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Tony Martin ließ auf der achten Etappe der Tour de Suisse alle hinter sich © imago

Tony Martin fährt sich bei der Tour de Suisse ins Rampenlicht. Rolf Aldag sieht bereits Gemeinsamkeiten mit Jan Ullrich.

München - Radprofi Tony Martin hat bei der Tour de Suisse überraschend Platz zwei belegt und ist zur neuen deutschen Hoffnung für die Tour de France aufgestiegen.

Im abschließenden Zeitfahren musste sich der Thüringer wie auch im Gesamtklassement nur dem Schweizer Fabian Cancellara geschlagen geben, der in seiner Heimatstadt Bern erstmals die Tour de Suisse gewann und den größten Rundfahrt-Erfolg seiner Karriere feierte.

24 Stunden zuvor hatte Martin die Bergankunft in Crans Montana gewonnen und den etablierten deutschen Rundfahrern Andreas Klöden und Linus Gerdemann die Schau gestohlen. (8. Etappe: Martin entwischt am Berg)

"Habe meine Bergqualitäten entdeckt"

Durch seinen Gipfelsturm sicherte sich der 24-Jährige nicht nur endgültig das Bergtrikot, sondern rechtfertigte zudem die Nominierung für die am 4. Juli beginnende Frankreich-Rundfahrt.

"Das ist einer meiner größten Erfolge. Ich habe hier meine Bergqualitäten entdeckt, vielleicht kann ich das in der Zukunft so beibehalten", sagte Zeitfahr-Spezialist Martin.

Im abschließenden Kampf gegen die Uhr lag Martin 1:27 Minuten hinter Cancellara, im Gesamtklassement 2:02 Minuten.

Klöden (Astana) wurde hinter Vorjahressieger Roman Kreuziger Vierter. Als letzter Deutscher hatte Jan Ullrich 2006 die Tour de Suisse gewonnen.

Weißes Trikot als Ziel bei der Tour

Für seinen Sportchef Rolf Aldag ist der Höhenflug von Tony Martin das Ergebnis einer gezielten Vorbereitung.

"Wir haben im Vorfeld bewusst wenig Höhepunkte gesetzt, sein Blick sollte auf die Tour de France gehen. Das scheint bisher zu funktionieren", sagte Aldag.

Bei der Tour solle Martin in der ersten Hälfte versuchen, das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers zu erobern.

Parallelen zu Ullrich

Aldag scheut bei Martin sogar den Vergleich zu Jan Ullrich nicht, wenn es um die körperlichen Anlagen und das Potenzial geht.

"Sie haben beide die gleichen Radsport-Schulen durchlaufen, fahren beide mit viel Kraft. Die Parallelen sind offensichtlich", sagte Aldag. (DATENCENTER: Die Etappen-Ergebnisse)

Ullrich: "Nicht hochjubeln"

Von einem Tour-Sieg in den nächsten Jahren will Aldag dennoch nichts wissen: "An solchen Forderungen sind schon viele junge Talente kaputtgegangen. Wir gehen Schritt für Schritt. Tony gibt die Richtung vor, und wir unterstützen ihn dabei."

Auch Ullrich warnte vor verfrühten Lobeshymnen.

"Der Gewinn des Bergtrikots ist natürlich gigantisch. Aber man sollte ihn jetzt nicht hochjubeln", sagte der Tour-Sieger von 1997 im DSF.

Gerdemann legt Sonderschicht ein

So traumhaft die Tour-Generalprobe in der Schweiz für Martin verlief, so enttäuschend war sie für Linus Gerdemann.

Der Wahl-Schweizer verpasste die angepeilte Platzierung in den Top Ten klar und zog sich nach dem Rundfahrt-Ende zu einer Sonderschicht in die Alpen zurück.

"Er hat zwei Wochen vor der Tour de France gehofft, dass er weiter ist. Aber ihm fehlt noch ein Stück, deshalb will er jetzt nochmal in die Berge", erklärt Christian Henn, Sportlicher Leiter des Milram-Rennstalls, die Trainingsmaßnahme.

Milram setzt auf Ciolek

Auch wenn die Top-Platzierung am Ende fehlte, war Henn mit dem Auftreten seines Teams zufrieden.

"Wir waren zweimal in Fluchtgruppen vertreten, und Gerald Ciolek hat auf der ersten Etappe Platz zwei belegt", sagte Henn.

Cioleks Leistungen lassen die "Milchmänner" für die Tour de France hoffen. Läuft es optimal, darf sich der junge Kölner berechtigte Hoffnungen machen, das Grüne Trikot des besten Sprinters zumindest zeitweise zu tragen.

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