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Voigt wurde auf die Intensivstation eines Grenobler Krankenhauses gebracht © getty

Der Spanier Mikel Astarloza entscheidet die 16. Etappe der Tour de France nach einen starken Antritt. Voigt muss ins Krankenhaus.

Bourg-Saint-Maurice - Als Jens Voigt bei Tempo 80 mit voller Wucht auf den Asphalt knallte und regungslos die Straße hinunterrutschte, stockte dem Peloton der Atem.

Minuten später raste der Krankenwagen in den Alpenort Bourg-Saint-Maurice, von wo aus Voigt per Helikopter in ein Krankenhaus nach Grenoble geflogen wurde.

Der heftige Sturz drängte den Tagessieg von Mikel Astarloza und das sportliche Geschehen auf der 16. Etappe der Tour de France komplett in den Hintergrund.

Jochbeinbruch bei Voigt

Im Krankenhaus stellte sich dann heraus, dass Voigt bei seinem schweren Sturz einen Jochbeinbruch und eine Gehirnerschütterung erlitten hat.

"Ihm geht es den Umständen entsprechend gut. Er wird zur Beobachtung die Nacht auf der Intensivstation in Grenoble verbringen", sagte Saxo-Bank-Sprecher Brian Nygaard am Dienstagabend.

Voigt habe dem Team bereits eine SMS geschickt. "Viel Glück, viel Erfolg. Behaltet das Rennen im Fokus", habe der 37-Jährige seinen Kollegen mitgeteilt.

Ohne Bewusstsein

Nach Aussagen des behandelnden Arztes Dr. Gerard Porte habe der Deutsche hauptsächlich Gesichtsverletzungen erlitten.

Außerdem bestätigte Porte erste Meldungen, dass Voigt nach dem Sturz das Bewusstsein verloren habe.

"Er war drei bis vier Minuten bewusstlos", sagte Porte der Nachrichtenagentur "AFP". Eine genauere Diagnose könne es, so Porte, aber erst nach der Röntgenuntersuchung geben. 131393(DIASHOW: Die Bilder der 16. Etappe)

"Da graut's einem"

Voigt war 25 Kilometer vor dem Ziel in Bourg-Saint-Maurice auf der rasenden Abfahrt vom Kleinen Sankt Bernard nach einer Bodenwelle zu Fall gekommen.

"Da graut's einem. Ich bin regelrecht zusammengezuckt. Ich wünsche ihm nur das Beste", sagte Jungprofi Tony Martin, der an Voigt vorbei fuhr, als dieser gerade auf einer Trage in den Krankenwagen geschoben wurde.

Milram-Kapitän Linus Gerdemann war in Gedanken ebenfalls bei dem sympathischen Berliner: "Wenn man solche Stürze sieht, dann ist alles andere nebensächlich."

"Das war kein schöner Anblick, Jens dort regungslos liegen zu sehen. Da schießen einem Gedanken durch den Kopf, wenn man seine Familie kennt und weiß, dass die Kinder vor dem Fernseher sitzen", sagte Columbia-Sportchef Rolf Aldag mit stockender Stimme.

Schleck schüttelt Armstrong ab

Voigt, der sich zum Zeitpunkt des Sturzes in der Verfolgergruppe um Tour-Spitzenreiter Alberto Contador befand, bestritt bereits seine zwölfte Frankreich-Rundfahrt.

Beim Tagessieg des Spaniers Mikel Astarloza hatte zuvor Voigts Mannschaftskollege Andy Schleck für ein Spektakel auf der 159 Kilometer langen Etappe von Martigny nach Bourg-Saint-Maurice gesorgt.

Der junge Luxemburger attackierte am Kleinen Sankt Bernard und schüttelte Contadors neuen Edelhelfer Lance Armstrong ab.

Der Amerikaner kämpft sich zurück

Der Texaner verlor zwischenzeitlich über 30 Sekunden, kämpfte sich jedoch in beeindruckender Manier zurück, die an seine Glanzzeit zum Anfang des Jahrtausends erinnerte.

"Ich bin einfach mein Tempo gefahren. Ich habe mich deutlich besser gefühlt als am Sonntag", sagte der 37-Jährige, der am 18. September nur einen Tag nach Voigt seinen Geburtstag feiert.

Für seine famose Aufholjagd erhielt Armstrong sogar ein Lob von Contador, der sein Gelbes Trikot scheinbar mühelos verteidigte.

"Lance ist ein großer Champion und er hat es heute wieder bewiesen. Was er allein geleistet hat, war beeindruckend", sagte der Spanier vom Astana-Team (Armstrong kämpft weiter - um Platz zwei).

Die jungen Deutschen verlieren an Boden

In der Gesamtwertung liegt Contador weiterhin 1:37 Minuten vor seinem US-Teamkollegen Armstrong (Contador nach Husarenritt in Gelb).

Dritter ist der überraschend starke Brite Bradley Wiggins (Garmin/1:46 Minuten zurück).

Die deutschen Hoffnung Tony Martin (Eschborn/Columbia) erlebte einen schweren Einbruch und rutschte im Klassement auf Rang 34 zurück (18: 48).

Linus Gerdemann (Münster/Milram) liegt 11:16 Minuten hinter Contador auf Platz 23.

Razzia bei Astana

Aufregung gab es bei Astana zuvor abseits der Strecke. An der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich wurde ein LKW des Teams drei Stunden lang vom Zoll durchsucht.

Wie Sprecher Philippe Maertens mitteilte, seien jedoch keine illegalen Substanzen gefunden worden. (Tour-Splitter: Razzia im Astana-LKW)

Am Mittwoch erwartet die Fahrer der nächste schwere Tag. Auf der Königsetappe von Bourg-Saint-Maurice nach Le Grand-Bornand sind auf den 169,5 km gleich vier Berge der ersten Kategorie zu bewältigen.

Milram-Kapitän Linus Gerdemann hat an Le Grand-Bornand besonders gute Erinnerungen. Vor zwei Jahren siegte der Münsteraner in dem Wintersportort und eroberte das Gelbe Trikot.

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