vergrößernverkleinern
Linus Gerdemann gewann 2008 bereits die Tour de l'Ain © getty

Linus Gerdemanns Sieg bei der Deutschland-Tour soll richtungsweisend sein. Der Deutsche ist bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Bremen - Als sein Sieg bei der Deutschland-Tour feststand, gab Linus Gerdemann das Startsignal für einen deutlich größeren Kraftakt.

"Der deutsche Radsport braucht noch viel Rückenwind. Ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann. Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch längst nicht angekommen", erklärte der Hoffnungsträger einer gebeutelten Sportart.

Zuvor hatte der 25-Jährige seinen größten Karriere-Erfolg mit seinem vierten Platz im abschließenden Zeitfahren in Bremen perfekt gemacht.

Eine Woche nach seinem Etappensieg bei der schweren Bergankunft in Hochfügen (Österreich) hatte Gerdemann auch die letzten Angriffe auf sein Gelbes Trikot abgewehrt und erstmals das wichtigste deutsche Etappenrennen gewonnen.

Columbia das Maß der Dinge

Letztlich distanzierte der gebürtige Münsteraner seinen schwedischen Teamkollegen Thomas Lövkvist um 52 Sekunden. Sein Columbia-Team dominierte die Tour ohnehin wie nie zuvor und gewann allein vier Etappen.

Nach seinem doppelten Beinbruch im Frühjahr hatte die Saison für Gerdemann damit doch noch ein Happy End. "Mit diesem Erfolg habe ich mein Ziel für dieses Jahr erreicht. Alles was jetzt noch kommt ist Zugabe. "Bei der in drei Wochen in Varese/Italien stattfindenden WM gehört er in seiner jetzigen Form zum Kreis der Titelkandidaten.

"Bin bereit, Verantwortung zu übernehmen"

Der sportliche Triumph ist für Gerdemann jedoch nur die eine Seite der Medaille. Zugleich hofft er, als Vertreter einer neuen Generation von Radsportlern die Richtung für eine bessere Zukunft vorgeben zu können. "Ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen. Wir müssen dahin kommen, dass man sich für Siege nicht mehr rechtfertigen muss", meinte der Columbia-Fahrer und verwies auf die "innovativen Dopingkontrollen" bei der Deutschland-Tour.

Allerdings hat der Kampf um mehr Glaubwürdigkeit nach zwei düsteren Jahren mit dem tiefen Fall einstiger Helden und regelmäßigen Rückschlägen durch neue Doping-Skandale gerade erst begonnen. Dessen ist sich auch Gerdemann bewusst: "Natürlich ist Skepsis weiterhin angebracht. Aber zu behaupten, im Radsport würde weiter systematisch gedopt, wäre ebenso falsch, wie zu glauben, alle seien sauber."

"Dafür muss jeder von uns kämpfen"

Dass ausgerechnet Gerdemanns 23 Jahre alter Teamkollege Tony Martin das Zeitfahren zum Tour-Abschluss gewann, passte dabei ins Bild.

"Ich glaube, dass die Erfolge von uns jungen Fahrern zu mehr Glaubwürdigkeit beitragen. Dafür muss jeder von uns kämpfen", sagte der Cottbuser, der seine erste Profisaison bestreitet.

Licht am Ende des Tunnels

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) setzt daher große Hoffnungen in seine jungen Talente. Für Präsident Rudolf Scharping ist trotz der "unverändert ernsten Lage des deutschen Straßen-Radsports" daher Licht am Ende des Tunnels in Sicht: "Für mich ist die entscheidende Erkenntnis aus dieser Deutschland-Tour, dass wir ein sehr großes Potenzial an jungen und erfolgsversprechenden Fahrern haben, die gleichzeitig Leistungs- und Sympathieträger sind", sagte der Verbandschef.

Doch das allein genügt nicht, um Top-Veranstaltungen wie die Deutschland-Tour am Leben zu erhalten. Trotz der gegenüber dem Vorjahr wieder gewachsenen Begeisterung der Fans an der Strecke deuten die Zuschauerzahlen im Fernsehen derzeit in eine andere Richtung.

Positive Signale

Tour-Direktor Kai Rapp hofft daher, dass bei der anstehenden Entscheidung über die Radsport-Berichterstattung für das kommende Jahr nicht allein die nackten Zahlen betrachtet werden.

"Wir haben eine skandalfreie Runfahrt erlebt und gesehen, dass der notwendige Generationswechsel stattfindet. Ich glaube, dass es viele positive Signale für den Radsport gibt."

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel