organisatoren dabei auf den erstmaligen Einsatz von Insulin-Tests, die die obligatorischen Kontrollen auf EPO, Wachstumshormone, Testosteron und Fremdblut ergänzen sollen.

Renndirektor Kai Rapp hält die Deutschland-Tour damit sogar für "innovativer als das IOC" bei den Olympischen Spielen in Peking.

"Wichtig ist ein fairer Wettkampf auf hohem sportlichen Niveau", sagt Rapp, der hofft, dass das wichtigste deutsche Radrennen von Doping-Schlagzeilen verschont bleibt.

Junge Hoffnungsträger

Der Hamburger baut dabei vor allem auf junge Hoffnungsträger: "Die Namen, die gestern noch mit höchstem Niveau in Verbindung gebracht wurden, stehen heute doch oftmals für den Zweifel. Daher ist für den Radsport das Heranreifen der nächsten Generation besonders wichtig."

Viele der etablierten - und nicht unumstrittenen - Stars haben der Deutschland-Tour ohnehin einen Start bei der am Samstag beginnenden Spanien-Rundfahrt vorgezogen.

So zog es beispielsweise den geständigen EPO-Sünder Erik Zabel vom Team Milram ebenso zur Vuelta wie Astana-Fahrer Andreas Klöden oder die Tour-Sieger Alberto Contador (Astana/2007) und Carlos Sastre (CSC/2008) aus Spanien.

Rapp trauert Klöden und Co. nicht nach

Fahrer, denen Rapp nicht nachtrauert: "Wir sind froh, ein qualitativ hochwertiges und junges Starterfeld zu haben, in dem vielleicht der zukünftige Frankreich-Gewinner vertreten sein wird."

Zu den Favoriten auf den Deutschland-Toursieg gehören indes der Berliner Jens Voigt (CSC), der das Rennen in den beiden vergangenen Jahren gewinnen konnte, und der Wahl-Freiburger Linus Gerdemann vom T-Mobile-Nachfolgeteam Columbia.

Letzterer konnte nach einer längeren Verletzungspause im Frühjahr und Sommer erst vor wenigen Wochen wieder ins Renngeschehen einsteigen und überzeugte zuletzt mit Siegen bei der Tour de l?Ain und der Coppa Agostini.

Hohe Priorität

"Für mich hat das Rennen eine ganz hohe Priorität. Es ist die Rundfahrt, in der ich mich vor heimischem Publikum zeigen und bestmöglich verkaufen will", sagt der gebürtige Münsteraner, der sich selbst zum "erweiterten Favoritenkreis" zählt.

Einen Hattrick könnte indes Voigt landen, wenn er das Rennen als erster Fahrer zum dritten Mal hintereinander gewinnen würde. Der Grundstein zum Sieg wird dabei wohl schon auf der ersten Etappe am Samstag gelegt, wenn im österreichischen Hochfügen eine schwere Bergankunft auf dem Programm steht.

Start an der "Streif"

Gestartet wird die Rundfahrt am Freitag mit einem 3,6 km langen Prolog in Kitzbühel, bei dem vor allem der österreichische Lokalmatador Bernhard Kohl (Gerolsteiner) fünf Wochen nach seinem dritten Platz bei der Tour im Mittelpunkt stehen wird.

Mit der zweiten Etappe von München in die Region Hesselberg nimmt das Rennen ab Sonntag Kurs Richtung Norden, um nach insgesamt neun Tagen mit einem Einzelzeitfahren (34 km) in Bremen zu enden.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel