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Frank Schleck kann sich bei der Tour noch über Gelb freuen © getty

Die Polizei stürmt bei der WM in Varese das luxemburgische Teamhotel. Frank Schleck hat Geld an den Doping-Doktor überwiesen.

Von Wolfgang Kleine

Varese - Die Ermittler kommen in der Nacht. Im Hotel der luxemburgischen Nationalmannschaft bei der WM in Varese wird es unruhig.

20 Beamte der italienischen Polizei starten in der Nacht auf Samstag eine achtstündige Razzia. Nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" haben Augenzeugen den Vorgang, der durch die Staatsanwaltschaft Varese angeordnet wurde, in Gaggiolo beobachtet.

Wer war das Ziel der Durchsuchung? Ein Sauerstoff-Zelt, das die Höhenluft simuliert? Oder Frank Schleck?

Was schon in der Vergangenheit vermutet wurde, ist jetzt offenbar aufgeklärt. Der Tour-Star vom CSC-Rennstall wurde zuvor offiziell als Kunde des Doping-Doktors Eufemiano Fuentes enttarnt.

Das berichtet zumindest die "Süddeutsche Zeitung". Demnach sollen im März 2006 exakt 6991 Euro auf das Fuentes-Konto unter dem aus der Puerto-Affäre bekannten Decknamen "Codes Holding" bei der Genfer Bank HSBC eingegangen sein.

Frank Schleck der Absender

Der Absender: Frank Schleck, der bei der Tour de France mehrereTage im Gelben Trikot der Spitzenreiters fuhr. Er hat es erst kurz vor Schluss an seinen CSC-Teamkollegen Carlos Sastre verloren.

Der Luxemburger Oberstaatsanwalt Robert Biever hat die Überweisung der "SZ" gegenüber bestätigt: "Ja, es gibt die diese Kontobewegung von rund 7000 Euro an Herrn Fuentes. Ich habe den Kontoauszug aus Deutschland erhalten."

Der Jurist hat die Papiere an die Luxemburger Anti-Doping-Agentur weitergeleitet.

Das Unschuldslamm

Frank Schleck gibt das Unschuldslamm: "Ich habe nicht gedopt." Der 28-Jährige, der auch am Sonntag bei der WM in Varese starten soll, bestätigte aber einen Termin mit dem luxemburgischen Anti-Doping-Komitee.

Schleck will sich nun Zeit nehmen, den Vorgang aufzuklären. Der Luxemburger soll bei Fuentes unter dem Decknamen "Amigo de Birillo" geführt worden sein. "Birillo" ist der Fuentes-Codename des gesperrten Ivan Basso, Schleck wäre also der Freund von Basso.

CSC-Teamchef Bjarne Riis, der selbst EPO-Doping gestanden hat, weicht bei Fragen zum Thema Frank Schleck aus: "Frank hat mir bestätigt, dass er nichts Falsches getan hat, nicht gegen Anti-Doping-Regeln verstoßen hat oder es beabsichtigte."

Riis streitet Kontakt ab

Der frühere Toursieger Bjarne Riis hat eine Verwicklung in den spanischen Doping-Skandal um Eufemiano Fuentes bestritten.

"Ich muss immer wieder lesen, dass mein Name in Verbindung mit der Operacion Puerto gebracht wird. Ich kann zu 100 Prozent garantieren, dass ich in den Dokumenten nicht auftauche. Ich hatte nie etwas mit diesem Fall zu tun", sagte der Däne auf einer Pressekonferenz in Varese.

"Natürlich sind wir an den Dokumenten interessiert. Bislang kenne ich aber nur den Zeitungsbericht. Die UCI wird sich an die Regeln halten. Deshalb kann Schleck starten", sagte UCI-Präsident Pat McQuaid auf einer Pressekonferenz.

Vater Schlecks Wagen durchsucht

Jetzt kommt auch mehr Licht in den Vorgang bei der diesjährigen Tour de France. Schon da scheinen die Ermittler Frank Schleck auf dem Radarschirm in Sachen Doping gehabt zu haben.

Denn der Wagen mit Vater Johnny Schleck, einem ehemaligen Radprofi, wurde von der französischen Polizei angehalten und einer intensiven Durchsuchung nach Dopingmitteln unterzogen.

Schon kurz nach der Tour de France hatte die "SZ" Dopingvorwürfe gegen den Luxemburger erhoben.

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