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Gerry van Gerwen (l.) ist Teammanager bei Milram © getty

Ein Niederländer will den deutschen Vorzeige-Radrennstall bauen. Milram-Manager Gerry van Gerwen setzt dabei zuerst auf Talente.

Wiesloch - Gerry van Gerwen hat in diesen Tagen alle Hände voll zu tun. Während seine Fahrer bei der Deutschland-Tour unterwegs sind, bastelt der Teammanager an der Zukunft des Milram-Rennstalls.

Anders als in den Vorjahren geht es dabei aber nicht nur um eine Handvoll Neuverpflichtungen. Der Niederländer hat es sich zur Aufgabe gemacht, das komplette Team neu auszurichten und es nach dem Aus des bisherigen Konkurrenten Gerolsteiner zum künftigen Vorzeige-Rennstall des deutschen Profi-Radsports auszubauen.

Die Rolle, die früher einmal Telekom und T-Mobile und zuletzt das Mineralwasser-Team aus der Eifel inne hatten, wird ab der kommenden Saison Milram zufallen, allein schon mangels nationaler Konkurrenz. Doch van Gerwen will seine Mannschaft auch qualitativ deutlich aufwerten.

Junge deutsche Fahrer sollen Erfolge bringen

Während man in diesem Jahr bei großen Rennen meist hinterherfuhr, sollen ab 2009 Erfolge her.

"Wir konzentrieren uns vor allem auf die jungen Deutschen", sagt der 55-Jährige, der in der glücklichen Lage ist, derzeit aus einem Überangebot schöpfen zu können. Etwa zehn neue Fahrer sollen in den nächsten vier Wochen unter Vertrag genommen werden, dazu sportliche Leiter, Physiotherapeuten, Mechaniker und Betreuer.

Rettungsanker für Gerolstein-Fahrer

Das Gros wird dabei aus dem Bestand von Gerolsteiner kommen, dessen Teamchef Hans-Michael Holczer nach seinem angekündigten Rückzug zum Jahresende gemeinsam mit van Gerwen so viele Arbeitsplätze wie möglich retten will.

Der bisherige Gerolsteiner-Sportchef Christian Henn wird diese Woche einen Vertrag bei Milram unterschreiben. Mit ihm kommen der deutsche Meister Fabian Wegmann (Freiburg), Matthias Russ (Bad Cannstatt), Johannes Fröhlinger (Gerolstein) und die Brüder Markus und Thomas Fothen (Kaarst).

Auch der österreichische Radprofi Thomas Rohregger fährt ab der kommenden Saison für das deutsche Milram-Team. Das bestätigte Teammanager Gerry van Gerwen am Montag am Rande der Deutschland-Tour. Der 25-Jährige, der momentan noch in seiner Heimat für das zweitklassige Elk-Haus-Team fährt, unterschrieb einen Zweijahresvertrag bis Ende 2010. Sein bislang größter Erfolg war der Gewinn der Österreich-Rundfahrt in diesem Jahr.

Erleichterung über Planungssicherheit

Alle Fahrer erhalten Zweijahresverträge, nachdem der Bremer Nordmilch-Konzern sein Engagement bei dem seit diesem Jahr in Dortmund beheimateten Rennstall gerade per Option bis Ende 2010 verlängert hat.

"Das gibt Planungssicherheit", sagt van Gerwen, in dessen Überlegungen auch Linus Gerdemann eine entscheidende Rolle spielt. Der Münsteraner gilt als Hoffnungsträger des deutschen Radsports und fährt als Gesamtführender der Deutschland-Tour zurzeit einem großen Erfolg im Trikot des T-Mobile-Nachfolgeteams Columbia entgegen.

Bei der Verpflichtung des blonden Sympathieträgers stößt van Gerwen aber noch auf Widerstand durch Columbia-Teamchef Bob Stapleton (USA), der Gerdemann nicht ohne weiteres aus seinem bis 2009 gültigen Vertrag entlassen will. "Konstruktive Gespräche" habe es schon gegeben, sagt van Gerwen: "Vielleicht klappt es in den nächsten vier Wochen."

Neue Rolle für Zabel?

In dieser Zeit wird sich auch das Schicksal etlicher Milram-Fahrer entscheiden, die ihren Platz für die Neuen räumen müssen. Neben ein paar Ausländern, die nicht mehr in die Philosophie des Teams passen, wird es auch wenige deutsche Fahrer treffen. Wen, lässt van Gerwen noch offen.

Dabei sein könnte aber Erik Zabel, dessen Karriere sich mit 38 Jahren ohnehin dem Ende zuneigt. Zabel ist derzeit bei der Vuelta in Spanien unterwegs und steht bei van Gerwen wohl eher für eine Anschlussverwendung als für eine weitere Rennsaison auf dem Zettel: "Nach der Deutschland-Tour fliege ich nach Spanien, um mit ihm darüber zu sprechen."

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