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Lance Armstrong gewann die Tour zwischen 1999 und 2005 jedes Jahr © getty

Christian Prudhomme begrüßt das Comeback des Rekordchampions - unter einer Bedingung. Ein Doping-Experte übt dagegen Kritik.

Paris - Lance Armstrong würde nach dem angekündigten Comeback bei der Jagd nach seinem achten Tour-de-France-Sieg vom Veranstalter keine Steine in den Weg gelegt bekommen.

Allerdings müssten der US-Amerikaner sowie sein künftiger Rennstall sich den verschärften Anti-Dopingrichtlinien unterwerfen, wie Tourdirektor Christian Prudhomme der Nachrichtenagentur "afp" sagte.

"In dem Augenblick, in dem sein noch unbekanntes Team und er selbst die Anti-Doping-Regeln, die sich in den vergangenen Jahren sehr verändert haben, unterwerfen, werden wir es akzeptieren", meinte Prudhomme.

Im Gespräch als neuer Arbeitgeber für Armstrong ist das kasachische Team Astana. Das Team um Vorjahressieger Alberto Contador war jedoch nach einigen Dopingfällen von der Tour 2008 ausgeschlossen worden.

Contador mit offenen Armen

Der würde Armstrong mit offenen Armen bei Astana empfangen. "Er wäre ein guter Teamkollege. Er ist ein Fahrer, den ich immer bewundert habe. Für mich wäre es eine besondere Erfahrung", so Contador.

Für Contador ist ein achter Tour-Triumph Armstrongs nicht unmöglich: "Ich glaube, wenn er sich etwas vornimmt, erreicht er es auch."

ARD nicht erfreut

Jan Ullrich konnte sich eine Rückkehr seines ewigen Rivalen in den Rennzirkus zunächst nicht vorstellen, als die Nachricht noch ein Gerücht war. "Ich glaube es erst, wenn Lance in Monaco am Start steht", sagte der Tour-Sieger von 1997 der Bild-Zeitung.

Auch der Fernsehsender ARD ist vom Comeback des einstigen Dominators wenig erfreut. "Zumindest die Sportredaktion legt keinen Wert darauf, Herrn Armstrong bei der Tour noch einmal zu sehen", sagte ARD-Sprecher Rolf-Dieter Ganz und ergänzte: "Wir müssen davon ausgehen, dass er zur Vergangenenheit des Radsports gehört. Und die wollen wir nicht mehr."

Armstrong "kann nur verlieren"

Die deutschen Radprofis haben mit Verwunderung, aber auch mit einiger Vorfreude auf das Armstrong-Comeback reagiert.

"Ich würde mich sehr freuen, gegen so eine Legende zu fahren", sagte Stefan Schumacher, der aber skeptisch ist, was Armstrongs Erfolgsaussichten angeht: "Eigentlich kann er nur verlieren. Sollte er wirklich nochmal die Tour gewinnen, wäre das eine Sensation."

Ein Denkmal in Gefahr

Erik Zabel, sechsmaliger Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour, meinte: "Herzlich willkommen. Wenn das stimmen sollte, dann wird er sich das gut überlegt haben."

Auch Zabels künftiger Teamkollege im Milram-Rennstall, Markus Fothen, ist hin- und hergerissen: "Ich finde es interessant für den Radsport. Aber es besteht die Gefahr, dass er an seinem eigenen Denkmal herummeißelt."

Bedenken, dass eine Rückkehr von Armstrong, gegen den nach seinem Karriere-Ende Doping-Anschuldigungen laut geworden waren, dem Neuanfang im Profi-Radsport hinderlich sei, hat Fothen nicht: "Er muss sich wie alle anderen auch den verschärften Regeln und Kontrollen unterwerfen. So kann er vielleicht allen Radfans beweisen, dass damals wirklich alles regulär ablief."

"Eine weitere Spirale in der Volksverdummung"

Scharfe Kritik kam von Dopingexperte Werner Franke: "Das ist eine Showeinlage, eine weitere Spirale in der Volksverdummung. Wenn er zurückkommt, gehört er ganz klar gesperrt", sagte der Heidelberger Molekularbiologe.

Für Franke wäre eine Rückkehr des US-Amerikaners jedoch kein Rückschlag im Kampf des Radsports gegen Doping, denn: "Der programmierte Neubeginn ist ein Schwindel."

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