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Lance Armstrong belegte beim Giro den zwölften Platz © imago

Lance Armstrong will nach seinem Comeback den achten Tour-Sieg. Kritik und Abneigung der Franzosen lassen den Rekordsieger kalt.

München - Lance Armstrong ist der Konkurrenz wieder einen Schritt voraus.

Seit dem Wochenende ist er in den Alpen, nimmt die Schlüsseltappen der 96. Tour de France (DATENCENTER: Ergebnisse und Termine) noch einmal genau unter die Lupe. Die Welt ist stets dabei.

Jeden Tag stellt Armstrong mindestens eine Video-Nachricht ins Internet. Jeder soll wissen, dass er sein Comeback in Frankreich vier Jahre nach seinem siebten Tour-Sieg nicht auf die leichte Schulter nimmt.

Überraschende Akribie

Die Akribie wenige Tage vor Beginn der Rundfahrt überrascht dennoch ein wenig.

Armstrong hatte sich seit seiner Comeback-Ankündigung im September stets locker und gereift gegeben. Seine Kinder zum Sport zu fahren, sei ihm heute viel wichtiger als eine Trainingseinheit. Der Erfolg sei zweitrangig. Schließlich ist er auf einer Mission.

Seine Mission ist der Kampf gegen den Krebs, doch sie wird von der Vergangenheit überstrahlt.

Doping-Programm gekippt

Reporter der "L'Equipe" ordneten Armstrong 2005 sechs Dopingproben von 1999 zu, die Spuren des Blutdopingmittels EPO enthielten. Anfang 2009 kippte er sein ambitioniertes Kontroll-Programm mit dem anerkannten Experten Don Catlin noch vor dem Beginn. Angeblich sei es zu teuer ("Man sieht am Tritt, wer was gemacht hat") .

Dopingvorwürfe gleiten an Armstrong ab, er zeigt sich unbeirrt als großer Kämpfer gegen den Krebs. Er beharrt darauf, dass er nur wegen seiner Stiftung Livestrong wieder die Tour fährt.

Mit seinem Ausrüster drehte er eigens einen Werbespot. Armstrong: "Die Kritiker sagen: der Amerikaner, der Doper, der Betrüger. Sie können sagen, was sie wollen. Ich sitze nicht wegen ihnen wieder auf dem Rad."

Besessen vom Erfolg

Doch der 37-Jährige müsste sich in seiner Auszeit schon sehr verändert haben, käme er ohne Ambitionen nach Frankreich. Er ist noch immer besessen vom Erfolg, von den Schmerzen, vom Ruhm.

Sein zwölfter Platz beim Giro im Mai war beachtlich, zumal Armstrong mit fast frisch operiertem Schlüsselbeinbruch antrat. Doch ihn hat das Abschneiden genervt. Fast 16 Minuten lag er hinter dem Sieger. Zu viel für einen Champion wie Armstrong (Armstrong darf - Boonen muss warten).

Politische Amibitionen

Er hat die Tour als Patron verlassen und er will als solcher zurückkehren. Armstrong will Schlagzeilen schreiben. Als Tour-Sieger 2009.

Am 3. Juli 1999 eroberte er erstmals das Gelbe Trikot, am 4. Juli 2009 will er es wieder tun. Das ist viel aufregender als die Affären mit den Hollywood-Schönheiten Eva Longoria und Kate Hudson, mit denen sich der Texaner nach dem letzten Sieg in Frankreich 2005 die Zeit vertrieb.

Ein weiterer Triumph in Frankreich würde den politischen Ambitionen Armstrongs viel besser zu Gesicht stehen.

Hunderte Millionen Spenden

Er lächelt Fragen nach dem Gouverneurs-Posten seines Heimatstaates Texas weg, in seinem Umfeld wird dagegen offen darüber geredet. Und Armstrongs Chancen stünden gar nicht schlecht. Denn während sein Name in Europa mit Dopinggerüchten in Verbindung gebracht wird (Tour-Sieger ein Betrüger) , ist Armstrong in Amerika der, der den Krebs besiegt hat.

Er ist ein Held, wie sie ihn in Amerika lieben. Aufgewachsen in armen Verhältnissen, vom Stiefvater mit dem Paddel verdroschen, und mit nur 25 Jahren vom Krebs heimgesucht. Armstrong hat all das überlebt, oder wie er sagen würde: Er hat alle besiegt.

Heute umgibt er sich mit Polit-Größen wie Bill Clinton, sammelt Hunderte Millionen Spendendollar für Livestrong und kassiert bei Vorträgen über sich selbst kräftig ab. Bis zu 200.000 Dollar sollen es pro Rede sein. Aber Armstrong ist schließlich ein guter Redner.

Die perfekte Maschine

Armstrong ist verbissen, er gibt nie auf, er erlaubt sich keine Schwäche. Das könnte er nicht ertragen.

Doch dieser unglaubliche Ehrgeiz macht ihn gerade im Tour-Land Frankreich unbeliebt. Dort wollen sie einen menschlichen Helden, wie den jungen Jan Ullrich, der seinen zweiten Tour-Sieg 1998 durch einen Hungerast verpasste.

Die perfekte Maschine Armstrong ist ihnen zuwider. Zwischen Armstrong und den Franzosen wird wohl auch in diesem Sommer keine Liebe aufkeimen.

Die Zeitung "L'Equipe" brachte die Meinung vieler Franzosen nach Armstrongs letztem Sieg 2005 auf den Punkt: "Wir haben keine Lust, ihm Danke zu sagen."

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