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Milram mus bei der Tour ohne das Trikot des Deutschen Meisters starten © imago

Die enttäuschten Milram-Fahrer beschweren sich nach "gegenseitigem Hinterherfahren" bei der DM über die Konkurrenz von Columbia.

Leipzig - Nach der verpassten Titelverteidigung bei den deutschen Straßenrad-Meisterschaften haben die enttäuschten Milram-Fahrer die Konkurrenz von Columbia attackiert.

"Zum Schluss war es ein gegenseitiges Hinterherfahren zwischen uns und Columbia. Man hatte das Gefühl, dass man uns den Titel nicht gönnt. Egal, wer gewinnt, Hauptsache keiner von uns", sagte Fabian Wegmann.

Der Klassiker-Spezialist war als Fünfter bester Fahrer der Milchmänner, kam jedoch erst 23 Sekunden nach Überraschungssieger Martin Reimer (Cervelo) ins Ziel und verpasste den angestrebten Titel-Hattrick nach zuvor zwei Siegen.

Auf dem Podest standen neben Lokalmatador Reimer in Dominic Klemme (Saxo Bank) aus Bielefeld und Roger Kluge aus Cottbus (LKT) keine Fahrer der beiden Top-Teams (Columbia-Creme gegen Milram-Masse).

Knees: "Sehr ärgerlich"

Auch Christian Knees verlor kein gutes Wort über den T-Mobile-Nachfolger Columbia, der mit Bert Grabsch, Marcus Burghardt und Marcel Sieberg in der Spitzengruppe vertreten war.

"Leider herrschte im Finale Uneinigkeit in der Gruppe, die von den drei Ausreißern clever ausgenutzt worden ist", sagte Knees: "Es ist natürlich sehr ärgerlich für uns, wenn es dem einen oder anderen Team wichtiger ist, dass wir nicht gewinnen, anstatt selbst erfolgreich zu sein."

Henn bremst Emotionen

Milrams Sportchef Christian Henn bremste die Emotionen seiner Fahrer ein wenig.

"Man darf das nicht überbewerten. Es war schon oft so, dass sich zwei große Mannschaften neutralisieren", sagte Henn.

Eine kleine Spitze gegen das US-Team folgte aber dennoch: "Unsere Philosophie ist es, die eigene Chance zu nutzen. Wenn dann ein anderer gewinnt, ist es halt so."

Weiterer Rückschlag vor Tour-Start

Der einzige deutsche ProTour-Rennstall fährt damit ohne das prestigeträchtige Trikot mit dem schwarz-rot-goldenen Brustring zur am Samstag in Monaco beginnenden Tour de France.

Für die Mannschaft von Manager Gerry van Gerwen ist das ein weiterer Rückschlag in einer bislang mäßigen Saison (Milram kämpft gegen das Verfallsdatum). Wegmann und Co. verzeichneten erst sieben Saisonsiege, 24 Erfolge hatte van Gerwen als Ziel ausgegeben.

Für den neuen Meister Martin Reimer ist sein Erfolg trotz der Reibereien zwischen Milram und Columbia kein Zufall. "Die stärksten Fahrer waren vorn. Wir hatten es sogar noch schwerer, weil wir jede Attacke mitgehen mussten", sagte der 22 Jahre alte Cervelo-Fahrer.

Hoffnung auf Vuelta

Die Tour verfolgt Reimer dennoch nur als Zuschauer, sein sportlicher Leiter Jens Zemke will ihn in Ruhe aufbauen.

"Ich hatte schon ein paar Anrufe von ihm, dass er zu wenig Einsätze hat. Aber bisher hat sein Programm sehr gut hingehauen. Das war eine große Leistung", sagte Zemke. Sein Schützling hofft auf eine Teilnahme bei der Vuelta und will anschließend bei der WM in Mendrisio in der U-23-Klasse auftrumpfen (DATENCENTER: Ergebnisse und Termine).

Bis dahin hat Reimer ("Ich will mal ein Großer werden") vor allem in modischer Hinsicht einiges zu tun: "Da wird sich mit dem Trikot alles ändern. Weißes Rad, weiße Klamotten, alles weiß."

Fragt sich nur, was sein Arbeitgeber Cervelo davon hält. Der kleidet seine Fahrer nämlich komplett in schwarz ein.

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