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Johannes Fröhlinger (l.) fährt in diesem Jahr seine erste Tour de France © imago

Der dritte Platz des Debütanten auf der 7. Etappe ist bis jetzt das Tour-Highlight für Milram. Die Freude hält sich in Grenzen.

Andorra-Arcalis - Selbst dem bisherigen Tour-Highlight aus Sicht der deutschen Milram-Mannschaft haftete ein bitterer Beigeschmack an.

Tour-Debütant Johannes Fröhlinger hatte sich auf dem Weg nach Andorra-Arcalis auf der 7. Etappe enorm stark präsentiert und Platz drei belegt. (7. ETAPPE: Contador glänzt, Armstrong tritt nach)

Trotzdem war der 24-Jährige nicht wirklich glücklich.

"Ich sehe es mit einem lachenden und weinenden Auge. Der dritte Platz ist ein tolles Ergebnis, aber ich hatte auch die Chance auf den Sieg", sagte Fröhlinger, nachdem sich Brice Feillu die Etappe gesichert hatte.

Henn macht sich Mut

Fröhlingers Enttäuschung ist bezeichnend für den bisherigen Tour-Verlauf des Milram-Teams: Der Traum von Gelb ist zerplatzt, das Grüne Trikot scheint unerreichbar - für Milram geht es schon nach der ersten Woche nur noch um einen Etappensieg. (ÜBERSICHT: Wo liegen die Favoriten?)

Gerald Ciolek kam dem durch die Plätze sechs, fünf und vier auf den flachen Abschnitten bisher am nächsten. In den Bergen werden wohl trotz des bisher starken Kapitäns Linus Gerdemann weiterhin die anderen feiern.

"Ich bin bisher sehr zufrieden. Wie die Mannschaft hier fährt, macht Mut", sagt Sportchef Christian Henn trotzdem. Bei sechs Etappen habe man vier gute Tage gehabt, und Ciolek sei in den Sprints immer vorn dabei gewesen: "Natürlich ist das noch ausbaufähig. Für die nächsten Tage bin ich aber recht optimistisch, denn Gerald kommt gut über die Berge."

Grün im Hinterkopf

Das Grüne Trikot des besten Sprinters haben die "Milchmänner" trotz des deutlichen Rückstands von 40 Punkten auf Spitzenreiter Mark Cavendish noch nicht abgehakt. Der Brite betont zwar immer, er wolle nach Paris kommen, hatte aber bereits am nur 96 Meter hohen Zielhügel in Barcelona seine Probleme.

Im vergangenen Jahr stieg "ManXpress" Cavendish nach vier Etappensiegen noch vor den Bergen aus. Das hat auch Henn im Hinterkopf: "Der Abstand zu Grün ist sicherlich groß, aber er ist zuletzt geringer geworden."

Vor Ciolek liegt außer Spitzenreiter Cavendish nur noch der zweitplatzierte Thor Hushovd. Der stämmige Norweger hat das Grüne Trikot bereits 2005 gewonnen - ohne einen einzigen Etappensieg.

Krach nach dem Teamzeitfahren

In den Bergen werden bis zum ersten Ruhetag am Montag alle Kräfte für Linus Gerdemann gebündelt. Allerdings sorgte gerade Milrams Klassementfahrer zuletzt für Missstimmung im Team.

Nach dem Mannschaftszeitfahren in Montpellier blaffte er Markus Fothen lauthals an, er sei unnötiges Risiko gegangen. Vier Fahrer von Milram waren auf den 39 Kilometern gestürzt, Gerdemann büßte viel Zeit in der Gesamtwertung ein.

Erst als die TV-Kameras auf ihn gerichtet waren, beruhigte sich Gerdemann wieder. Noch am selben Abend soll er sich mit einer Flasche Wein bei seinem Team entschuldigt haben. "Wir haben darüber geredet, das Thema ist vom Tisch", sagt Gerdemann. Er wolle sich nun auf die Berge konzentrieren, dort würden die Karten der Tour neu gemischt.

Hinter dem Zeitplan zurück

Der Krach scheint bei Gerdemann dennoch Schrammen hinterlassen zu haben. Er reagiert empfindlich, wenn Fragen nur einen leicht kritischen Unterton haben. "Ich weiß nicht, was diese ganze Schwarzmalerei soll. Wie fahren hier gut und sind bisher auch eine gute Saison gefahren", sagt der gebürtige Münsteraner.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Milram-Chef Gerry van Gerwen hatte zu Saisonbeginn von 24 Siegen gesprochen. Bisher sind es sieben.

124970(Die Höhen-Profile der Tour-Etappen)

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