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Stefan Schumacher konnte bei der Tour 2008 zwei Etappen gewinnen © getty

Neue Entwicklung in der Doping-Geschichte 2008: Nun fordert Stefan Schumacher seinen Freispruch. Die Begründung ist abenteuerlich.

Paris - Das befürchtete Doping-Nachbeben ist ausgeblieben, stattdessen ist Frankreichs Chefankläger Pierre Bordry bei seiner großen Bilanz mit dem Radsport-Weltverband UCI hart ins Gericht gegangen.

Neue Skandale bleiben dem krisengeplagten Radsport aber vorerst erspart. Bei den Nachkontrollen zur Tour de France 2008 hat es - fast schon ein wenig überraschend - keinen weiteren Dopingfall gegeben.

Die AFLD hatte 17 Fahrer nachträglich auf das Epo-Präparat Cera getestet. Dabei sei kein weiterer positiver Fall aufgetreten.

Schumacher fordert Freispruch

Welche Fahrer getestet wurden, wollte Bordry auf der Pressekonferenz in Paris nicht sagen. Damit hat die Gesamtwertung aus dem Vorjahr 437 Tage nach dem Triumph des Spaniers Carlos Sastre endgültig Bestand.

Der im vergangenen Jahren ertappte Stefan Schumacher fordert unterdessen nach den negativen Kontrollen auch einen Freispruch für sich und begründet dies mit Verfahrensfehlern.

Das Blutanalyseverfahren sei noch nicht zulässig gewesen und somit die Gefahr positiv-falscher Proben groß, hieß es in einer Pressemitteilung seines Anwalts Michael Lehner.

"Kontrollen waren nicht regelkonform"

Monsieur Bordry wollte sich derweil im schmucklosen Konferenzraum am Place Jacques Bainville nicht mehr lange mit der Tour 2008 aufhalten, stattdessen startete der AFLD-Chef seine persönliche Abrechnung mit der UCI.

Bordry warf den Kontrolleuren des Weltverbandes bei der diesjährigen Tour Schlampereien und Unprofessionalität vor. "Die Kontrollen waren nicht regelkonform. Wir sind auf den Stand von 2003 zurückgefallen", monierte er.

Manipulationen seien möglich gewesen, sagte Bordry und stellte der UCI ein schlechtes Zeugnis aus. Jedes Team habe eine Stunde Zeit gehabt, Sachen zu vertuschen.

Das sei nicht professionell gewesen. Auch habe es keine Zusammenarbeit zwischen UCI und AFLD gegeben.

Bevorzugung des Astana-Team

Insbesondere das Astana-Team um Toursieger Alberto Contador (Spanien) und den siebenmaligen Champion Lance Armstrong (USA) sei von den Kontrolleuren bevorzugt worden.

"Ich habe nichts gegen Astana, aber alles hängt davon ab, wie die Kontrollen durchgeführt werden. Es war schon sonderbar, dass Astana immer zum Schluss kontrolliert wurde. Das war nicht professionell", meinte Bordry.

UCI-Präsident Pat McQuaid wies die Vorwürfe zurück: "Die Aussagen sind gefährlich und schaden unserem Sport. Man fällt nicht offiziellen Kontrolleuren in den Rücken", sagte der Ire.

Keine fundamentalen Fehler

Sicher seien in drei Wochen bei der Tour auch mal Fehler gemacht worden, das sei menschlich, ergänzte McQuaid: "Es wurden aber keine fundamentalen Fehler gemacht, die Doping begünstigen. Bei der Tour wurde gute Arbeit geleistet. Viele Menschen verstehen nicht die Arbeitsbedingungen, unter denen die Kontrolleure bei der Tour arbeiten müssen."

Bordry ging indes ins Detail und erhob schwere Anschuldigungen.

Fahrer seien unbeaufsichtigt gelassen worden, zwischen Ankunft der Dopingjäger und der Kontrolle sei zuviel Zeit vergangen und teilweise wären Blutproben nicht wie vorgeschrieben kühl gelagert worden und somit für die Analyse unbrauchbar.

Bordry ist von Doping überzeugt

Bordry zeigte sich erstaunt, dass es keinen positiven Fall bei der Tour gegeben hat. "Aber das hilft ja nichts, wenn man keine Beweise hat", sagte der AFLD-Chef.

Dass auch 2009 gedopt wurde, davon ist Bordry überzeugt. So teilte AFLD-Arzt Michel Rieu mit, dass im Abfall von Teams massenweise Spritzen und Medikamente gefunden worden waren.

Dabei soll es sich unter anderem um Betablocker und Anti-Depressiva gehandelt haben. "Das sind Mittel für Kranke, aber nicht für gesunde Sportler", sagte Rieu.

In diesem Jahr hatte die UCI wieder die Verantwortung für die Dopingproben, nachdem 2008 noch die AFLD für die Kontrollen zuständig gewesen war und insgesamt sieben Dopingsünder überführt hatte.

AFLD bleibt im Doping-Kampf hart

Vor allem die Nachkontrollen, als unter anderem Stefan Schumacher (Nürtingen) und Bernhard Kohl (Österreich) aufgeflogen waren, hatten für Aufsehen gesorgt.

Dass es bei den nun durchgeführten Nachkontrollen keine weiteren Positivfälle gegeben hat, wollte Bordry nicht kommentieren.

McQuaid will möglicherweise im nächsten Jahr mit einer neutralen Instanz in Frankreich zusammenarbeiten. Dem entgegnete Bordry: "Was heißt neutral, wenn die Kontrolleure nichts sagen und nichts veröffentlichen dürfen. Ich respektiere den Menschen McQuaid, nicht aber seine Worte."

Die AFLD werde im Anti-Doping-Kampf jedenfalls hart bleiben. "Wenn wir schweigen sollen, muss man das Gesetz ändern."

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