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Frank Vandenbroucke wurde nur 34 Jahre alt © imago

Die Ursache für den Tod des Ex-Profis Franck Vandenbroucke ist weiter unklar. Es wird ein Szenario wie bei Pantani befürchtet.

Leipzig/Brüssel - Er war Belgiens "goldenes Kind", sollte größer werden als die Legende Eddy Merckx - doch dem kometenhaften Aufstieg folgte der Absturz bis in den Tod.

Frank Vandenbroucke starb am Montag in einem Hotelzimmer im Senegal.

Er wurde nur 34 Jahre alt und hinterlässt zwei Töchter.

Über die Todesursache wird bisher nur wild spekuliert, unter anderem ist von einer Lungenembolie die Rede.

"Traurigerweise ist sein Tod nur zum Teil eine Überraschung, denn wir wussten, ihm geht es nicht gut", sagte sein Onkel Jean-Luc Vandenbroucke, in den 70er und 80er Jahren selbst ein erfolgreicher Radprofi: "Es ging bei ihm rauf und runter, sowohl mit der Gesundheit als auch der Moral."

Szenario wie bei Pantani befürchtet

Die belgische Presse huldigte dem "bösen Star" am Dienstag ein letztes Mal.

"Er war der James Dean seiner Generation. Er hat zu schnell gelebt, um die Vergiftung des Erfolges zu bemerken", schrieb "Le Soir".

Für "La Derniere Heure" hätte Vandenbroucke der Größte seit Merckx werden sollen, nun befürchtet die Zeitung ein Szenario wie bei Marco Pantani. Der Italiener war 2004 an einer Überdosis Kokain in einem Hotelzimmer in Rimini gestorben.

Pläne bleiben unerfüllt

Noch vor zwei Wochen bei der WM in Mendrisio erlebte man Vandenbroucke gelöst wie selten zuvor.

Entspannt plauderte er am Mittagstisch. "VdB", wie er in Belgien nur genannt wurde, hatte wieder Pläne für die Zukunft.

Er wollte weg von seinem Image als Doper, wollte zeigen, dass er sauber ist, und seine Blutwerte auf seine Internetseite stellen.

Ruf als Enfant terrible

Bis zu jenem Herbsttag im Tessin hatte Vandenbroucke eher seinen Ruf als Enfant terrible gepflegt. In seiner Autobiografie "Ich bin nicht Gott" gestand er EPO-Doping.

Fahrer, die neue Präparate ausprobierten, bezeichnete Vandenbroucke als Pioniere und bedauerte, nicht selbst einer von ihnen gewesen zu sein.

Dennoch hätte er stets auf ehrliche Art gesiegt, weil seine Konkurrenten ebenfalls gedopt waren.

Karriere wie Achterbahnfahrt

Vandenbrouckes Karriere glich einer Achterbahnfahrt mit grandiosen Siegen, abstrusen Dopinggeschichten und einem schockierenden Selbstmordversuch im Sommer 2007.

13 Jahre zuvor hatte der Wallone seinen ersten Profivertrag erhalten. Vandenbroucke glänzte sowohl bei Etappenrennen als auch bei den Klassikern. Die Belgier wähnten in ihm den neuen Merckx.

1998 gewann VdB Gent-Wevelgem und Paris-Nizza, ein Jahr später Lüttich-Bastogne-Lüttich, den Omloop Het Volk sowie das Punktetrikot der Spanien-Rundfahrt.

Im neuen Jahrtausend blieben nennenswerte Siege aus, der exzentrisch auftretende Vandenbroucke zerstörte seine Karriere teilweise selbst.

Sperre nach Razzia

2002 durchsuchte die Polizei sein Haus und fand eine große Menge von Dopingsubstanzen. Vandenbroucke redete sich heraus, sagte, das Clenbuterol sei beispielsweise für seinen Hund. Dennoch wurde er - allerdings nur in Flandern - für sechs Monate gesperrt.

Ein Jahr später schien der von den Fans noch immer verehrte Vandenbroucke seine Lebenskrise überwunden zu haben.

Er war zu seinem Mentor Patrick Lefevere zurückgekehrt und belegte bei der Flandern-Rundfahrt Platz zwei. Doch dann überwarf er sich mit Lefevere, ihre Wege trennten sich.

Depressionen und Eskapaden

Vandenbroucke wurde erneut von Depressionen eingeholt, hinzu kamen Alkoholeskapaden. Als sich seine Frau von ihm trennen wollte, griff er zu Schlaftabletten.

Ein Teamkollege fand Vandenbroucke und alarmierte den Notarzt. Der damals 32-Jährige überlebte die Verzweiflungstat und fand sich in der Psychatrie wieder.

In den folgenden Jahren tingelte Vandenbroucke von einem Team zum nächsten. Für 2010 hatte er noch keinen Arbeitgeber, was ihm zu schaffen machte.

Am Sonntagabend flog er in den Senegal, um Urlaub zu machen. Es sollte sein letzter sein.

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