vergrößernverkleinern
Heinrich Haussler hatte schon nach drei Kilometern die erste Attacke gestartet © AFP

Der Cervelo-Profi krönt eine Flucht über fast 200 Kilometer mit seinem ersten Tour-Etappensieg. Die Favoriten halten sich zurück.

Colmar - Am Ziel seiner Träume brach es aus Heinrich Haussler heraus.

Kurz vor dem Zielstrich im verregneten Colmar schossen dem deutschen Shootingstar die Tränen in die Augen.

"Meine Emotionen spielten verrückt. Ich habe an das viele Pech gedacht, dass ich in dieser Saison hatte. Ich wollte nicht schon wieder Zweiter werden", erklärte der 25-Jährige nach seinem Sieg auf der 13. Etappe der 96. Tour de France 130142(Die Bilder der 13. Etappe).

Er erinnerte an die vielen Enttäuschung im Frühjahr, als er nur um einige Millimeter den Sieg bei Mailand-San Remo verpasste und auch bei der Flandern-Rundfahrt den undankbaren zweiten Platz belegte.

Ein weiteres Deja-vu blieb dem Deutsch-Australier diesmal erspart.

Um exakt 17.23 Uhr wurde Haussler für einen beeindruckenden Parforceritt über 197 km belohnt - und das vor seiner Haustür: "Ich lebe 30 Kilometer von hier und das ist quasi mein Trainingsgelände. Ich habe mir die Etappe vorher schon ausgeguckt."

Haussler wie entfesselt

Wie entfesselt war Haussler zum Sieg und damit seinem größten Erfolg der Karriere gestürmt.

"Ich kann es nicht glauben, dass ich gewonnen habe. Das ist ein großer Tag für mich", sagte der Cervelo-Profi, der zugleich für den lang ersehnten ersten deutschen Sieg bei der diesjährigen Tour sorgte.

48 Kilometer vor dem Ziel hatte Haussler seinen Mitausreißer Sylvain Chavanel stehen gelassen und sich im Alleingang nach Colmar, nahe seiner deutschen Heimat Freiburg aufgemacht.

21. deutscher Etappensieger

"Ich bin aggressiv gefahren und wollte mich nicht auf einen Sprint gegen Chavanel einlassen. Er ist schließlich sehr stark."

Obwohl er im sonnigen Australien geboren wurde, sei ihm das Regenwetter entgegen gekommen.

"Es klingt komisch, aber ich hasse die Hitze. Wenn heute 30 Grad gewesen wären, hätte ich nicht gewonnen", sagte der Draufgänger, dessen Vater Deutscher und die Mutter Australierin ist.

Haussler, der 4:11 Minuten vor dem Spanier Amets Txurruka ins Ziel kam, ging als 21. deutscher Etappensieger in die Geschichte der Tour de France ein.

Martin freut sich für Haussler

Für den letzten deutschen Erfolg hatte im Vorjahr Dopingsünder Stefan Schumacher mit seinem Sieg im Einzelzeitfahren gesorgt. Einer der ersten Gratulanten war Tony Martin, der zum zehnten Mal in Folge das Weiße Trikot des besten Nachwuchsprofis verteidigte:

"Ich freue mich für meinen Freund Heinrich, dass er den Sieg nach Deutschland geholt hat. Das ist was ganz Besonderes."

Mit seinem Etappensieg dokumentierte Haussler einmal mehr seinen Status eines Weltklassefahrers.

Für Haussler, der vor der Saison noch vergeblich auf einen Vertrag bei einem ProTour-Team gehofft hatte, war es bereits der fünfte Saisonsieg und die 15. Podestplatzierung.

Nocentini bleibt in Gelb

Die Topfavoriten um Alberto Contador und Lance Armstrong einigten sich bei der letzten Kletterpartie vor den Alpen auf einen Waffenstillstand und brachten auf der 200 km langen Etappe von Vittel nach Colmar das Gelbe Trikot des Italieners Rinaldo Nocentini nicht in Gefahr (ÜBERSICHT: Wo liegen die Favoriten?).

Damit liegt der Italiener weiter sechs Sekunden vor Contador und acht vor Armstrong, dahinter gab es allerdings eine gravierende Änderung.

Armstrongs Edelhelfer Levi Leipheimer, der bislang den vierten Gesamtrang belegt hatte, musste nach seinem am Donnerstag erlittenenen Bruch des rechten Handgelenks die Heimreise antreten.

"Das ist ein großer Rückschlag für das Team. Wir haben weiter eine starke Mannschaft, aber der Ausfall ist nicht hilfreich", sagte Armstrong.

Auch Wrolich steigt aus

Durch den Ausfall des Tour-Dritten von 2007 rückte Andreas Klöden auf den fünften Platz vor. Youngster Martin ist nun Sechster.

Auch das deutsche Milram-Team verlor am Freitag seinen ersten Fahrer.

Der Österreicher Peter Wrolich ist vor der 13. Etappe von Vittel nach Colmar wegen Magen- und Darmproblemen ausgestiegen.

Der 35-Jährige, der seine fünfte Tour bestritt, war insbesondere als wichtiger Helfer für Sprintkapitän Gerald Ciolek im Einsatz.

Angriff schon nach drei Kilometern

Ciolek spielte erwartungsgemäß keine Rolle, wohl aber sein Landsmann Haussler.

Der frühere Gerolsteiner-Profi hatte bereits drei Kilometer nach dem Start in Vittel mit Chavanel und dem Spanier Ruben Perez Moreno Moreno die Flucht ergriffen und bei der Fahrt über zwei Berge der dritten, zwei der zweiten und einem der ersten Kategorie zwischenzeitlich einen Vorsprung von 8:30 Minuten herausgefahren.

Moreno konnte dem Tempo am Platzerwasel schon nicht mehr folgen.

Showdown am Sonntag?

Am Samstag könnten auf der 14. Etappe über 199 km von Colmar nach Besancon nochmal die Sprinter zum Zug kommen, ehe am Sonntag der Showdown in den Alpen beginnt 124970 (Die Höhen-Profile der Tour-Etappen).

Auf dem 207,5 km langen Weg von Pontarlier zur Schweizer Skistation Verbier müssen die Fahrer vier Berge der dritten, einen der zweiten und einen der ersten Kategorie bewältigen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel