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Alberto Contador (l.) und Lance Armstrong werden 2010 nicht im gleichen Team fahren © getty

Die Medien erheben den Spanier zum neuen Tour-König und bescheinigen dem unterlegenen Armstrong endlich menschliche Züge.

Paris - Die falsche Nationalhymne zur Siegerehrung, geringschätzige Blicke vom größten Rivalen und ein latenter Doping-Verdacht:

Auch bei seinem Triumphzug in Paris musste Toursieger Alberto Contador mit Misstönen leben. (Contador auf dem Tour-Thron)

Doch weder der Fauxpas der Veranstalter, die bei der Ehrung des Spaniers zunächst fälschlicherweise die dänische Hymne spielten, noch die mangelnde Wertschätzung seines Teamkollegen Lance Armstrong konnten dem derzeit weltbesten Radsportler seine "Krönungszeremonie" in der französischen Hauptstadt verderben.

"Der neue König der Tour heißt Contador", titelte die spanische Tageszeitung "El Pais" am Tag nach dem zweiten Triumph des Radstars, der nach Meinung vieler auf Jahre das Maß der Dinge sein wird.

"Contador musste all seine Klasse aufbieten"

"Contador ist der neue Boss des Radsports. Er siegte allein gegen alle", mutmaßte die Sportzeitung "Marca".

Das Blatt spielte damit auch auf die teaminterne Rivalität zwischen dem Astana-Kapitän und dem siebenmaligen Toursieger Armstrong an.

Das Tour-Organ "L'Equipe" ("Le Conquistador" - der Eroberer) sah Contador (Das Abschluss-Ranking) als legitimen Nachfolger des früheren Dominators aus den USA:

"Contador hat alles vom Boss. Gebunden an eine Zweck-Gemeinschaft musste er all seine Klasse aufbieten, um aus dem Schatten von Lance Armstrong zu treten und seine zweite Tour zu gewinnen."

Armstrong "leiden sehen"

Für Tourchef Christian Prudhomme ist Contador nicht nur ein großer Sportler.

"Er hat auch seine Charakterstärke unter Beweis gestellt. Ohne die hätte er nicht gewinnen können", sagte der Renndirektor, der auch Armstrongs Wandlung von einem "unmenschlichen Roboter" zu einem geliebten Sportidol herausstellte.

"Die Leute haben ihn leiden sehen, das hat ihm ein menschliches Angesicht verliehen. Damit sind auch die Anti-Armstrong-Plakate früherer Jahre verschwunden", so Prudhomme weiter.

Radsport profitiert

Allerdings verdankt die Tour ihrem einstigen Beherrscher auch weltweit wieder gestiegene Zuschauerzahlen.

Vor allem in den USA, wo mit Armstrong die Begeisterung für die Tour zurückkehrte.

"Ich habe gehört, dass sich das mediale Interesse zuhause durch sein Comeback um 80 Prozent gesteigert hat", sagt Armstrongs Landsmann und Columbia-Teamchef Bob Stapleton.

Und weiter: "Durch Lance hat es der Radsport wieder auf die Titelseiten der US-Zeitungen gebracht, wobei eben nicht nur über ihn berichtet wurde. Der gesamte Radsport hat davon profitiert."

"Mediale Reichweite verdoppelt"

Hollywood-Stars wie Robin Williams, Ben Stiller und Matthew McConaughey unterstrichen mit ihrem Besuch bei der Tour Armstrongs Superstar-Status in seiner amerikanischen Heimat.

Die Gründung seines neuen Teams Radioshack mit einem finanzkräftigen Sponsor aus der Elektronikbranche, mit dem der 37-Jährige im kommenden Jahr zur Tour zurückkehren will, ist ein weiterer Beleg für Armstrongs Zugkraft.

Als Nebeneffekt konnten sich auch andere Protagonisten der Tour gewinnbringender in Szene setzen. 133184(DIASHOW: Die Bilder der 21. Etappe)

"Wir haben unsere mediale Reichweite durch unsere Erfolge gepaart mit der von Lance erregten Aufmerksamkeit nahezu verdoppelt", meint Stapleton.

Wünsche für die 97. Tour

Auch in Frankreich nahm die Anziehungskraft des Rennens verglichen mit den Vorjahren wieder spürbar zu, was der Norweger Thor Hushovd, Gewinner des grünen Trikots, vor allem Armstrong zuschreibt.

"Es ist gut, dass er zurück ist. Da muss man sich nur die zusätzlichen Menschenmassen anschauen, die er an die Straßen gelockt hat", so der Cervelo-Sprinter.

Von Seiten der Tour-Organisatoren hat der einstmals ungeliebte Seriensieger denn auch schon einen Freibrief für die nächste Auflage der Großen Schleife erhalten.

"Ein Rennen mit Contador in einem und Armstrong in einem anderen Team sowie den Schleck-Brüdern als dritte Kraft wäre sensationell", erklärt Prudhomme mit Blick auf das Rennen im kommenden Jahr.

Premiere für Japan

Nach drei mageren Jahren im Schatten zahlreicher Doping-Skandale soll der Markt künftig wieder wachsen. Ein Beispiel ist Japan:

Dort hofft man auf wachsendes Interesse am Radsport, nachdem in Fumiyuki Beppu (Skil-Shimano) und Yukiya Arashiro (Bouygues Telecom) erstmals zwei Fahrer aus dem Land der aufgehenden Sonne das Ziel in Paris erreichten.

"Diese drei Wochen waren eine großartige Erfahrung. Ich hoffe, dass wir dazu beitragen können, in unserer Heimat mehr Aufmerksamkeit für diesen Sport zu erhalten", sagte Beppu, der bei der Schlussetappe auf den Champs Elysees als kämpferischster Fahrer ausgezeichnet wurde.

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