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Wer jubelt am Freitag? Lance Armstrong und Alberto Contador (r.) wollen beide gewinnen © getty

Am Freitag geht es bei der Tour in die Berge. Im Fokus stehen zwei Astana-Fahrer und die Frage: Wer ist der wahre Tour-Favorit?

Von Matthias Becker

München ? Lance Armstrong zitiert Gandhi, Alberto Contador verlässt sich lieber auf die Unterstützung früherer Radsport-Heroen.

Vor der ersten schweren Bergetappe der 96. Tour de France von Barcelona nach Andorra-Arcalis richtet sich die Konzentration voll und ganz auf das Duell zwischen den Astana-Profis Armstrong und Contador.

Der Rekordsieger aus den USA geht als Zweiter, der Tour-Sieger von 2007 als Dritter auf die erste schwere Berg-Etappe von Barcelona nach Andorra-Arcalis.(Etappensieg für Astana - Armstrong verpasst Gelb)

Und an diesem Schicksalsberg des Jan Ullrich ? er schlüpfte mit einer Alleinfahrt dort 1997 ins Gelbe Trikot ? soll es erste Hinweise darauf geben, wer im Astana-Team wirklich der Kapitän sein wird.

Armstrong: "Ich fühle mich verdammt gut"

Darüber wird seit der 3. Etappe erhitzt diskutiert. Armstrong hatte sich mit einer Spitzengruppe abgesetzt und war so gegen seinen, eigentlich nominell als Kapitän benannten, Teamkollegen Contador gefahren.

Daraufhin hatte Armstrong schon angekündigt, dass man nach der Etappe am Freitag reden müsse. Geht es nach ihm, dann wird Contador in diesem Gespräch mitgeteilt, dass er für den siebenmaligen Toursieger zu fahren habe. (zum Artikel)

"Ich fühle mich verdammt gut. Aber wie es wirklich aussieht, werden wir am Freitag sehen", schreibt Armstrong auf seiner "Twitter"-Seite.

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Längste Etappe der diesjährigen Tour

Wie als Drohung schickt er vor der mit 224 Kilometern längsten Etappe der diesjährigen Tour auch noch ein Zitat von Mahatma Gandhi hinterher:

"Stärke kommt nicht aus den physischen Fähigkeiten, sondern vom unzähmbaren Willen."

Dass Armstrong diesen hat, darüber besteht nach seiner langen, umstrittenen und erfolgreichen Karriere kein Zweifel.

Contador muss kontern

Nun muss aber auch der schweigsame Contador nachweisen, dass er zurückbeißen kann. Dass der gleichsam wie Armstrong unter stetigem Doping-Verdacht stehende Spanier im Hochgebirge stark ist, hat er als Tour-, Giro- und Vuelta-Sieger schon nachgewiesen.

Bei seinem Kampf gegen Armstrong bekommt er zumindest moralische Unterstützung von früheren Tour-Helden.

Hinault und Bugno glauben an Contador

"Warum soll Contador nicht attackieren? Wenn ich er wäre, würde ich die erste Gelegenheit nutzen", sagte Tour-Legende Bernard Hinault der "Gazzetta dello Sport".

Armstrong traut Hinault, ein ausgewiesener Kritiker des Amerikaners, den Tour-Sieg nicht mehr zu: "Er wird nicht gewinnen, das ist eine Frage des Alters." (Analyse: Wo liegen die Mitfavoriten?)

Ex-Weltmeister Gianni Bugno stößt ins gleiche Horn. ""Contador muss sein Rennen machen", sagte der Italiener. Armstrong habe die ersten Etappen zwar gut überstanden, "aber er ist nicht der Stärkste im Feld."

Bruyneel: "Ich alleine entscheide"

Kommt es zuvor nicht zu stürzen, ist auf dem 10,6 Kilometer langen Schlussanstieg mit einer durchschnittlichen Steigung von 7,1 Prozent also ein echter Showdown zu erwarten. 124970(Die Höhen-Profile der Tour-Etappen)

Einer hält sich aber bedeckt: Astana-Teamchef Johann Bruyneel. Der vor allem in Spanien scharf attackierte Belgier will sich noch nicht auf eine Stretegie festlegen, obwohl er immer wieder betont hat, Contador sei sein Kapitän.

"Es gibt Trümpfe und Bauern. Ich alleine entscheide über die Taktik. Ich bin der Anführer", sagt Bruyneel.

Mit Armstrong verbindet ihn viel, er war bei allen Tour-Siegen des Amerikaners dabei. Nach Ghandi hören sich seine Aussagen wahrlich nicht an.

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