vergrößernverkleinern
Sechsmal gewann Erik Zabel bei der Tour de France das Grüne Trikot © getty

Am Ende der Saison ist für Erik Zabel Schluss mit dem Radsport. Die Erinnerungen an den Sprinter sind nicht nur positiver Natur.

Varese - Erik Zabel steigt vom Rad und beendet seine von grandiosen Siegen gezeichnete, aber auch mit einem Makel behaftete Bilderbuch-Karriere.

Nach 201 Profisiegen in 16 Jahren setzt der erfolgreichste deutsche Radprofi aller Zeiten zum letzten Sprint in den Ruhestand an.

Nach der Straßenrad-WM im italienischen Varese als letztem Höhepunkt gibt der 38-Jährige beim Münsterland-Giro am 3. Oktober seine Abschiedsvorstellung in Deutschland und neun Tage später beim Klassiker Paris-Tours generell.

"Nicht alle Wünsche erfüllt"

"Ich gehe als Freund des Radsports. Das waren 16 Jahre mit Höhen und Tiefen. Die Ziele, die ich mir als aktiver Sportler gesetzt habe, habe ich zum größten Teil erreicht. Natürlich sind nicht alle Wünsche in Erfüllung gegangen", sagte Zabel auf einer Pressekonferenz in Varese.

"Ich hatte in diesem Jahr viel Spaß am Radsport und konnte auf Augenhöhe mit der internationalen Konkurrenz fahren. Ich weiß nicht, ob das in einer weiteren Saison noch möglich wäre", so Zabel.

Geständnis unter Tränen

Als Nobody aus Prenzberg war Zabel einst in die Radsport-Welt ausgezogen, bescherte der Szene in Deutschland fortan zusammen mit Jan Ullrich einen noch nie dagewesenen Boom und avancierte zwischenzeitlich als Hauptdarsteller in der "Höllentour" sogar zum Filmstar.

In Erinnerung bleiben aber auch die Tränen am 24. Mai 2007, als Zabel an der Seite von Rolf Aldag in Bonn vor einem Millionenpublikum ein Doping-Geständnis ablegte.

"Es war ein großer Fehler, Doping überhaupt zu machen, um es dann Jahre später zugeben zu müssen", sagte der Familienvater rückblickend.

Manager-Posten noch kein Thema

Nach dem Ausklang bei diversen Sechstagerennen, will sich Zabel erst einmal eine Pause zum "Abtrainieren" gönnen.

Ein Einstieg in die sportliche Führung eines Teams käme momentan zu früh: "Da würde mir die nötige Distanz fehlen, aber man soll nie nie sagen." So wird Zabel im nächsten Jahr als Markenbotschafter für einen Rennrad-Hersteller und eine Sonnenbrillenmarke tätig sein.

Eine Lücke hinterlässt der Sprinter allemal. Nicht nur beim Team Milram, für das er seit 2006 fährt. Zabel tritt auch als erfolgreichster noch aktiver Radprofi von der Bühne ab.

Sechsmal bei der Tour in Grün

Wo Zabel war, war meist auch vorne. Wenn "Ete" in seiner besten Zeit beim Team Telekom bzw. T-Mobile - 13 Jahre fuhr er für den Bonner Rennstall - zum Sprint ansetzte, konnte die Konkurrenz häufig einpacken.

Sechsmal fuhr Zabel bei der Tour de France ins Grüne Trikot des Sprintbesten, er gewann dabei zwölf Etappen, womit er deutscher Rekordhalter ist. Insgesamt ging er 14-mal bei der "Grande Boucle" an den Start, ebenfalls eine nationale Bestmarke.

Highlights und Tiefpunkte

Bei seinem Lieblingsrennen Mailand-San Remo triumphierte er viermal. Einen fünften Erfolg ließ er einst auf dem Asphalt liegen, weil er zu früh jubelte ("Mit diesem Rennen sind meine schönsten und traurigsten Momente verbunden").

Neben weiteren zahlreichen Etappensiegen bei der Vuelta, der Deutschland-Tour oder der Tour de Suisse gehören die Siege beim Amstel Gold Race, bei Paris-Tour oder den Cyclassics in Hamburg zu seinen herausragenden Erfolgen.

WM-Titel fehlt

Nur einem Titel fuhr Zabel immer hinterher, dem Gewinn der Straßenrad-WM. Zweimal (2004 und 2006) war er Zweiter, einmal (2002) Dritter. Es wäre für Zabel der perfekte Abschluss, sollte es am Sonntag in Varese klappen.

"Ich bin nicht der Topfavorit, aber die WM wird gewöhnlich in den letzten beiden Runden entschieden. Ich hoffe, dass ich im Finale noch dabei bin", beschrieb er seine Chancen.

Fleißiger Athlet

"Das Rad ist mein Freund", hat der in Unna beheimatete Zabel stets gesagt, und dabei konnte die Saison oft nicht lang genug sein. Als sich sein langjähriger Kollege Ullrich regelmäßig im Frühjahr noch mit Winterspeck herumschlug, holte Zabel mit Etappensiegen die Kohlen aus dem Feuer.

Und wenn die Kollegen im Winter längst in der Sonne lagen, sprintete der Ausnahmeathlet noch bei den Sechstagerennen um Rundengewinne.

Zweite Chance genutzt

"In Erik Zabel verliert nicht nur das Team Milram, sondern der gesamte Profisport einen bedeutenden Athleten. Wir bedanken uns bei ihm für die tolle Zusammenarbeit in den letzten drei Jahren", sagte Milram-Teamchef Gerry van Gerwen.

Dabei war die Zusammenarbeit im vorigen Jahr arg auf die Probe gestellt, als Zabel gestanden hatte, 1996 gedopt zu haben ("Habe Epo für 256 Mark ausprobiert"). Milram sah von einem Rauswurf ab und gab Zabel eine zweite Chance.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel