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Fränk (r.) und Andy Schleck dominieren die Etappe, doch Contador (l.) bleibt in Gelb © getty

Der Luxemburger entscheidet die 17. Etappe vor dem Gesamtführenden und seinem Bruder für sich. Bittere Niederlage für Armstrong.

Le Grand-Bornand - Als der alte General Lance Armstrong mit versteinerter Miene den alpinen Skiort Le Grand-Bornand erreicht hatte, strahlte der neue Tour-Patron Alberto Contador mit den schnellsten Brüdern der Welt bereits um die Wette.

Geschlagen und erneut gedemütigt ist für den Texaner der Traum vom achten Toursieg endgültig geplatzt, stattdessen ist auf der Königsetappe der 96. Tour de France die Zeitenwende durch Contador und die Brüder Andy und Fränk Schleck eingeläutet worden.

"Das hat keinen Spaß gemacht. Ich wurde von einigen Attacken am vorletzten Berg überrascht. Am Ende hatte ich Krämpfe", sagte Armstrong nach der wohl bittersten Niederlage seiner Karriere.

Enormer Zeitverlust

2:18 Minuten verlor Armstrong als Tagesfünfter auf seinen elf Jahre jüngeren Rivalen Contador, der auf dem 17. Teilstück über 169,5 km von Bourg-Saint-Maurice nach Le Grand-Bornand hinter Fränk Schleck und vor dessen Bruder Andy den zweiten Platz belegt.

Staatspräsident und Armstrong-Fan Nicolas Sarkozy erlebte im Auto von Tourchef Christian Prudhomme die Schmach. 131790(DIASHOW: Die Bilder der 17. Etappe)

Armstrong verliert Platz drei

Armstrong, der mit einem Rückstand von nun 3:55 Minuten auf den vierten Platz der Gesamtwertung zurückfiel, war aber nicht zu müde, noch eine kleine Breitseite auf Contador abzufeuern.

"Viele Leute fragen mich, warum Contador am letzten Berg attackiert und Andreas Klöden zurückgelassen hat. Ich habe es auch nicht verstanden", sagte der Texaner.

Klöden war daraufhin sogar noch hinter Armstrong auf Platz sechs zurückgefallen und verpasste damit den zweiten Platz in der Gesamtwertung. Den belegt nun Andy (2:26) vor Fränk Schleck (3:25).

Klöden gibt sein Okay zur Attacke

Contador wollte die Kritik an der viel diskutierten Szene am Col de la Colombiere so nicht stehen lassen.

"Ich habe Andreas gefragt und er hat gesagt 'Los geh, attackiere'. Als die Schlecks zurückkamen, habe ich gestoppt, aber es war zu spät für Andreas", sagte Contador, der die Taktik vorher schon mit Johan Bruyneel abgesprochen habe. Klöden (4:44) ist als bester Deutscher nun Gesamtfünfter.

Sieg wird Jens Voigt gewidmet

Der zweite Toursieg nach 2007 dürfte Contador damit kaum mehr zu nehmen sein. Zu souverän kletterte der 26-Jährige wieder einmal die Rampen in den Alpen hinauf.

Um den Sieg wollte er dann nicht mehr mitsprinten, den durfte sich Fränk Schleck holen. "Das ist ein außergewöhnlicher Moment für unser Team nach dem großen Pech mit dem Sturz von Jens Voigt", sagte Saxo-Bank-Teamchef Bjarne Riis und Tagessieger Fränk Schleck ergänzte: "Das ist ein großer Tag für unsere Familie. Ich widme Jens den Sieg."

Offener Schlagabtausch am Col de Romme

Bei der härtesten Tour-Etappe mit vier Bergen der ersten und einem der zweiten Kategorie ging es auf den letzten 40 Kilometern zur Sache. Am Col de Romme, dem vorletzten Anstieg, kam es zum offenen Schlagabtausch der Favoriten.

Dabei musste Armstrong den Kontakt zu den Favoriten abreißen lassen. Bis zum 1297 m hohen Gipfel war der Vorsprung schon auf eine Minute angewachsen.

Beim Anstieg zum letzten Berg wurde der Abstand immer größer und die wohl bitterste Niederlage seiner Karriere war besiegelt. Beim Zeitfahren 2003 in Cap'Decouverte hatte Armstrong mal nach einem Einbruch 1:36 Minuten auf Jan Ullrich eingebüßt.

Gerdemann träumt, bis die Favoriten ernst machen

Lange Zeit durfte auch Linus Gerdemann von einer Wiederholung seines Triumphes in Le Grand-Bornand träumen. Der Deutschland-Toursieger, der 2007 im Skiort triumphiert hatte, gehörte über 100 km einer Ausreißergruppe an, die zwischenzeitlich über sechs Minuten auf das Feld herausgefahren hatte.

Doch als die Favoriten Ernst machten, war der Traum des Milram-Kapitäns beendet.

Der große Gewinner der Fluchtgruppe war dabei Sprinter Thor Hushovd. Der Norweger holte sich beide Zwischensprints und liegt im Kampf um das Grüne Trikot nun 30 Punkte vor dem viermaligen Etappensieger Mark Cavendish (Großbritannien).

Armstrong kündigt Kampf um Gelb 2010 an

Sportlich läuft es für Armstrong noch nicht nach Plan, dafür nimmt sein neues Team allmählich Konturen an. Der erste Geldgeber ist bereits gefunden. "Am Donnerstag wird es eine coole Mitteilung geben", meinte der 37-Jährige über sein Sprachrohr Twitter.

Zuletzt kursierten die Namen des Sportartikelherstellers Nike, des Software-Unternehmens Oracle und des Fahrradherstellers Trek. Vermutlich dürfte auch seine Krebsstiftung mit im Boot sein.

Dass Armstrongs langjähriger Mentor Bruyneel dann auf der Kommandobrücke stehen wird, gilt als sicher.

Der Belgier, der den Amerikaner zu sieben Toursiegen lotste, hat bereits seinen Abschied vom Astana-Team angekündigt.

Entscheidendes Zeitfahren um den Lac d'Annecy

Dann will sich Armstrong mit zweiten Plätzen nicht mehr begnügen. "Ich komme 2010 zu hundert Prozent wieder und werde besser sein. Dieses Mal war es schwierig, aber nächstes Jahr wird es eine andere Geschichte sein", sagte der Texaner.

Am Donnerstag steht das 40,5 km lange Einzelzeitfahren rund um den Lac d'Annecy auf dem Programm.

Für die Favoriten dürfte dies die letzte Herausforderung vor der Bergankunft am Samstag auf dem Mont Ventoux sein.

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