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Mark Cavendish (l.) feierte bereits seinen dritten Etappensieg bei dieser Tour © getty

Der Columbia-Sprinter bleibt der Mann für die Massenspurts. Auch die 10. Etappe entscheidet er vor Thor Hushovd für sich.

Issoudun - Als Mark Cavendish nach seinem dritten Tagessieg seine grüne Brille küsste, hatte das Peloton ausgerechnet auf der ersten "Funkloch-Etappe" der Tour de France Maßarbeit geleistet.

Das Fahrerfeld stellte ein Ausreißer-Quartett 1,7 Kilometer vor dem Ziel, und Cavendish verdarb den Franzosen mit einem überragenden Sprint den Nationalfeiertag.

"Das Funkverbot bei der Tour zu testen, ist kritisch. Heute hat es nichts gebracht, es war aber auch kein Riesendesaster", sagte Columbia-Sportchef Rolf Aldag.

Sprint-Berater Erik Zabel hatte sich das kurvige Finale eigens vorher angeschaut und den Fahrern über Aldag eine Skizze mit auf den Weg gegeben.

Ciolek nicht im Vorderfeld

"ManXpress" Cavendish ließ dem Norweger Thor Hushovd (Cervelo) und dem Amerikaner Tyler Farrar (Garmin) im Finale nicht den Hauch einer Chance.

Hushovd verteidigte immerhin das Grüne Trikot des besten Sprinters erfolgreich. Milram-Sprinter Gerald Ciolek wurde Elfter.

Mit oder ohne Funk: Das Ergebnis war heute vorhersehbar", sagte Astana-Teamchef Johann Bruyneel.

Seine Fahrer Alberto Contador und Lance Armstrong liegen hinter dem Italiener Rinaldo Nocentini weiterhin auf Platz zwei und drei der Gesamtwertung.

Funkverbot als Schuss in den Ofen

Auf der welligen Etappe war den Fahrer erstmals seit 1993 der Funkkontakt zu den Teamfahrzeugen untersagt. Das Rennen sollte fantasievoller und spannender werden - doch das Experiment entpuppte sich als Schuss in den Ofen.

Das Peloton hielt das Quartett mit den Franzosen Benoit Vaugrenard, Thierry Hupond und Samuel Dumoulin sowie dem Russen Michail Ignatijew gezielt an der langen Leine und drehte 30 Kilometer vor dem Ziel auf. Die Ausreißer waren ohne Chance. (ÜBERSICHT: Wo liegen die Favoriten?)

"Radfahrer sind nicht so doof"

"Wir wollten die Gruppe nicht zu weit gehen lassen, weil wir eben keinen Funk hatten. Die Etappe sollte spektakulär werden, doch das ging nach hinten los", sagte Milram-Profi Johannes Fröhlinger.

Sein Teamkollege Peter Wrolich meinte: "Radfahrer sind nicht so doof, wie einige Leute denken. Es lief heute ruhiger ab, als es sich die Organisatoren gewünscht haben."

Teams äußern Sicherheitsbedenken

Kurz vor der Etappe war eine Einigung auf einen Kompromiss gescheitert, erstmals seit 16 Jahren waren die Fahrer ohne den kleinen "Knopf im Ohr" unterwegs.

Weltverband UCI und Tour-Veranstalter ASO wollten die Rennen spannender gestalten. Bei den Teams war der Plan auf wenig Gegenliebe gestoßen, sie hatten Sicherheitsbedenken geäußert.

Kompromissvorschlag

Eine kurzfristig eingereichte Petition, die 14 der 20 Mannschaften unterschrieben hatten, wurde von der UCI negiert, ein Protest abgelehnt.

Sogar mit Sanktionen bis hin zum Ausschluss aus der Tour wurde bei Zuwiderhandlungen gedroht.

Nicht einmal dem Kompromiss, dass nur zwei Profis pro Team mit Funk fahren, stimmte die UCI zu.

Am Dienstagnachmittag machten die Teams das Angebot, die letzte Etappe nach Paris ohne Funk zu fahren, um die Geräte im Gegenzug am Freitag auf dem nach Colmar benutzen zu dürfen.

Humorvoller Protest

Die Fahrer nahmen das Funkloch teilweise mit Humor.

Der Hannoveraner Grischa Niermann erschien mit Antenne am Helm zum Start, Lance Armstrong stellte ein Foto seines Funkgeräts ins Internet. (Trotz Antenne im Funkloch)

Darunter stand: "Ruhe in Frieden." Das Rennen offenbarte ein Bild eines fast schon vergessenen Radsports, wo Fahrer sich für jede Absprache mit der Teamleitung aus dem Feld zurückfielen ließen.

Weitere Chance für Sprinterteams

Auf der 11. Etappe am Mittwoch dürfen die Profis wieder mit ihren sportlichen Leitern über die winzigen Walkie Talkies kommunizieren. 124970(Die Höhen-Profile der Tour-Etappen)

Auf den erneut hügeligen 192 Kilometern von Vatan nach St. Fargeau werden die Ausreißer wieder ihr Glück versuchen.

Da allerdings nur zwei kleinere Bergwertungen zu bewältigen sind, dürften die Sprinterteams die Etappe ebenfalls ins Auge gefasst haben.

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