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Gerry van Gerwen (M.) mit Linus Gerdemann (r.) und Gerald Ciolek © imago

Zu wenige Erfolge und Doping-Verdächtigungen gegen Linus Gerdemann: Milram-Teamchef van Gerwen kündigt eine härtere Gangart an.

München - Degradierung von Sportdirektor Christian Henn, deutliche Worte an Kapitän Linus Gerdemann und Co. sowie eine strikte Linie im Anti-Doping-Kampf.

Beim deutschen Radrennstall Milram hat Teamchef Gerry van Gerwen die Konsequenzen aus einer enttäuschenden Saison gezogen und eine härtere Gangart für die Zukunft angekündigt.

"Eins ist klar: So machen wir nicht weiter. Vielleicht waren wir zu demokratisch, zu menschlich. Die Zügel werden angezogen. Wir fahren nicht mehr Rennen, nur um Rennen zu fahren, sondern um Leistung zu bringen", sagte van Gerwen.

Henn degradiert

Erste Maßnahme ist ein Aufgabenwechsel in der Sportlichen Leitung. Ralf Grabsch wird den Job von Henn übernehmen, der zukünftig für technische Sachen wie die Rennanalyse zuständig ist.

Auch für die Fahrer sind die gemütlichen Zeiten vorbei. Im nächsten Jahr werde es für keinen mehr Ausnahmen geben. Dies dürfte auch ein wenig in Richtung Gerdemann zielen, der sich 2009 ganz auf die Tour de France vorbereiten konnte, wo er dann seiner Form hinterhergefahren war.

Nur neun Siege

Unter dem Strich hatten bei Milram 9 Siege und Platz 18 in der Weltrangliste gestanden, 25 Erfolge waren die ursprüngliche Vorgabe van Gerwens. "Das ist eindeutig zu wenig. Mit dieser Mannschaft, mit dieser Qualität müssen auch 25 Siege drin sein", sagte der 56-Jährige. Zwar sei er mit der Attraktivität, mit dem Werbewert und der Außendarstellung zufrieden gewesen, nicht aber mit der sportlichen Leistung.

Sponsor-Vertrag endet 2010

Die deutlichen Worte van Gerwens sind angesichts der ungewissen Zukunft verständlich. Der Vertrag mit Hauptsponsor Nordmilch läuft 2010 aus.

Es gebe Gespräche, aber solange er keine Unterschrift habe, habe er auch nichts in der Hand, ergänzte van Gerwen, der an eine Zukunft in Deutschland glaubt: "Der Medienwert im Radsport ist immer noch sehr gut. Steckt man einen Euro rein, bekommt man sechs, sieben Euro wieder raus."

Mit 24 Fahrern geht Milram 2010 in die Saison, in Wim De Vocht und Roy Sentjens (beide Belgien) wurde zwei Klassikerfahrer verpflichtet, außerdem tragen nächste Saison Roger Kluge (Cottbus), der Olympia-Zweite auf der Bahn, sowie Dominik Nerz (Wangen) und Luke Roberts (Australien) das Milram-Trikot.

Vorwürfe gegen Gerdemann

Das Gesicht ist also leicht verändert, die Linie im Anti-Doping-Kampf aber unverändert. So seien auch die Vorwürfe gegen Gerdemann bezüglich auffälliger Blutwerte aus dessen T-Mobile-Zeit nicht zu den Akten gelegt.

"Ich habe dem Manager von Linus Gerdemann empfohlen, sich das komplette Blutbild geben zu lassen. Dann lassen wir das von einem externen Experten prüfen und interpretieren", sagte van Gerwen. Sollte der Experte dann negativ für Gerdemann entscheiden, wäre dies "verbindlich".

Auffällige Blutwerte

Die ARD hatte Anfang Oktober von auffälligen Blutwerten Gerdemanns in dessen T-Mobile-Zeit berichtet, die aus einem von der Universität Hamburg erstellten und von der Freiburger Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenen Blutgutachten hervorgehen. Dabei war von Hämoglobinschwankungen zwischen 17,2 g % und 14,2 g % im Zeitraum von Januar bis Mai 2006 die Rede. Dies könnte ein Hinweis auf Doping sein.

Im Fall Mark Schmidt - der Teamarzt war von Dopingsünder Bernhard Kohl schwer belastet worden - wartet van Gerwen auf einen Gerichtsbeschluss aus Wien. Schmidt hatte eine Eidesstattliche Versicherung abgegeben, dass er keine Dopingmittel besorgt, weitergeleitet oder verabreicht habe. Gleichzeitig hat er Kohl in Wien verklagt.

Kohl hatte der österreichischen Tageszeitung "Kurier" gesagt, der damalige Gerolsteiner-Arzt Schmidt sei in seine Dopingpraktiken während der Tour de France 2008 eingeweiht gewesen und habe dabei auch mitgeholfen.

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