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Andreas Klöden (r.) fuhr von 1998 bis 2006 für Team Telekom / T-Mobile © getty

Der ehemalige T-Mobile Profi Andreas Klöden bricht sein Schweigen nach den Doping-Vorwürfen - und geht zum Gegenangriff über.

Leipzig - Andreas Klöden hat sein Schweigen nach den Doping-Vorwürfen gebrochen und ist mit Hilfe seiner Anwälte zum Gegenangriff übergegangen (Schlinge um Klödens Hals zieht sich zu).

Statt zur Aufklärung des Dopingsystems im Team Telekom beizutragen, ließ der Radprofi über seine Rechtsvertreter erklären, dass die Kommission der Freiburger Uniklinik nur vage Behauptungen aufstelle, nicht kooperiere und wichtige Punkte zur Aussage von Kronzeuge Patrik Sinkewitz vergessen habe.

Die Anwälte Andre Große Vorholt und Marcus Hotze schreiben, die Kommission habe in ihrem Bericht nicht auf die widersprüchlichen Aussagen von Sinkewitz zum 2. Juli 2006 hingewiesen.

Der Kommissions-Vorsitzende Hans Joachim Schäfer weist diese Vorwürfe zurück .

"Ich wusste, dass es verschiedene Aussagen von Sinkewitz gibt. Er hatte die Namen der Fahrer immer weggelassen, ist aber dann unter dem Druck einer richterlichen Verfügung eingeknickt. Da wäre jeder eingeknickt", sagte Schäfer.

Freiburg-Trip im Fokus

An dem fraglichen Tag sollen Sinkewitz, Klöden und Matthias Kessler von Sinkewitz' damaliger Freundin zum Eigenblutdoping vor dem Start der Tour de France nach Freiburg gefahren worden sein.

In dem Bericht heißt es: "Nachdem er noch in seiner Vernehmung vom 18. Februar 2008 die bekannte Version des Geschehens aufrechterhielt, musste er unter dem Druck, sich als Zeuge möglicherweise wegen einer Falschaussage strafbar zu machen, bei seiner Vernehmung vom 3. März 2008 einräumen, dass seine frühere Freundin auch die Teammitglieder Matthias Kessler und Andreas Klöden von Straßburg nach Freiburg mitgenommen und wieder zurückgefahren hat."

"Ermitteln nicht gegen Klöden"

Als Zeugin gilt neben Sinkewitz auch seine damalige Freundin, die die Abläufe bei ihrer Vernehmung vom 20. März 2008 durch das Bundeskriminalamt genau so schilderte.

Außerdem hatte Luuc Eisenga, der damalige technische Direktor des Teams, "überzeugend dargelegt, dass das Fehlen der drei Fahrer Sinkewitz, Kessler und Klöden beim Abendessen allgemein aufgefallen war."

Zudem beklagen die Anwälte, sich "bisher erfolglos um eine Akteneinsicht in die in dem Bericht zitierten Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Freiburg" bemüht zu haben. "Ich weiß nicht, ob sie Einsicht verlangt haben. Aber wir ermitteln nicht gegen Klöden. Anspruch auf Einsicht haben eigentlich nur Beschuldigte", sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier.

"Nur" Eigenblutdoping

Auch die erbetene Überlassung von "Abschriften der angeblichen Beurteilungsunterlagen und Testergebnisse" sei noch nicht erfolgt. Dies ist aber wohl eher ein Zeitproblem. "Es gab eine Anfrage. Ich habe das gleich an meinen Anwalt weitergeleitet", sagte Schäfer.

Letztlich weisen Klödens Anwälte noch darauf hin, "dass bisher niemand behauptet hat, unser Mandant habe Doping mit Arzneimitteln praktiziert".

Die Kommission spricht in ihrem Bericht auch nicht von Doping mit Medikamenten, sondern explizit von Eigenblutdoping.

Lediglich eine Medikamenten-Sendung an Klöden wird erwähnt. Hier kritisieren die Anwälte, dass keine klare Aussage getroffen werde, ob die Medikamente im Wert von 1000 D-Mark dopingrelevant waren.

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