vergrößernverkleinern
Der Italiener Rinaldo Nocentini gewann im Jahr 2009 eine Etappe der Tour of California © getty

Niemand will das Gelbe Trikot, da lässt sich der Italiener nicht zweimal bitten. Doch er hat kein Problem, ins zweite Glied zurückzugehen.

Vittel - Rinaldo wer? Wenn der kleine, unbekannte Herr aus Italien mit seinem schelmischen Grinsen auf das große Podium der Tour de France steigt und sich die Küsschen der Hostessen samt Gelbem Trikot abholt, reiben sich die Radsport-Fans immer noch verwundert die Augen.

Mit dem Namen des 60-Kilogramm-Leichtgewichts, das seit vergangenem Freitag an der Spitze der Gesamtwertung thront, können nur die Wenigsten etwas anfangen.

Gestatten, Rinaldo Nocentini, 31 Jahre alt, aus der Wein-Region Arezzo in der Toskana, Sohn eines Maurers und mit neun Geschwistern aufgewachsen. Seit 1999 ist er Radprofi, ein guter Helfer. Zwölf unbedeutende Siege in elf Jahren hat er geholt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Zur rechten Zeit am rechten Ort

Seit Andorra ist das Leben des 1,73 m großen Rinaldo ("Ich liebe Rotwein und Partys") ein wenig aus den Fugen geraten.

Im richtigen Moment erwischte er die richtige Ausreißergruppe und fand sich prompt im Maillot Jaune wieder.

Und da das alles überragende Astana-Team um Lance Armstrong und Alberto Contador vor den Alpen kein großes Interesse an der Führung in der Gesamtwertung hat, gibt Nocentini seither den freundlichen Platzhalter. 129364(Die Bilder der 11. Etappe)

Gelb bei der ersten Tour

In den Flash-Interviews pflegt Nocentini jede seiner Antworten mit einem langgezogenen "Eeeeeh" zu beginnen. Was soll er aber auch groß erzählen?

Natürlich sei es ein großer Traum gewesen, das Gelbe Trikot einmal zu tragen, und das bei seiner ersten Tour-Teilnahme, sagt Nocentini. Und dass er es länger als zwei, drei Tage tragen würde, hätte er nie gedacht.

Elli zum letzten Mal 2000

In Italien ist man jedenfalls stolz auf Nocentini. Kein Wunder, schließlich musste die Radsport-Nation neun Jahre darauf warten, einen Azzurri in Gelb zu sehen.

Dem früheren Telekom-Profi Alberto Elli war diese Ehre im Jahr 2000 zuteilgeworden (ÜBERSICHT: Wo liegen die Favoriten?).

"Ich genieße jeden Tag"

Nun also Nocentini. Der Fahrer des französischen Teams AG2R, der früher auch für die italienischen Rennställe Mapei, Fassa Bortolo und Acqua e Sapone gefahren war, macht sich keine großen Illusionen.

Dass der Triumphzug bald vorbei ist, ist ihm bewusst. "Eeeeeeh, ich genieße jeden Tag und versuche das Trikot so lange wie möglich zu verteidigen", sagt er und lächelt wie immer freundlich dabei.

Bald wieder Wasserflaschen-Sammler

Nur sechs Sekunden liegt er in der Gesamtwertung vor Contador und weitere zwei vor Armstrong. Jeder Tag könnte der letzte sein, aber bis zur Bergankunft am Sonntag in Verbier besteht die realistische Chance, den ersten Platz zu behaupten.

Wenn er das Gelbe Trikot dann wieder abgeben muss, wird er wie gewohnt für seinen Kapitän Wladimir Jefimkin im Feld arbeiten, Löcher zufahren und Wasserflaschen holen.

"Vielleicht bietet sich dann ja noch die Chance auf einen Etappensieg", sagt Nocentini. Schließlich ist er bei den täglichen Siegerehrungen langsam auf den Geschmack gekommen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel