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Bernhard Kohl fuhr von 2005 bis 2006 für das Team T-Mobile © imago

"Er war eingeweiht in die Dopingvorgänge", sagt der Dopingsünder über den früheren Gerolsteiner- und jetzigen Milram-Arzt.

Wien - Der geständige Dopingsünder Bernhard Kohl hat schwere Anschuldigungen gegen den früheren Gerolsteiner- und jetzigen Milram-Teamarzt Mark Schmidt erhoben.

"Er war eingeweiht in die Dopingvorgänge", sagte Kohl der österreichischen Tageszeitung "Kurier".

"Ich hatte zu ihm von Beginn an eine gute Gesprächsbasis. Irgendwann kamen wir auf Doping zu sprechen. Er sagte: 'Logisch, dass man es machen muss.' Er sagte einmal, dass ich nicht der Einzige im Team sei, der Blutdoping fabriziere", so Kohl.

Anwälte nun gefragt

Schmidt verwies unterdessen auf seine Erklärung vom Mai 2009 und will die Angelegenheit über seinen Anwalt, der sein Vater Ansgar Schmidt ist, prüfen lassen.

Nach ersten Anschuldigungen von Kohl im Frühjahr hatte Schmidt in einer schriftlichen Erklärung gegenüber Milram-Teamchef Gerry van Gerwen versichert, dass er keine Dopingmittel besorgt, weitergeleitet oder verabreicht habe.

Auch van Gerwen wollte die Anschuldigungen nicht kommentieren: "Ich habe die Sache an meinen Anwalt weitergeleitet."

Aktive Mithilfe?

Laut Kohl habe Schmidt nicht nur von Bluttransfusionen während der Tour de France 2008 gewusst, sondern auch mitgeholfen.

So habe er ein Hämatokritmessgerät für Kohl aufbewahrt, dessen Werte bestimmt und bei Bedarf das Blut mit einer Kochsalzlösung verdünnt. Auch habe Schmidt einmal sein Zimmer für eine Bluttransfusion zur Verfügung gestellt.

Der Arzt habe laut Kohl dem Österreicher auch zu einer weiteren Bluttransfusion geraten, was der Tour-Dritte aber ablehnte.

Suspendierung aufgehoben

Bereits Ende Mai waren Vorwürfe von Kohl, wenn auch in abgeschwächter Form, gegen Schmidt laut geworden.

"Wenn der Arzt eins und eins zusammenzählt, dann weiß er, dass meine Leistung ohne Doping nicht möglich ist", hatte Kohl damals in der ARD-Sendung "Beckmann" gesagt.

Milram suspendierte daraufhin den Arzt, hob die Freistellung aber nach der Erklärung Schmidts wieder auf.

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