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Tony Martin übernahm das Weiße Trikot auf der dritten Etappe © getty

Tony Martin wurde vom Edelhelfer zum Co-Kapitän und will sein Trikot nun verteidigen. An Gerdemann scheiden sich die Geister.

Limoges - Das oberhalb eines kleinen Sees in Limoges gelegene Novotel war für ein paar entspannende Stunde abseits des Trubels der Tour de France geradezu prädestiniert.

Doch mit der Ruhe war es für die neue deutsche Tour-Hoffnung Tony Martin am Ruhetag schnell vorbei.

Lance Armstrong, der Lautsprecher des Pelotons, hatte mit seinem Astana-Team ebenfalls das Quartier bezogen und wie gewohnt Hunderte Fans und Dutzende Kamerateams im Schlepptau.

Martin nahm das Ballyhoo um Armstrong gelassen zur Kenntnis (ÜBERSICHT: Wo liegen die Favoriten?).

"Ganz normale Rennfahrer"

Inzwischen hat er sich daran gewöhnt, man kommt sich ohnehin ständig in die Quere - ob in der Spitzengruppe, bei der Dopingkontrolle oder auf dem Tour-Podium.

"Ich fühle mich gut akzeptiert. Zuerst war es schon bisschen komisch, da ich Lance nur aus dem Fernseher kannte. Aber das sind alles ganz normale Radrennfahrer", berichtet der Youngster von den Erfahrungen bei der ersten Tour-Teilnahme.

Vom Edelhelfer zum Co-Kapitän

Martin ist angekommen in der Radsport-Welt, und zwar ganz oben. Als Edelhelfer in die Tour gegangen, ist er nun schon Co-Kapitän.

Daran wird sich auch nichts ändern, solange er das Weiße Trikot des besten Nachwuchsprofis trägt und mit nur einer Minute Rückstand Siebter ist. Und das will er bis Paris auch nicht mehr abgeben. "Entweder lande ich ganz weit vorne oder ganz weit hinten. Momentan läuft es ganz gut. Allmählich kommt ein wenig die Müdigkeit durch, aber nach dem Ruhetag sollte es wieder gehen", sagt der Eschborner.

Mit Diesel-Power, ohne Sorgen

Sorgen, etwa vor der schweren dritten Woche in den Alpen, macht er sich nicht 124970(Die Höhen-Profile der Tour-Etappen).

"Mir kommen längere Rennen entgegen. Ich habe einen Dieselmotor. Wenn er läuft, dann läuft er", sagt Martin und verweist auf den Giro d'Italia im letzten Jahr, als er am vorletzten Tag noch den zweiten Platz beim Mannschaftszeitfahren belegt hatte.

Alles beste Eigenschaften, um die Tour zu gewinnen. Doch das ist (noch) kein Thema.

Vetragsgespräche laufen

Martin ist wohl das größte Juwel, das der deutsche Radsport momentan hat. Das weiß auch der Columbia-Rennstall und deshalb soll die Vertragsverlängerung bis 2011 schnell fixiert werden.

"Ich fühle mich bei Columbia sehr wohl. Hier bin ich sehr gut aufgehoben. Es laufen derzeit Gespräche über eine Vertragsverlängerung, aber es ist noch nichts unterschrieben", sagte Martin.

Gerdemann hinter den Erwartungen

Eine Rückkehr zu einem deutschen Team, etwa Milram, gehört nicht in Martins Planungen. Diesen Weg war Anfang des Jahres Linus Gerdemann gegangen.

Der gebürtige Münsteraner galt lange Zeit als größte deutsche Hoffnung bei der Tour. In der Gesamtwertung muss sich derzeit mit Platz 24 (4:20 Minuten Rückstand) begnügen.

Sein sportlicher Leiter Christian Henn räumte ein, dass er sich von Gerdemann durchaus etwas mehr erwartet hatte. "Aber das kann ja noch kommen. Es ist noch nichts gelaufen", sagte Henn.

"Noch nicht viel passiert"

Gerdemann zeigte sich mit seiner Leistung in den Pyrenäen dagegen durchaus zufrieden.

"Bis auf Andorra ist noch nicht viel passiert. Die Zeitabstände sind überschaubar", sagte der 26-Jährige und setzt ganz auf die Alpenetappen in der dritten Woche: "Da kommt es auf die Konstanz an, da muss man die Form haben."

Positive Zwischenbilanz

Insgesamt zog das Milram-Team am Ruhetag eine positive Zwischenbilanz.

Die Mannschaft verkaufe sich bisher sehr gut und liege knapp über dem, was man erwarten konnte, meinte Henn: "Wir sind mit dem Gesamtpaket sehr zufrieden. Wir hoffen auf die nächsten drei Etappen." Dann ist Sprinter Gerald Ciolek wieder gefragt.

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