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Tom Boonen gewann 2005 und 2006 die Flandern-Rundfahrt © getty

Nach dem zweiten positiven Kokain-Test binnen eines Jahres legt Tom Boonen im belgischen TV ein Geständnis ab.

Brüssel - Nach dem zweiten positiven Kokain-Test binnen zwölf Monaten steht Sprintstar Tom Boonen vor den Scherben seiner Radsport-Karriere.

Der Straßen-Weltmeister von 2005 wurde vom Profi-Rennstall Quick Step mit sofortiger Wirkung suspendiert, außerdem muss der Belgier nun mit einem Strafgerichtsverfahren rechnen.

Am Samstagabend stellte sich Boonen im belgischen Fernsehen und legte ein umfassendes Geständnis über sein Alkoholproblem ab: "364 Tage geht es gut, aber an dem einen Tag, an dem ich dann zu viel trinke, verändere ich mich."

"Wenn ich ausgehe, überschreite ich Grenzen"

Genau das sei am Vortag des Dopingtests passiert: "Am Tag vor dem Test bin ich ausgegangen und endete auf einer Terrasse. Nachdem ich lange dort war, hatte ich einen Blackout. Wenn ich ausgehe, überschreite ich die Grenzen."

Er sei aber bereit, nun Hilfe anzunehmen: "Jemand muss mir helfen, zu verstehen was passiert, wenn ich zu viel trinke." Ob er seine sportliche Karriere fortsetzen werde, sei aber momentan "die geringste aller Sorgen", so Boonen.

Der Konsum des Rauschgifts wurde nur wenige Tage nach Boonens drittem Triumph beim Frühjahrs-Klassiker Paris-Roubaix (Boonen triumphiert bei Paris-Roubaix) bei einer unangemeldeten Kontrolle außerhalb des Wettkampfgeschehens vor zwei Wochen entdeckt.

Quickstep-Chef tief enttäuscht

"Der Test, der das positive Kokain-Resultat anzeigte, wurde von flämischen Kontrolleuren vorgenommen. Boonen ist bei Quick Step ab sofort von allen Teamaktivitäten suspendiert", teilte Teamsprecher Alessandro Tegner nach einer kurzfristig einberufenen Krisensitzung des belgischen Rennstalls mit.

Quickstep-Chef Patrick Lefevre äußerte sich tief enttäuscht: "Ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll. Jetzt müssen wir erst mit unseren Sponsoren sprechen", sagte der Manager.

Das Quickstep-Management hatte Boonen nach dem ersten Kokain-Delikt verteidigt und "private Probleme" berücksichtigt.

Hausdurchsuchung am Freitag

Boonen hatte damals erklärt, die Droge nicht bewusst genommen zu haben. Das Kokain sei ihm in einer Bar heimlich in einen Drink gemischt worden. Haarproben hatten allerdings ergeben, dass Boonen regelmäßig das Rauschgift zu sich genommen hatte.

Das Resultat des neuerlichen Drogentests ist der belgischen Staatsanwaltschaft in Turnhout seit Dienstag bekannt, am Freitag gab es bei Boonen eine Hausdurchsuchung.

"Der Test war in der Tat positiv. Wir haben dann Boonens Haus durchsucht und ihn auch ein erstes Mal verhört. Wegen der laufenden Ermittlungen können wir dazu aber nicht mehr sagen", meinte Staatsanwlt Jan Poels.

"Eine Belastung für die anderen Mannschaften"

Für Tom Van Damme, Präsident des belgischen Radsportverbandes LVB, ist Boonens Image schwer beschädigt: "Das ist eine traurige Affäre. Ich will gar nicht mehr von Vorbildfunktionen reden. Für seinen Rennstall ist die Angelegenheit ein Schlag ins Gesicht, und für die anderen Mannschaften eine Belastung."

Der 28-jährige Flame war erstmals bei einer Kontrolle im Training am 26. Mai 2008 vor der Belgien-Rundfahrt positiv auf Kokain getestet worden.

Ein für den Radsport-Weltverband UCI und die Doping-Kontrolleure relevanter Doping-Tatbestand lag nicht vor, da Kokain-Konsum nur während eines Rennens geahndet wird.

Nun wohl mehr als Verwarnung

Auch nun ist der Quickstep-Kapitän von Radsport-Instanzen nicht zu belangen, allerdings wird er sich als Wiederholungstäter vor Gericht verantworten müssen.

Erst Anfang Februar hatte er sich dort wegen des ersten Kokaintests schuldig bekannt, war aber mit einer Verwarnung davongekommen.

Das Gericht sah ihn "als gestraft genug an", weil er wegen der Kokain-Affäre im vergangenen Jahr aus der Quickstep-Mannschaft für die Tour der France verbannt worden war.

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