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Lance Armstrong (vorn) ist nach drei Etappen Dritter der Gesamtwertung © imago

Astana und Columbia machen beim Mannschaftszeitfahren Jagd aufs Gelbe Trikot von Cancellara. Armstrong hat gute Chancen.

Von Thorsten Mesch

München - Nach einer Pause von drei Jahren dürfen sich die Zuschauer bei der Tour de France wieder auf ein Spektakel der besonderen Art freuen.

Denn zum ersten Mal seit 2005 wird bei der Frankreich-Rundfahrt wieder ein Mannschaftszeitfahren ausgetragen.

Vor vier Jahren triumphierte das Team Discovery Channel, das Gelbe Trikot übernahm damals Lance Armstrong.

Der Amerikaner gab das Maillot Jaune bis Paris nicht mehr ab und holte sich seinen bisher letzten von sieben Tour-Siegen.

Astana-Team favorisiert

Ob Armstrong in diesem Jahr seinen achten Triumph feiern kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Einen wichtigen Schritt in diese Richtung kann der Amerikaner aber am Dienstag machen.

Denn Armstrongs Astana-Mannschaft ist beim Kampf gegen die Uhr über 39 Kliometer rund um Montpellier (Di., ab 14.15 Uhr LIVE) favorisiert.

Und dem "Tourminator" fehlen nur 40 Sekunden auf den Gesamtführenden Fabian Cancellara aus der Schweiz. (DATENCENTER: Ergebnisse und Wertungen der Tour)

Richtiger Riecher bei der Windkante

Durch den Aufsehen erregenden Verlauf der 3. Etappe ist Armstrong plötzlich der bestplazierte Fahrer seiner Astana-Mannschaft. (Cavendish siegt - Armstrong revoltiert gegen Contador)

"Man braucht keinen Nobelpreis, um zu wissen, dass man bei derartigen Windverhältnissen aufpassen und vorne mitfahren muss", meinte Armstrong mit Blick auf seinen Teamkollegen Alberto Contador.

Der Spanier hatte die Attacke der 27-köpfigen Spitzengruppe um das komplette Columbia-Team verpasst.

Contador, eigentlich als Astana-Kapitän ins Rennen gegangen, verlor ebenso 41 Sekunden wie Andreas Klöden oder Vorjahresssieger Carlos Sastre Cervelo-Test-Team).

"Diese Etappe hat dafür gesorgt, dass der gute alte Lance Armstrong ins Gelbe Trikot fahren wird", meinte Columbias Sportlicher Leiter Rolf Aldag.

Contador bleibt gelassen

Zunächst müssen Armstrong und Contador beim Mannschaftszeitfahren wieder Seite an Seite kämpfen, aber für Zündstoff dürfte in den nächsten Tagen jedenfalls gesorgt sein.

Der stille Contador, ohnehin kein Freund des Medienprofis Armstrong, verzichtete auf eine verbale Antwort und setzt auf die Berge.

"Ich werde die Teamtaktik nicht kommentieren. Da kann sich jeder eine eigene Meinung darüber bilden. Die Tour wird jedenfalls nicht durch so etwas entschieden", sagte der Gesamtsieger von 2007.

Saxo-Bank will dagegen halten

Das starke Mannschaftsergebnis der Astana-Fahrer beim Auftaktzeitfahren am Samstag macht sie automatisch zu den Siegkandidaten Nummer eins.

"Die hatten in Monaco schon vier Fahrer unter den ersten Zehn und besitzen mit Armstrong einen unglaublich erfahrenen Mann", meint Aldag.

Doch Cancellara und seine Saxo-Bank-Mannschaft werden alles daran setzen, das Gelbe Trikot zu verteidigen und einen zweiten Etappensieg zu landen.

Mit Jens Voigt, Kurt Asle Arvesen, Stuart O'Grady und den Schleck-Brüdern Andy und Fränk gehört die Mannschaft von Bjarne Riis zu den am besten eingespielten Zeitfahr-Teams.

Garmin-Slipstream als Spielverderber?

Doch den Etappensieg haben auch andere Mannschaften im Visier.

Nicht zuletzt gehört das Team Garmin-Slipstream mit den Zweitfahr-Spezialisten Bradley Wiggins, David Millar und David Zabriskie zu den Teams, die um den Sieg fahren.

Mit Christian Vande Velde, 2008 Vierter der Tour de France, hat die amerikanische Mannschaft einen Mann für die Gesamtwertung in ihren Reihen.

Schwieriger Kurs

Armstrong hat den Kurs eine Woche vor der Tour unter die Lupe genommen und war schwer beeindruckt.

"Rauf, runter, links, rechts - eine richtige Achterbahnfahrt, sehr technisch", beschrieb der siebenmalige Toursieger das Etappenprofil.

Die Veranstalter haben einen technisch schwierigen Kurs gewählt, der für große Zeitabstände sorgen könnte.

Tatsächliche Rückstande zählen

Das Reglement verschärft die Situation für die schwächeren Teams. (Die Tour-Regeln: Wer, Wie, Was, Warum?)

Eine "Zeit-Deckelung" gibt es nicht mehr, was bedeutet, dass die tatsächlichen Rückstände in die Gesamtwertung einfließen.

Milram will Rückstand gering halten

Der letzte verbliebene deutsche Rennstall Milram um Bayern-Rundfahrt-Sieger Linus Gerdemann will daher den Rückstand in Grenzen halten.

"Ein Platz unter den besten Zehn wäre ein richtig gutes Ergebnis", meint Teamchef Gerry van Gerwen.

Auch für den Vorjahreszweiten Cadel Evans und sein belgisches Lotto-Team dürfte es nur um Schadensbegrenzung gehen.

Martin will Weiß verteidigen

Nicht um das Gelbe, sondern um das Trikot des besten Nachwuchsfahrers geht es für Tony Martin vom Team Columbia, der am Montag das Weiße Trikot übernahm.

"Ich will das Weiße Trikot einmal tragen, und wenn ich es habe, solange wie möglich verteidigen", sagte Martin, der bereits beim Auftakt in Monaco mit Platz acht im Einzelzeitfahren für Furore gesorgt hatte und nun auf Platz zwei der Gesamtwertung liegt. 126146(DIASHOW: Die Bilder der 3. Etappe)

Der zuvor Führende Roman Kreuziger und dessen in der Wertung der Nachwuchsfahrer auf Platz drei liegende Teamkollege Vincenzo Nibali dürften mit der Liquigas-Mannschaft gegen den Columbia-Zug keine Chance haben. 124560(DIASHOW: Die Favoriten der Tour)

Gelb wohl kein Thema

Martins Team um Sprintstar Mark Cavendish und Zeitfahr-Weltmeister Bert Grabsch geht mit der Empfehlung von bisher mehr als 50 Saisonsiegen als einer der Mitfavoriten ins Rennen.

Das ursprüngliche Columbia-Ziel, einen Fahrer - und das wäre in diesem Fall Martin - in Montpellier ins Gelbe Trikot zu bringen, ist aber wohl eher unrealistisch.

Der Rückstand von 33 Sekunden auf Zeitfahr-Olympiasieger Cancellara erscheint zu groß - doch schon ein Sturz oder eine kleine Unachtsamkeit kann alles ändern. Wie man am Montag gesehen hat.

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