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Mark Cavendish entscheidet einmal mehr den Massensprint für sich © getty

Die Ausreißer werden auf der 19. Tour-Etappe rechtzeitig eingefangen - Mark Cavendish entscheidet einmal mehr den Sprint für sich.

Aubenas - Nach seinem Rekordsprint bei der Tour de France flossen bei Mark Cavendish die Tränen.

Der sonst so coole Brite zeigte wenige Sekunden nach seinem fünften Etappensieg große Emotionen.

Cavendish weinte im Zielbereich wie ein kleiner Junge. Zuvor hatte er Großes vollbracht. Als erster Radprofi seit "General" Lance Armstrong 2004 feierte Cavendish fünf Tour-Etappensiege in einem Jahr.

"Das war ein ganz besonderer, ganz emotionaler Sieg für Mark. Er wollte die Etappe unbedingt gewinnen. Es gab keinen Plan B. Und wenn er sich ein Ziel gesetzt hat, dann muss man ihn schon vom Rad schießen", meinte Columbia-Sportdirektor Rolf Aldag.

"Der Gipfel war für mich die Ziellinie"

Cavendish hatte schwere Tage bei der Tour hinter sich. Der oft arrogant wirkende Sprinter wurde im Feld angefeindet, auch die Privatfehde mit Thor Hushovd hatte ihm zugesetzt 132453(DIASHOW: Die Bilder der 19. Etappe).

Hushovd musste sich indes im Finish der 19. Etappe über 178 km von Bourgoin-Jallieu nach Aubenas geschlagen geben. Auch für Milram-Sprinter Gerald Ciolek als Dritter reichte es nicht.

"Ich habe zu den Jungs im Bus gesagt: Bleibt am Berg bei mir. Ich probiere es heute. Der Gipfel war für mich die Ziellinie. Alles andere danach Bonus. Tony Martin und George Hincapie haben unglaublich für mich gearbeitet - und das am Tag vor dem Mont Ventoux. Da wurde ich im Ziel emotional", sagte Cavendish.

Ciolek hofft auf Fehler von Cavendish

Ciolek, der erstmals im Sprint nah an Cavendish herankam, zeigte sich als fairer Verlierer.

"Er ist eine Klasse für sich. Es ist bewundernswert, wie er sich zu einem kompletten Rennfahrer entwickelt. Diesmal fehlte mir am Ende nicht mehr viel. Ich muss drauf hoffen, dass er vielleicht mal einen Fehler macht. Nichts ist unmöglich", sagte der Pulheimer.

Unter den Favoriten kam es einen Tag vor dem großen Kräftemessen auf dem berühmt-berüchtigten Mont Ventoux zu einem Stillhalteabkommen (Zum Artikel: Entscheidung am Mont Ventoux).

Alleiniger britischer Rekord-Etappensieger

Alberto Contador, der am Donnerstag auch das Einzelzeitfahren gewonnen hatte (Zum Artikel: Contador brilliert im Zeitfahren), verfügt weiter über einen komfortablen Vorsprung von 4:11 Minuten auf den Luxemburger Andy Schleck.

Der siebenmalige Toursieger Armstrong, der am Donnerstag das Elektronik-Kaufhaus RadioShack als Sponsor seines neuen Teams präsentiert hatte (Zum Artikel: Armstrong startet für US-Team), bleibt Gesamtdritter.

Cavendish feierte seinen insgesamt neunten Tour-Etappensieg und liegt nur noch drei Tageserfolge hinter seinem Lehrmeister Erik Zabel.

Zugleich ist er nun alleiniger britischer Rekord-Etappengewinner vor Barry Hoban.

"Es gibt wieder einen richtigen Zug"

Durch seinen fünften Sieg bei der diesjährigen Tour zog der Columbia-Profi in der ewigen Bestenliste mit Armstrong gleich, der 2004 ebenfalls fünf Etappen gewann.

An der Spitze der Rekordliste stehen Charles Pelissier (1930), Eddy Merckx (1970, 1974) und Freddy Maertens (1976), die es auf acht Etappensiege bei einer Tour brachten.

Beim Columbia-Zug griff wieder einmal ein Rädchen perfekt ins andere, das Finale wurde perfekt vorbereitet und der "ManXpress" Cavendish brauchte nur noch zu vollenden.

"Wir sind jetzt in den Sprints wieder da, wo wir vor zehn Jahren waren. Es gibt wieder einen richtigen Zug", sagte Zabel. Vor zwei, drei Jahren sei es ein reines Chaos gewesen.

Kräfte sparen für die Entscheidung

Die Favoriten taten indes gut daran, nicht zu viele Kräfte zu vergeuden.

Schließlich kommt es am Samstag zum erwarteten Schlagabtausch auf dem Mont Ventoux.

"Mein alter Freund Mont Ventoux. Dort wird es Krieg geben", prophezeit Lance Armstrong und redet geradezu ehrfürchtig von dem Schicksalsberg, auf dem 1967 der Brite Tom Simpson auf tragische Weise starb.

Kampf um die Podiumsplätze

Auch der bislang so überragende Kletterkönig Alberto Contador will nicht eher vom Toursieg sprechen, bis er nicht das Observatorium auf dem Gipfel erreicht hat: "Ich darf mir keinen Fehler erlauben."

Unter normalen Umständen dürfte der Spanier auf dem 21,1 km langen Anstieg den zweiten Toursieg nicht mehr aus den Händen geben.

Dahinter ist das Tour-Podium hart umkämpft. Andy Schleck, Armstrong, Bradley Wiggins, Andreas Klöden und Frank Schleck liegen allesamt innerhalb von 1:48 Minuten.

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