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Patrick Gretsch wurde bereits 2004 Junioren-Weltmeister im Einzelzeitfahren © imago

Patrick Gretsch holt bei der Straßenrad-WM im Zeitfahren der U-23-Männer Silber. Auch ein Sturz kann den Erfurter nicht stoppen.

Varese - Vom Podium direkt ins Krankenhaus: Überglücklich, aber auch schwer lädiert humpelte Patrick Gretsch zur Siegerehrung, nachdem er zum Auftakt der Straßenrad-WM im italienischen Varese die Silbermedaille im Zeitfahren der U-23-Männer geholt hatte.

Der Erfurter ließ sich aber auch durch einen heftigen Sturz bei Tempo 60 nicht aufhalten und bescherte dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) einen glänzenden Auftakt.

"Drei Kilometer vor dem Ziel bin ich in einer Rechtskurve rausgeflogen. Ein Motorrad wäre fast noch über mich gefahren. Ich hatte aber so viel Adrenalin, dass ich direkt wieder auf das Rad gestiegen bin", beschrieb Gretsch die Schrecksekunde und begab sich im Anschluss direkt zur Behandlung ins Krankenhaus von Varese.

Fleischwunde bis Knöchel

Im Ziel machten sich die Schmerzen erst bemerkbar. "Die Fleischwunde geht bis zum Knöchel", erklärte Gretsch.

Tiefe Schrammen an beiden Beinen dokumentierten den Sturz. Die Freude überwog aber dennoch. "Ich habe mich gezielt auf dieses Rennen vorbereitet und mit einer Medaille geliebäugelt. So einen Moment vergisst man nicht", sagte der 21-Jährige, der 2004 bereits den WM-Titel im Zeitfahren der Junioren gewonnen hatte.

Italiener Malori überlegen

Gold wäre aber auch ohne den Sturz kaum möglich gewesen. Bei der dritten Zwischenzeit nach 23 Kilometern lag er bereits 22 Sekunden hinter dem italienischen Champion Adriano Malori, der in 41:35,98 Minuten einen überlegenen Heimsieg feierte. Im Ziel betrug der Rückstand 49 Sekunden.

"Ich habe ja noch ein Jahr als U-23-Fahrer", sagte Gretsch und blickte bereits auf das nächste Jahr. Rang drei ging an den Australier Cameron Meyer (1:04 Minuten zurück). Andreas Henig (Badenweiler) rundete das gute deutsche Ergebnis ab und belegte in 43:08,69 Minuten den neunten Rang.

Für Gretsch dürfte der zweite Platz Gold wert gewesen sein, schließlich besitzt er noch keinen Vertrag für die kommende Saison. Bislang war er für das Thüringer Energie-Team gefahren, für die Zukunft kommt sicherlich auch das vom BDR ins Leben gerufene Continental-Team in Frage. Schließlich ist Gretsch auch ein exzellenter Bahnfahrer über die 4000-m-Distanz.

Erste Medaille seit 2003

Damit holte der BDR erstmals seit 2003 wieder eine Medaille im Zeitfahren der U-23-Männer. Dies war letztmals dem heutigen Gerolsteiner-Profi Markus Fothen in Hamilton gelungen, als er sich den Titel geholt hatte.

Die WM wird am Mittwoch mit dem Zeitfahren der Frauen über 25, 15 Kilometern fortgesetzt. Titelverteidigerin Hanka Kupfernagel (Werder) musste ihren Start wegen einer Magen-Darm-Grippe absagen, so dass die deutschen Hoffnungen auf Judith Arndt (Leipzig) und Charlotte Becker (Waltrop) ruhen.

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