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Bei seiner ersten Tour de France wurde Jan Ullrich Zweiter hinter Bjarne Riis © getty

Die Kontakte des Ex-Stars zu Doping-Arrzt Fuentes sind aufgedeckt. Die gerichtliche Aufarbeitung in Spanien bleibt halbherzig.

Leipzig - Jan Ullrichs Verbindung zum spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes ist detailliert aufgedeckt. Dafür wird die Operacion Puerto wohl endgültig im Sande verlaufen.

Das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtet über Ermittlungen des Bundeskriminalamts (BKA), nach denen Ullrich zwischen 2003 und 2006 24-mal zur Behandlung bei Fuentes war.

In Spanien sind die Behörden weniger eifrig. Sportgerichte sollen frühestens 2011 Akteneinsicht erhalten.

"Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Ullrich das Dopingsystem des spanischen Arztes Dr. Fuentes nutzte, um sich vertragswidrig mit leistungssteigernden Mitteln und Methoden auf seine Wettkämpfe vorzubereiten", heißt es in der BKA-Akte.

Ullrich schweigt weiter

Ullrich schwieg gegenüber der Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen. Er soll Fuentes für dessen Dienste insgesamt 80.000 Euro überwiesen haben.

Rechtlich sind die nun an die Öffentlichkeit gelangten Informationen kaum relevant.

Die Staatsanwaltschaft Bonn hatte das Verfahren gegen Ullrich bereits im April 2008 gegen eine Zahlung von 250.000 Euro eingestellt.

Franke prophezeit "Jan-Ullrich-Schlussrunde"

Allerdings steht im Prozess gegen den Dopingexperten Werner Franke in Hamburg, dem die Behauptung verboten wurde, Ullrich habe 35.000 Euro an Fuentes gezahlt, ein endgültiges Urteil noch aus. Franke sieht auf Ullrich noch weitere Probleme zukommen. "Ich gehe jetzt davon aus, dass es erst richtig losgeht.

Das ist der Anfang einer Jan-Ullrich-Schlussrunde", sagte Franke der Tageszeitung Welt (Montagausgabe).

Ermittlungen gegen Pevenage eingestellt

Die Ermittlungen gegen Ullrichs Betreuer Rudy Pevenage, der den Kontakt mit Fuentes hergestellt und die Flüge gebucht haben soll, sind mittlerweile ebenfalls zu den Akten gelegt worden.

Die Beweise für Ullrichs umfangreiche Verbindung zu Fuentes fanden die Ermittler bei Razzien bei Ullrich, Pevenage und Manager Wolfgang Strohband. Alle Informationen wurden auf insgesamt 2219 Seiten festgehalten.

Zwei Überweisungen dokumentiert

Die Fahnder deckten Ullrichs direkten Kontakt zu Fuentes durch zwei Überweisungen auf.

Im Februar 2004 zahlte Ullrich gut 25.000 Euro auf ein Konto in Genf, im Januar 2006 waren es 55.000 Euro. Empfänger war beide Male Eufemiano Fuentes.

Pevenage hatte den Kontakt zu Fuentes bei einer Vernehmung nicht geleugnet. Der Belgier gab an, dass sich Ullrich und Fuentes fünf- bis sechsmal pro Jahr getroffen hätten. Allerdings sei es dabei um die Gewichtsprobleme des Radprofis gegangen.

Auch Ullrichs Ehefrau verstrickt

Seinem Manager Strohband machte nicht nur das Gewicht seines Proteges zu schaffen. In einem Telefonat, das er aufgezeichnet hat, warnte er seinen Schützling davor, Ehefrau Sara "alles zu erzählen". Neben Strohband war laut den Ermittlungen auch Sara Ullrich in die Machenschaften ihres Mannes verstrickt.

Sie soll Ullrich zum Lügen bei einer Pressekonferenz geraten haben.

Er solle sagen, er habe in Spanien Blut hinterlassen, um für den absoluten Notfall vorzusorgen.

Keine Chancengleichheit mehr

Ullrichs Rücktritt vom aktiven Radsport im Februar 2007 soll laut Aktenlage aus Frust geschehen sein.

Pevenage berichtete, dass Ullrich den Entschluss während eines Trainingslagers auf Mallorca gefasst hatte, weil alle andere weiterdopen würden und er wegen des Fuentes-Skandals ständig mit Kontrollen rechnen müsse. Dadurch sei die Chancengleicheit offenbar nicht mehr gegeben gewesen.

Zähe Aufarbeitung in Spanien

Für Ullrich ist es nun wohl umso bitterer, da die gesamte Operacion Puerto in den Tiefen der spanischen Justiz zu versinken droht.

Der Prozess gegen die Hintermänner ziehe sich laut Medienberichten bis mindestens 2011 hin.

Erst danach könnten die Sportgerichte Einsicht in die Akten erhalten und mögliche Sanktionen gegen Athleten aussprechen.

UCI und WADA sind empört

Der Radsport-Weltverband UCI und die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) reagierten mit Unverständnis.

"Es sind einige spanische Fahrer involviert, und offensichtlich will die Justiz warten, bis deren Karriere vorbei ist. Das ist skandalös, aber wir können nichts dagegen machen", sagte UCI-Präsident Pat McQuaid dem Internetportal Cyclingnews.

WADA-Generalsekretär David Howman ergänzte: "Wir sind sehr frustriert, dass die Mühlen der Justiz in Spanien so langsam laufen."

Mehr als 200 Blutbeutel gefunden

Bereits zweimal hatte Untersuchungsrichter Antonio Serrano wegen nicht ausreichender Anhaltspunkte den Prozess eingestellt.

Im Januar dieses Jahres ordnete ein Gericht die Wiederaufnahme an. Bei der Operation der spanischen Polizei im Zuge der Dopingbekämpfung waren 2006 mehr als 200 Blutbeutel bei Fuentes und Batres beschlagnahmt worden.

Wenigstens 50 Radprofis, darunter Ullrich, der Ansbacher Jörg Jaksche und Ex-Girosieger Ivan Basso (Italien) wurden in den Akten erwähnt.

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