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Tiefpunkt der ersten Woche: Tom Boonen nach seinem Sturz in den Straßen Barcelonas © AFP

Tom Boonen hat sich sein Startrecht bei der Tour de France erklagt. Glücklich wird er auf dem Weg durch Frankreich bislang nicht.

Andorra-Arcalis - Gestürzt, verletzt und unerwünscht:

Bei der Tour de France scheint sich alles gegen Tom Boonen verschworen zu haben.

Der Weltmeister von 2006, den der Veranstalter ASO wegen des Kokain-Skandals partout nicht im Peloton haben wollte, erlebt seit einer Woche seine ganz persönliche Tour der Leiden.

"Das ist alles ein bisschen zuviel", sagte der 28-Jährige: "Aber ich habe lieber im Sport als im Leben Pech."

Sturz in Barcelona

Der Lebemann aus Mol, dem in diesem Jahr zum dritten Mal Kokainkonsum nachgewiesen worden war, nimmt das Dilemma mit Galgenhumor.

Auf der vorerst letzten Sprintetappe nach Barcelona erlebte er den vorläufigen Höhepunkt seiner Chaoswoche. Boonen, der sich wenige Kilometer vor dem Ziel gerade in Position bringen wollte, rutschte auf einer Ölspur aus und musste mit Schürfwunden an der linken Hüfte und am Ellbogen sowie Schmerzen im Rücken seine Hoffnungen auf den ersten Etappensieg aufgeben.

"Vielleicht sollten wir in Lourdes mal kurz Halt für Tom machen", sagte Quick-Step-Teamchef Patrick Lefevere mit Blick auf den berühmten Wallfahrtsort in den Pyrenäen, die in den nächsten Tagen auf dem Programm stehen: "Tom hat aber keine schweren Verletzungen. Es geht weiter. Die Tour dauert drei Wochen. Ich bin sicher, dass Tom noch eine Rolle spielen wird." 124970(Die Höhen-Profile der Tour-Etappen)

Gegen den Willen des Veranstalters dabei

Bislang lediglich eine tragische. In keinem einzigen Sprintfinale konnte der Belgier mitmischen. Auf der Etappe nach Perpignan wurde der Paris-Roubaix-Sieger durch einen Defekt aufgehalten, als das Peloton gerade das Tempo forcierte. Und in den ersten Tagen machten Boonen Durchfall und Bauchschmerzen zu schaffen.

Dies waren vielleicht auch die Nachwirkungen der juristischen Auseinandersetzungen mit der ASO, die erst einen Tag vor dem Tour-Start in Monaco mit einem Erfolg des belgischen Straßenmeisters beendet waren.

Der Veranstalter wollte Boonen aufgrund seines erneuten Kokain-Skandals nicht dabei haben, obwohl keine Sperre vorlag. Boonen ging vor ein ordentliches Gericht in Nanterre, das sich nicht zuständig fühlte, und schließlich vor das Sportgericht des französischen NOK (CNOSF) - mit Erfolg.

Drei Positiv-Tests auf Kokain

"Ich weiß, dass ich nicht willkommen bin, aber ich bin nicht auf Rache aus", sagte der belgische Volksheld, der allzu oft sein Leben nicht in den Griff bekommt.

Der positive Test im April dieses Jahres stammte von einer Trainingskontrolle, Kokain-Konsum wird aber nur im Wettkampf als Dopingfall gewertet. Der Weltverband UCI kündigte zwar Nachforschungen an, blieb aber letztlich tatenlos.

Boonen war bereits 2007 und 2008 - auch jeweils im Training - Kokain-Konsum nachgewiesen worden. Im Vorjahr hatte sein Rennstall deswegen bei der Tour auf den Flamen verzichtet.

Lefevre setzt auf die Berge

Diesmal soll Boonen aber wieder für Sprintsiege sorgen, nachdem er 2004, 2005 und 2007 jeweils zwei Tagessiege eingefahren hatte. Dafür muss er aber erst einmal an Mark Cavendish vorbei, dem derzeit schnellsten Mann auf dem Rad. Lefevere setzt auch auf die Berge: "Ich hoffe, dass Cavendish danach müde ist."

Und Boonen war ja bis dahin auch in Lourdes.

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