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Cavendish hat gut lachen: Der Brite konnte bei der Tour 2009 schon vier Siege feiern © getty

Mark Cavendish ist restlos von sich überzeugt. Was andere über ihn denken, interessiert den schnellen Engländer nur am Rand.

Saint-Fargeau - Mal Superstar, mal Großmaul, mal Teamplayer: Bei Mark Cavendish ist für beste Unterhaltung immer gesorgt.

Der schnellste Mann des Pelotons ist auch einer der umstrittensten.

Siege werden beim "ManXpress" von der Isle of Man genauso zelebriert wie seine Auftritte neben dem Rennrad, wenn er bei Regen und dunklen Wolken mit seiner schrillen, grünen Sonnenbrille durch das Peloton stolziert.

Schnell und aggressiv

Cavendish redet auch nicht lange um den heißen Brei herum.

"Natürlich werde ich zu einigen Fahrern pampig, denn ich bin ein Arschloch", sagt der 24-Jährige mit einem breiten Grinsen.

Sekunden später wird er wieder ernst: "Aber ich bin kein Rassist. Die Nationalität oder die Hautfarbe sind irrelevant."

Am Flughafen ausgeflippt

Die Sprint-Shows von Cavendish geraten zur Nebensache, vielmehr muss sich der Engländer den bohrenden Fragen zu seinen antifranzösischen Sprüchen stellen.

Beim Transfer vor dem Ruhetag war Cavendish in einer Warteschlange am Flughafen ausgeflippt.

Weil es ihm nicht schnell genug ging, hatte er losgepoltert. "Fucking Frenchies! Was für ein beschissenes Land. Immer derselbe Mist", zitierte ihn die Sportzeitung "L'Equipe" genüsslich.

"Cavendish ist ein Rassist"

Ein namentlich nicht genannter Fahrer sagte: "Cavendish ist ein Rassist. Er ist gegen Frankreich. Er sollte aufpassen. Lange werden wir uns das nicht mehr gefallen lassen."

Der Artikel erschien anonym, der Fahrer gab seinen Namen nicht preis. Den schnellen Jungspund von der Isle of Man bringt das erneut auf die Palme.

"Weil es keine Doping-Geschichten gibt, müssen sie etwas anderes finden, worüber sie schreiben", sagt Cavendish. Er würde gerne den Autor und den Fahrer treffen, "um die Sache zu regeln".

Manchmal etwas hitzköpfig

Der Columbia-Profi gibt offen zu, dass er etwas schwierig sein kann. "Ich bin manchmal etwas hitzköpfig", sagt Cavendish.

Aber er liebe es, nach Frankreich zu kommen und dort Rennen zu fahren, doch als Profi könne man nicht jedermans Freund sein.

"Ich bin der beste Sprinter"

"Ich bin der beste Sprinter und meine Aufgabe ist es, Etappen zu gewinnen", sagt der keineswegs bescheidene Cavendish.

Mit seiner teils arroganten und provakanten Art hat "Cav" nicht nur Freunde im Peloton.

"Es wäre besser, wenn er mal die Klappe halten würde", sagt Cervelo-Sprinter Heinrich Haussler, der die knappe Niederlage gegen Cavendish beim Frühjahrsklassiker Mailand-San Remo nicht vergessen hat.

Zabel als "Navigator"

Trotz aller Extratouren lässt Cavendishs "Navigator" Erik Zabel nichts auf den Engländer kommen.

"Die Zusammenarbeit mit ihm macht unheimlich viel Spaß. Der Junge will alles wissen und fragt lieber zweimal nach", sagt der Columbia-Sprintberater über die Zusammenarbeit mit dem schnellen Briten.

Zabel schaut sich vor jeder Etappe die Strecke genau an und gibt exakte Tipps, wie die Mannschaft den Sprint zu gestalten hat. Den Rest erledigt Cavendish, und das mit Bravour.

In Issoudun holte er bereits seinen dritten Etappensieg, einen Tag später in Saint-Fargeau folgte Nummer vier 129364(Die Bilder der 11. Etappe).

Damit stellte er nicht nur seine Bestmarke aus dem Vorjahr sondern auch den britischen Tour-Rekord ein, den bislang Barry Hoban aus der Zeit zwischen 1967 und 1975 mit acht Siegen alleine hielt.

Hauptziel: Sprint-Erfolg in Paris

Hausslers Teamkollege Thor Hushovd, der die Etappe in Barcelona gewann, war in den direkten Duellen mit Cavendish meist nur zweiter Sieger.

Immerhin ist das Rennen um das Grüne Trikot noch offen.

"Mir fehlt es noch ein wenig an der Konstanz", räumt Cavendish ein und will in erster Linie weiter Etappen gewinnen: "Mein Hauptziel ist es, auf den Champs Elysees in Paris zu gewinnen."

Keine Angst vor den Bergen

In der derzeitigen Verfassung wäre alles andere wohl eine Überraschung. Denn im Vergleich zum vergangenen Jahr können Cavendish auch die Berge nicht mehr soviel anhaben (ÜBERSICHT: Wo liegen die Favoriten?).

"Er hat sich weiterentwickelt", sagt Zabel und Cavendish, der sich stets artig bei seinem Mentor bedankt, ergänzt: "Mich freut der dritte Etappensieg umso mehr, da ich mich nicht umsonst über die Pyrenäen gequält habe."

Cavendish gehört die Zukunft. Laut Zabel sind es mehrere Faktoren, die den Briten so schnell machen: "Es ist das Gesamtpaket, das ihn so einzigartig macht."

Neben seiner Explosivität hat der frühere Bahnrad-Weltmeister den Vorteil, dass er mit 1,75 m Körpergröße nur 69 Kilogramm auf Hochtouren bringen muss.

Vom Bankschalter aufs Rad

Kein Wunder, dass Cavendish bei den Teams heiß begehrt ist.

Insbesondere das neue britische Sky-Team will den Youngster zurück auf die Insel holen.

Allerdings besitzt Cavendish noch einen Vertrag bis 2011 bei Columbia und ein Verhandlungspoker mit Teamchef Bob Stapleton ist meist eine kostspielige Angelegenheit.

Bis dahin macht der mit mehr als 40 Profisiegen erfolgreichste britische Radprofi das, was er am besten kann: Sprinten.

"Ich liebe meinen Sport. Jede Stunde auf dem Rennrad ist besser als ein Tag im Büro", sagt der ehemalige Bankangestellte.

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