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Lance Armstrong gab im Januar sein Comeback bei der Tour Down Under © imago

Der Amerikaner hält an seinem Presseboykott beim Giro d'Italia fest. Zudem geht seine Wasserträger-Premiere in die Hose.

Rom - Er ließ die Welt seit seinem Comeback wie kaum ein anderer an seinem Leben teilhaben, doch seit Tagen herrscht bei Lance Armstrong nahezu Funkstille.

Der Radstar verweigert beim Giro d'Italia aus Ärger über die Berichterstattung jeden Kommentar, nur über die eigene Internetseite meldet er sich zu Wort (Armstrong fordert Profi-Gewerkschaft).

Diverse italienische und englisch-sprachige Journalisten verweigerten sich den Allüren des siebenmaligen Tour-Siegers und kündigten einen Boykott seiner Web-Nachrichten an.

Armstrong sachweigt

Stein des Anstoßes war der Bummelstreik auf der Etappe am 17. Mai in Mailand, wegen der nach Meinung der Fahrer zu gefährlichen Strecke (9. ETAPPE: Horrorsturz überschattet Gala).

Armstrong ist der Ansicht, dass er für den Aufstand ganz allein verantwortlich gemacht worden sei. Der nicht gerade als medienscheu bekannte Ex-Weltmeister schwieg fortan.

Sein Astana-Rennstall begründet die ungewohnte Verschwiegenheit Armstrongs damit, dass dieser sich voll darauf konzentrieren wolle, seinem Kapitän und Freund Levi Leipheimer zum Rundfahrt-Sieg zu verhelfen.

Wie ein Jungprofi

Dafür schlüpfte der einstige Dominator sogar in die Rolle des Wasserträgers - wenn auch eher unfreiwillig. "Er wollte eigentlich nur eine Cola für sich. Da habe ich ihm gesagt, er könne für die anderen ruhig ein paar Flaschen mitnehmen", sagte Teamchef Johan

Bruyneel nach der Samstag-Etappe in Bologna.

Dabei stellte sich Armstrong zunächst nicht sonderlich geschickt an. "Es war schwierig für ihn, die Flaschen zu verstauen. Es gibt da eine spezielle Technik", meinte Bruyneel. Armstrong sei wie ein Jungprofi gewesen, die hätten mit dem Prozedere meistens auch Probleme.

Form für Tour stimmt

Obwohl Bruyneel stets betont, dass der Formaufbau für die Tour de France stimme, könnte Armstongs Schweigen auch ein Zeichen der eigenen Unzufriedenheit sein. Für den zweiten Teil des Giros hatte der Texaner Attacken angekündigt, stattdessen fuhr er den Spitzenfahrern trotz steigender Formkurve hinterher (DATENCENTER: Giro-Ergebnisse).

Besonders enttäuscht war er über seine Leistung beim Einzelzeitfahren. Armstrong hatte mehr als zwei Minuten Rückstand auf Tagessieger Denis Mentschow - und das trotz der für seine heutigen Verhältnisse akribischen Vorbereitung. Es war die einzige Etappe, die er vorher besichtigt hatte (12. ETAPPE: Mentschow nun in Rosa).

Späßchen, um die Erschöpfung zu überspielen

Dass Armstrong in der letzten Woche des 92. Giro wirklich noch einen Etappensieg feiern kann, scheint eher unwahrscheinlich. In seinen Video-Botschaften sieht er sichtlich gezeichnet von den Strapazen seiner ersten großen Rundfahrt seit fast vier Jahren aus.

Der 37-Jährige macht dennoch seine Späßchen und versucht, die Erschöpfung zu überspielen. Sportlich ist sein Italien-Ausflug allerdings längst gelaufen.

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