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Alejandro Valverde gewann 2009 erstmals die Spanien-Rundfahrt © getty

Alejandro Valverde startet bei der WM - obwohl er Fuentes-Kunde war. Zwei ehemalige Doper kehren zurück. Die UCI sieht zu.

Mendrisio - UCI-Präsident Pat McQuaid wollte von seiner schönen Vision künftiger Rad-Weltmeisterschaften künden, da wären Diskussionen über die Probleme der Branche unpassend gewesen.

Also verbat sich der Ire kurzerhand alle Fragen zu jenen zwielichtigen Fahrern, deren Start bei der WM in Mendrisio einen Schatten auf den Saisonhöhepunkt der Pedaleure wirft.

McQuaid schweigt zu den Problemfällen

Statt über die Problemfälle Alejandro Valverde, Alexander Winokurow oder Andrej Kaschetschkin sprach McQuaid lieber über das "Spektakel", das "dynamische Medienevent" und das "Festival des Radsports", zu dem die WM angesichts bevorstehender Reformen ab 2012 werden soll.

"So wie viele andere Sportarten müssen wir unsere Titelkämpfe in den nächsten Jahren weiterentwickeln, um das Produkt vor allem für das Fernsehen interessant zu halten", sagt der Weltverbandschef über das künftige WM-Format mit mehr Renntagen und mehr Wettkämpfen.

Hilfloser Weltverband

Eher abträglich für das Image der Sportart dürften die Starts der nach Dopingsperren zurückgekehrten Kasachen Winokurow und Kaschetschkin im Zeitfahren am Donnerstag sowie die bevorstehende Teilnahme Valverdes im Straßenrennen am Sonntag sein - allesamt unerwünschte Personen.

Vor allem im Fall Valverde tritt die ganze Hilflosigkeit des Weltverbandes offen zu Tage.

Kritik an der Starterlaubnis

Während es von allen Seiten Kritik für die WM-Starterlaubnis des mutmaßlichen Fuentes-Kunden hagelt, sieht die UCI "derzeit keine Handhabe" (Sprecher Enrico Carpani) in dem Fall und wartet lieber auf das für Ende des Jahres erwartete Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS.

Dort könnte entschieden werden, ob die bislang nur in Italien geltende Zwei-Jahres-Sperre für Valverde rechtens und damit möglicherweise weltweit gültig ist.

Erdrückende Beweislast

Die UCI ist dabei ein gebranntes Kind, scheiterte sie doch schon bei der WM 2007 in Stuttgart mit einem Bann des Spaniers, der sich sein Startrecht damals über das CAS einklagte.

Inzwischen ist jedoch die Beweislast durch einen DNA-Abgleich sicher gestellter Blutkonserven noch erdrückender geworden, was dem italienischen Olympia-Verband CONI im Mai für eine Sperre genügte.

"Beschämend und beunruhigend"

In der Rad-Szene ist das Urteil über Valverde längst vernichtend. "Beschämend und beunruhigend" nennt Pro-Tour-Präsident Vittorio Adorni die Starterlaubnis für den Gewinner der gerade zu Ende gegangenen Spanien-Rundfahrt. Dies sei "ein Desaster für den Radsport", so der Italiener.

Und auch Fahrer-Kollegen nehmen kein Blatt vor den Mund: "Solche Leute zerstören das Image unseres Sports. Ich würde mir wünschen, dass er nicht starten darf", sagt Deutschlands Zeitfahr-Ass Tony Martin.

"Ich ein Schandfleck?"

Valverde selbst sieht sich in der Rolle des Opfers. "Ich ein Schandfleck? Ich weiß nicht, wer der Schandfleck bei diesen Meisterschaften ist. Ich glaube, es gibt andere, und sie müssen darauf hingewiesen werden", sagt der 29-Jährige über die immer lauter werdenden Vorwürfe.

Beinahe demonstrativ quartierte sich das spanische Team denn auch zunächst im italienischen Como ein, das nur wenige Kilometer vom Schweizer WM-Ort entfernt ist.

Nichts zu befürchten

"Ich darf in Italien zwar nicht starten, aber ich kann dort in jedes Hotel gehen, wo auch immer ich will", sagte Valverde, ehe er es sich nun doch anders überlegte und kurzfristig auf die Schweizer Seite an den Luganer See umzog.

Winokurow und Kaschetschkin haben nichts zu befürchten. Ihre Sperren wegen Fremdblutdopings aus dem Jahr 2007 sind seit diesem Sommer abgelaufen.

McQuaid droht Astana

Dennoch sind sie bei der UCI alles andere als wohlgelitten. Derzeit verweigert der Weltverband dem Team Astana die Verlängerung der Pro-Tour-Lizenz, weil Winokurow den Rennstall angeblich ab 2010 als Manager leiten will.

"Wenn die Gerüchte stimmen, wird Astana keine Lizenz erhalten. Wir wollen kein altes Management", sagt McQuaid dem Internetanbieter "Cyclingnews.com". Ob den Worten Taten folgen, bleibt abzuwarten.

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