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Andreas Klöden hat gut lachen - juristisch kann gegen ihn (noch) nicht vorgegangen werden © imago

Schon nächste Woche will die UCI Namen preigeben. Die belasteten Klöden und Boonen erhalten dennoch einen Freifahrtschein für die Tour.

Paris - Aufatmen bei Andreas Klöden, doch im Radsport hat das große Zittern begonnen.

Dreieinhalb Wochen vor dem Start der Tour de France stehen neue Doping-Skandale bevor.

Anfang nächster Woche wird der Weltverband UCI auf Grundlage des Biologischen Passes gegen einige Radprofis ein Disziplinarverfahren einleiten.

Das teilte UCI-Präsident Pat McQuaid auf der Anti-Doping-Pressekonferenz in Paris mit - ohne allerdings die Namen oder die Anzahl der betroffenen Sportler zu nennen.

UCI und AFLD wollen zusammenarbeiten

Dagegen hat Klöden, der durch den Bericht der Freiburger Untersuchungskommission schwer belastet worden war, genauso wie Kokainsünder Tom Boonen einen Freifahrtschein für die Frankreich-Rundfahrt erhalten.

Gegen beide Athleten hätte die UCI derzeit nichts in der Hand. In Frankreich erwartet die beiden Top-Fahrer aber eine Flut an Kontrollen.

UCI und die französische Antidoping-Agentur AFLD vereinbarten eine gemeinsame Zusammenarbeit und wollen 300 bis 400 Tests durchführen.

Teams müssen vorbereitet sein

Vorher dürfte es allerdings nochmal unruhig werden, wenn im Zuge der Auswertung der Blutprofile die UCI gegen die ersten Radprofis tätig wird.

"Erst werden die Fahrer, dann die Teams und schließlich die nationalen Verbände informiert", sagte McQuaid.

Es würden zunächst keine vorläufigen Sperren ausgesprochen. Es bleibe Sache der Teams, wie damit umgegangen werde.

Die Rennställe seien bereits informiert worden, dass in den nächsten Tagen etwas auf Grundlage des Biologischen Passes passieren werde.

Team Milram bleibt gelassen

Das deutsche Team Milram bleibt gelassen. "Ich habe keine Sorge. Ich glaube auch nicht, dass einer unserer Fahrer betroffen sein könnte", sagte Teamchef Gerry van Gerwen.

Und weiter: "Bei uns werden die Fahrer schon intern gut kontrolliert."

Die UCI hatte im Januar 2008 den Biologischen Pass mit der Absicht eingeführt, Unregelmäßigkeiten bei den Fahrern durch die Erstellung der Blutprofile über einen langen Zeitraum nachzuweisen.

Rund 800 Fahrer aus 18 ProTour-Teams und 18 Continental-Mannschaften nehmen derzeit am Blutpass teil.

Die Rennställe müssen dafür eine jährliche Gebühr von 120.000 Euro an die UCI entrichten.

Sinkewitz belastet Klöden

Fraglich ist allerdings, ob eine mögliche Sperre gegen einen verdächtigen Fahrer juristisch durchsetzbar ist. Schließlich liegt ein positiver Test im eigentlichen Sinne nicht vor.

Juristisch ist auch Klöden und Boonen nicht beizukommen.

Klöden war in dem 63-seitigen Untersuchungsbericht von Patrik Sinkewitz und dessen damaliger Freundin belastet worden, während der Tour 2006 Blutdoping betrieben zu haben.

Die UCI verweist darauf, dass zunächst der für Klöden zuständige Schweizer Verband Swiss Cycling tätig werden müsse. Erst dann könnte die UCI einschreiten.

Boonen und der Zeitfaktor

Bei Boonen spielt der Zeitfaktor eine Rolle. Ein Disziplinarverfahren gegen den belgischen Klassiker-Spezialisten sei nicht vor dem Beginn der Frankreich-Rundfahrt am 4. Juli abgeschlossen.

Tourchef Christian Prudhomme zeigte sich überrascht. Man werde sich nun mit den Renn-Offiziellen zusammensetzen und in den nächsten Tagen entscheiden, ob Boonen eine Einladung erhalten werde.

Prudhomme gegen Valverde-Teilnahme

Für den in Italien gesperrten Valverde ist dagegen die Tür zu.

"Unser Rennen führt 60 Kilometer über italienischen Boden. Sein Team hat vorgeschlagen, den Fahrer nach zehn Etappen aus dem Rennen zu nehmen. Das ist für uns aber inakzeptabel", sagte Prudhomme (NEWS: Boonen zur Tour?)

Gemeinsame Jagd auf Dopingsünder

Unterdessen wollen UCI und ASO bei der Tour gemeinsam Jagd auf Dopingsünder machen. "Die Tour wird vielleicht das Sportereignis mit den prozentual meisten Dopingkontrollen überhaupt", sagte McQuaid.

Die Kontrolleure wollen besondere auf Epo, Insulin und Wachstumshormone testen.

Im vergangenen Jahr war die UCI beim größten Radsport-Ereignis noch außen vor, nachdem es mit der Tour-Organisation ASO einen großen Streit gegeben hatte.

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