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Tony Martin fährt seit 2008 für das amerikanische Columbia-Team © getty

Der Ausstieg des Hauptsponsors ist vom Tisch ist, Milram bastelt am Kader 2010: Der Teamchef hat 20 Fahrer ausgeguckt.

Annecy - Das Treuebekenntnis des Hauptsponsors (Freifahrtschein für Milram ) als Startschuss für die Personalplanungen:

Nachdem der vorzeitige Ausstieg des Geldgebers Nordmilch vom Tisch ist, kann der letzte verbliebene deutsche ProTour-Rennstall Milram mit der Zusammenstellung des Kaders für 2010 beginnen.

Gesucht werden junge, deutsche Fahrer mit astreiner Vita und großer Zukunft - Ein Anforderungsprofil, in das der neue deutsche Hoffnungsträger Tony Martin genau passen würde.

"Ich habe eine Liste mit 20 Fahrern, und da steht Tony Martin auf jeden Fall drauf. Aber ich kann ja nur Vorschläge machen", sagte Sportdirektor Christian Henn.

Martin-Verpflichtung schwer zu realisieren

Eine Verpflichtung des Columbia-Fahrers, der zwölf Etappen im Weißen Trikot gefahren war, wäre aber schwer zu realisieren, wie Teamchef Gerry van Gerwen einräumt:

"Wir müssen wissen, wie es nach 2010 weitergeht. Wir können den Fahrern nur für ein Jahr Sicherheiten geben. Das macht es schwer."

So muss der Rennstall die beiden Velits-Brüder Peter und Martin (Slowakei) nach der Saison zu Columbia ziehen lassen.

Gespräche über längere Zusammenarbeit

Deswegen will van Gerwen nach der Tour de France mit dem Hauptsponsor Milram über eine Zusammenarbeit über 2010 hinaus reden.

"Wenn wir eine Garantie für zwei Jahre hätten, könnten wir schon besser planen", sagt Henn. (Milram kämpft gegen das Verfallsdatum)

Ungeachtet dessen besteht laut van Gerwen auf jeden Fall Handlungsbedarf für die Frühjahrsklassiker. Den Teamchef hat es schwer gewurmt, dass seine Mannschaft bei den Rennen in den Niederlanden und Belgien nur hinterhergefahren ist.

Abwärtstrend gestoppt

Durch den Verbleib Milrams ist der Abwärtstrend im deutschen Radsport erst einmal gestoppt. Deutschland bleibt auch in Zukunft Teil der Radsport-Landkarte.

Zudem kommt mit dem Team NetApp eine weitere Mannschaft, wenn auch zunächst mit Continental-Status, auf den Markt.

Thomas Campana, der deutsche Teamchef des Cervelo-Teams, ist davon überzeugt, dass das Tal durchschritten ist:

"In den nächsten zwei, drei Jahren werden große Firmen zurückkommen. In Deutschland wird die Entwicklung später einsetzen. Aber auch dort gibt es Manager, die rechnen können. Das Return of Investment ist im Radsport das Beste."

Gute Medienwerte

Die Erkenntnis hat offenbar auch Milram gewonnen.

Die Medienwerte hätten, so eine interne Rechnung, im vergangenen Jahr einen Gegenwert von 50 Millionen Euro ergeben. (Klöden rechnet mit deutschen Medien ab)

Kein schlechtes Geschäft bei einem Investitionsvolumen von rund acht Millionen Euro pro Jahr.

Für 2009 liegen zwar noch keine Zahlen vor, aber man sei "mit den medialen uns sportlichen Ergebnissen zufrieden", sagt Claus P. Fischer, der Marketing-Direktor der Nordmilch AG.

Van Gerwen zufrieden

So sieht es auch van Gerwen, der mit dem Verlauf der Tour zufrieden ist:

"Wir haben uns gut präsentiert. Was bislang fehlte, war das Erfolgserlebnis, der Etappensieg."

Ähnlich fiel die Bewertung des Niederländers für Kapitän Linus Gerdemann aus: "Über Präsenz, Mitarbeit und Medienwerte kann ich nicht klagen. Die sportliche Leistung muss verbessert werden."

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