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Alberto Contador (r., mit Klöden) wechselte 2007 von Discovery Channel zu Astana © imago

Während der Tour gefundenes verbotenes medizinisches Gerät ist wohl dem damaligen Team um Contador, Armstrong und Klöden zuzuordnen.

München - Dem Radsport droht ein neuer großer Skandal.

Während der Tour de France in diesem Jahr gefundene Spritzen und Nadeln sind angeblich zweifelsfrei dem Astana-Team um Gesamtsieger Alberto Contador sowie den amerikanischen Superstar Lance Armstrong zuzuordnen. (Artikel: Armstrong stoppt Anti-Doping-Programm)

Das Internetportal der Tageszeitung "Le Monde" und die Nachrichtenagentur "afp" berichten das unter Berufung auf die Pariser Staatsanwaltschaft.

Für den kasachischen Rennstall, der wiederholt ins Visier der Dopingfahnder geraten ist, fuhr während der diesjährigen Tour auch der deutsche Profi Andreas Klöden.

DNA-Profile erstellt?

Ermittler sollen anhand des in Müllbehältern und Hotelräumen sichergestellten Materials sieben DNA-Profile erstellt haben, die nun mit Profilen verdächtigter Fahrer abgeglichen werden sollen.

Um den Abgleich zu ermöglichen, müsste der Radsport-Weltverband UCI der französischen Justiz zunächst Blutprofile der Athleten zur Verfügung stellen.

Allein der Besitz des Materials stellt offenbar schon einen Verstoß gegen die Richtlinien der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA dar.

Polypeptide gefunden

Enrico Carpani, Pressesprecher der UCI, sagte: "Mir liegen diese Berichte nicht vor, deswegen werde ich mich auch noch nicht dazu äußern."

Dopingpräparate wurden bislang nicht gefunden, sondern lediglich Polypeptide, die auch in Nahrungsergänzungsmitteln zu finden sind, und Blutdrucksenker. Weitere Untersuchungen sollen folgen.

Astana war bei der "Grande Boucle" mit neun Fahrern an den Start gegangen - acht davon fahren inzwischen für das von Lance Armstrong und Johan Bruyneel neugegründete RadioShack-Team. Lediglich Contador blieb bei Astana.

Ermittlungen eingeleitet

Die Staatsanwaltschaft hatte Ermittlungen gegen Astana und zwei weitere Teams eingeleitet, nachdem verdächtige Spritzen und Infusionsmittel im Abfall der Rennställe bei der diesjährigen Tour gefunden worden waren.

Daraufhin wurde die Behörde für Umweltschutz und öffentliche Gesundheit beauftragt, die Spritzen zu untersuchen.

Gegen die beiden weiteren Teams liegen offensichtlich nicht genügend Indizien vor, um eine weitere Untersuchung zu rechtfertigen.

UCI-Kontrollen in der Kritik

Die Dopingkontrollen der UCI bei der Tour de France waren vor Monaten ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.

Astana soll von den UCI-Dopingjägern bevorteilt worden sein.

So soll dem Rennstall auch bei unangemeldeten Kontrollen mehrfach noch zusätzliche Zeit ohne die obligatorische Aufsicht eingeräumt worden sein, ehe die Fahrer zur Kontrolle antraten.

Kritik wegen "Kaffee-Affäre"

So hatte während der Tour die "Kaffee-Affäre" für Aufsehen gesorgt.

Angeblich tranken Doping-Fahnder zunächst Kaffee mit Team-Verantowrtlichen und tauchten erst mit bis zu 45-minütiger Verspätung bei den Fahrern auf.

Laut der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD sollen Kontrollen auch fälschlicherweise als "außerhalb des Wettkampfes" deklariert worden sein, sodass die umfangreichere Verbotsliste für Wettkampfzeiten nicht griff.

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