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Jan Ullrich gewann 1997 für Team Telekom die Tour de France © getty

"Ich habe Eigenblut in Spanien abgegeben, das ist Fakt", soll der ehemalige Radstar laut einem Medienbericht geschrieben haben.

Von Wolfgang Kleine

Scherzingen/München - Für Jan Ullrich wird es knapp drei Jahre nach seinem Rücktritt vom Rennsport immer enger. Grund: Immer neue Doping-Verdächtigungen und -Enthüllungen.

Trotz der Einstellung des Verfahrens durch die Bonner Ermittlungsbehörde und der Zahlung eines beträchtlichen Bußgeldes könnte auf den Tour-Sieger von 1997 ein Strafverfahren zukommen.

Denn der Inhalt der 2219 Akten-Seiten des Bundeskriminalamtes (BKA) belastet den 35-Jährigen schwer.

Erstens: Die Einsatzgruppe "Doping" der BKA-Abteilung für Schwere und Organisierte Kriminalität hat bei ihren Ermittlungen eine E-Mail mit brisantem Inhalt sichergestellt.

"Ich habe Eigenblut abgegeben"

In ihr gesteht Ullrich offenbar erstmals indirekt den Kontakt zu dem spanischen Doping-Arzt Dr. Eufemiano Fuentes.

Diese soll laut Bericht der "Süddeutschen Zeitung" am 12. Juli 2006, also wenige Tage nach Ullrichs Suspendierung durch das damalige T-Mobile Team zum Auftakt der Tour de France am 30. Juni 2006, von Ullrichs Frau Sara an seinen Manager Wolfgang Strohband geschickt worden sein.

Sie soll den Entwurf einer öffentlichen Erklärung Ullrichs beinhalten, in der er schreibt: "Was ich zugeben muss ist, dass ich mit Spanien Verbindung hatte. Bisher habe ich das immer abgestritten."

Strohband erinnert sich nicht

Da er "überzeugt war, keinen zu betrügen, und unbedingt die Tour für mich, die Fans und den Sponsor gewinnen wollte, habe ich die Notlüge verwendet. Ich habe Eigenblut in Spanien abgegeben, das ist Fakt."

Wobei noch einschränkend hinzugefügt ist: "Ich habe diese Methode niemals angewandt. Ich glaube nicht, dass der Gedanke an unerlaubte Methoden als Betrug gegen jemanden anderen gilt."

Manager Strohband weiß nichts von der Mail. Zur "Bild" sagte er: "Ich kann mich nicht erinnern, diese Mail bekommen zu haben."

Ullrich zeigt sich unbeirrt

Nach Ermittlungen des Bundeskriminalamts sei Ullrich zwischen 2003 und 2006 insgesamt 24 Mal in Madrid bei Fuentes gewesen. Jetzt prüfe die Staatsanwaltschaft Hamburg nach den Enthüllungen weitere rechtliche Schritte.

Auf Jan Ullrich könnte eine Klage wegen falscher eidesstattlicher Versicherung erhoben werden. Ihm drohen bis zu drei Jahre Haft.

Doch Ullrich lässt sich auch von diesen massiven Vorwürfen nicht beirren und setzt seine Verteidigungs-Strategien weiter fort.

Ullrich erklärte auf seiner Internetseite, er wolle "zu gegebener Zeit meine Sicht der Dinge erläutern". Er sei mit "gezielten Provokationen immer wieder in der Öffentlichkeit bloßgestellt worden".

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