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Alejandro Valverde (Caisse d'Epargne) gewann im Mai 2009 die Katalonien-Rundfahrt © getty

Bei der Vuelta steht die alte Garde um Valverde und Winokurow im Rampenlicht. Das "Königliche Dekret" lässt sie sorglos schlafen.

Assen - Beim Saisonhöhepunkt Tour de France waren sie gesperrt oder unerwünscht, bei der Vuelta sind sie die Aushängeschilder: Wenn am Samstag die Spanien-Radrundfahrt mit dem Einzelzeitfahren ausnahmsweise in Assen/Niederlande beginnt, steht die alte Garde mit Alejandro Valverde, Alexander Winokurow und Ivan Basso wieder im Rampenlicht.

Der Belgier Tom Boonen, der sich nach seiner Kokain-Affäre in die Frankreich-Rundfahrt eingeklagt hatte "Persona non grata auf dem Leidensweg, will das Sprinttrikot erobern und seinen angekratzten Ruf wieder aufpolieren.

Für das Image der in den vergangenen Jahren ohnehin gebeutelten Rundfahrt ist die Teilnahme von Winokurow und Co. sicherlich nicht zuträglich.

Angeblich eine Viertelmillion für Dopingtests

Zudem gibt es da noch immer das im April verabschiedete "Königliche Dekret", das Dopingkontrollen zwischen 23.00 und 8.00 Uhr untersagt - selbst Experten streiten sich darüber, ob das Gesetz generell oder nur für Trainingskontrollen gilt.

Für Nachtruhe dürfte auf einem Großteil der 3292,3 km langen Fahrt durch die Niederlande, Deutschland, Belgien und schließlich Spanien also gesorgt sein.

Renndirektor Javier Guillen betont jedenfalls unermüdlich, dass die Organisatoren den Kampf gegen Doping ernst nehmen. "Wir geben 250.000 Euro für die Testprogramme aus und arbeiten in allen Belangen mit dem Weltverband UCI zusammen", sagte Guillen.

Ehrenkodex ad absurdum

Mit jenem Weltverband also, der erst jüngst durch die Rückkehr des Dopingsünders Winokurows öffentlich vorgeführt wurde. (Winokurow zurück bei Astana)

Der vor zwei Jahren beschlossene Ehrenkodex, nach dem überführte Doper nach Ablauf ihrer Sperre für zwei weitere Jahre nicht für ein ProTour-Team fahren dürfen, wird in den Fällen Basso und Winokurow ad absurdum geführt.

Auch die etwa zeitgleich zwischen Profis und UCI beschlossene Vereinbarung, dass ein überführter Doper ein Jahresgehalt als Strafe zahlen muss, ist quasi hinfällig. Es sei nur ein Agreement und man sei machtlos, teilte die UCI mit.

Contador setzt aus

Rundfahrt-Chef Guillen sagt, ihm seien im Fall Winokurow und in dem des in Italien gesperrten Spaniers Valverde die Hände gebunden.

"Wir als Veranstalter sind keine Richter. Wenn die Fahrer Lizenzen haben und teilnahmeberechtigt sind, dann können sie fahren", erklärt der Spanier.

Somit dürfen die spanischen Fans von einem erneuten spanischen Gesamtsieg bei ihrer Vuelta träumen. Vorjahressieger Alberto Contador lässt die Rundfahrt in der Heimat zwar aus, aber immerhin war der in Italien als Kunde des Doping-Arztes Eufemiano Fuentes überführte Valverde schon einmal Zweiter - 2006 hinter Winokurow.

Auch Evans und Schleck dabei

Auch ansonsten weist die Rundfahrt, deren Organisatoren das Rennen künftig wieder im April austragen wollen, ein beachtliches Teilnehmerfeld auf.

Sowohl der Australier Cadel Evans (Silence-Lotto) als auch der Tour-Zweite Andy Schleck geben sich die Ehre. Zeitfahr-Olympiasieger Fabian Cancellara (Schweiz/beide Saxo Bank) will sich für die WM in seiner Heimat im September in Form bringen.

Das deutsche Milram-Team will den bei der Tour de France oft knapp verpassten Etappensieg bei einer großen Rundfahrt endlich einfahren. Die größten Chancen dürfte wohl Sprinter Gerald Ciolek (Pulheim) haben - allerdings auch die größte Konkurrenz.

Eher kurze Zeitfahren

Columbia-Profi Andre Greipel (Hürth) wird nach der verpassten Tour motiviert bis in die Haarspitzen sein, und neben Tom Boonen erheben auch der zuletzt starke US-Amerikaner Tyler Farrar (Garmin) sowie Oscar Freire (Spanien/Rabobank) Ansprüche auf das Sprintrikot.

Die Entscheidung über den Gesamtsieg dürfte in den Bergen fallen. Allein fünf Bergankünfte warten auf die Fahrer, zudem sind die Zeitfahren eher kurz.

Dem 4,8 km langen Auftakt in Assen folgen 30 km in Valencia auf der 7. Etappe. Am vorletzten Tag steht schließlich noch einmal ein 27,8 km langer Kampf gegen die Uhr in Toledo auf dem Programm.

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