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Jens Voigt bleibt zu weiteren Untersuchungen in der Klinik von Grenoble © getty

Ein Tour-Mediziner erklärt, der grausame Sturz von Jens Voigt hätte tödlich enden können. Vater Voigt spricht von Übermotivation.

München - Jochbeinbruch, Gehirnerschütterung und etliche Hautabschürfungen ? bei seinem fürchterlichen Sturz auf der 16. Etappe (Voigt stürzt schwer - Astarloza siegt) ist Jens Voigt noch relativ glimpflich davongekommen.

Nur der Helm habe dem Berliner, der bei einer Abfahrt vom Kleinen Sankt Bernard in höllischem Tempo zu Fall kam, "das Leben gerettet", sagte der Arzt Xavier Roy der Internetausgabe der französischen Zeitung "L'Equipe". Roy ist Mitglied des Medizinerstabs der 96. Tour de France.

Voigt muss noch einige Tage zur Beobachtung in einer Klinik in Grenoble bleiben, teilte sein Teamchef Bjarne Riis vom Saxo-Bank-Rennstall am Mittwoch mit.

Papa Voigt: "Es tut ihm leid"

Ob Voigt operiert werden müsse, ist nach Angaben des Dänen noch nicht entschieden.

"Ich hatte sehr viel Glück, dass ich mich bei dem Unfall nicht schwerer verletzt habe", gab der 37-Jährige aus der Intensivstation des Universitätsklinikums von Grenoble heraus Entwarnung. 131393(DIASHOW: Die Bilder der 16. Etappe)

Seiner Familie hätte er den Schock lieber erspart. "Seine Frau hatte mit ihm gesprochen. Und da hat er schon gesagt, das tut ihm leid, dass er uns allen so einen Schrecken eingejagt hat", sagte sein Vater Egon Voigt dem Radiosender "Hit-Radio Antenne Mecklenburg-Vorpommern".

Am Mittwochnachmittag stehe eine Computertomographie bei seinem Sohn an, ergänzte er.

"Kein Materialfehler"

"Wir waren am Boden zerstört", berichtete Egon Voigt. Trotz des Sturzes hofft er, dass sein Sohn auch 2010 bei der Tour de France startet.

Bjarne Riis habe dem Routinier eine Vertragsverlängerung versprochen. "Deswegen war er wohl auch den nächsten Tag so übermotiviert, glaube ich", mutmaßt Vater Voigt über die Ursachen des Unglücks.

Riis bestätigte: "Jens gehört einfach zum Team und zwar als Fahrer. Wir haben schon über einen neuen Vertrag geredet."

Der Fahrer selbst könne sich nur in Bruchstücken an sein Malheur erinnern, sagte Saxo-Bank-Teamsprecher Brian Nygard. Nygard versicherte, dass "definitiv kein Materialfehler" vorgelegen habe.

Untersuchung auf Blutgerinnsel

Der zweimalige Tour-Etappensieger müsse "absolute Bettruhe einhalten", zudem würden weitere Untersuchungen folgen, um mögliche Blutgerinnsel auszuschließen, teilte Voigts Familie mit.

Ehefrau Stephanie war gerade auf einem Kindergeburtstag, als sie die schlimme Nachricht ereilte. "Wir haben nach dem Sturz eine Minute telefoniert. Ich habe dann sofort ein Flugticket gekauft", sagte Stephanie Voigt. Sie habe den Sturz nicht live im Fernsehen gesehen: "Ich wollte mir das anschließend auch gar nicht mehr anschauen. Das Ganze ist schon schlimm genug."

Erleichtert über die absehbaren Sturzfolgen äußerte sich der Tour-Zweite Lance Armstrong (Armstrong kämpft weiter - um Platz zwei): "Ich habe gerade von Fränk Schleck gehört, dass Jens okay ist. Gute Nachrichten", ließ der US-Amerikaner via Twitter wissen.

Der Erfurter Sebastian Lang schrieb eine SMS. "Das Leid, das er gerade ertragen muss, können wohl nur Rennfahrer nachvollziehen", sagte Lang.

"Vielleicht schaffe ich die Qualifikation nicht mehr"

Sprinter-König Thor Hushovd, der bei Voigts Hochzeit sein Trauzeuge war, fiel ein Stein vom Herzen. "Ich bin erleichtert, dass er wieder bei Bewusstsein ist. Es tut mir verdammt leid für Jens, dass so etwas passiert ist", sagte der Norweger. Jan Ullrich schloss sich dem in einem "Eurosport"-Interview an: "Ich drücke die Daumen, dass alles gut läuft."

Der wegen seiner wilden Ausreißversuche in der Radsport-Welt sehr populäre Voigt bestritt in diesem Jahr seine zwölfte Tour de France. Wahrscheinlich war es für den zweimaligen Sieger der Deutschland-Tour auch die letzte Große Schleife.

"Es ist schon ein schönes Rennen, aber auch stressvoll. Vielleicht schaffe ich die Qualifikation für das Team nicht mehr, weil viele junge Talente nachrücken", sagte er.

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