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Stefan Schumacher gewann 2006 die Polen-Rundfahrt © imago

Schumachers ewiger Kampf gegen seine Dopingstrafe findet weiter kein Ende. Der internationale Gerichtshof verschiebt das Urteil.

München - Das Geduldsspiel geht weiter, und allmählich wittert Stefan Schumacher eine Verschwörung.

"Ich kann es nicht fassen. Ich habe im März 2009 Einspruch eingelegt, und es ist immer noch kein Urteil gefallen. Die Gerichte brauchen so lange, dass die Sperre bald um ist. Ich habe das Gefühl, dass man mich freisprechen muss, aber nicht will", sagte Schumacher, nachdem der internationale Sportgerichtshof CAS ein Urteil ähnlich wie im Fall Claudia Pechstein erneut hinausgeschoben hatte.

Nun soll am 25. Januar eine Entscheidung über die zweijährige Dopingsperre des früheren Gerolsteiner-Profis fallen. Ursprünglich war ein Urteil für Mitte Dezember angekündigt, dann der 11. Januar avisiert worden.

"Grundlage für Verurteilung fehlt"

Auch Schumachers Anwalt hat kein Verständnis für die Vorgehensweise des CAS:

"So kann man mit einem Athleten nicht umgehen. Meine Vermutung ist, dass es innerhab des Panels heftige Diskussionen um die Entscheidung gibt. Meiner Meinung nach fehlt eine Grundlage für eine Verurteilung. Es sind jede Menge Fehler passiert."

Der frühere Gerolsteiner-Profi war in Nachkontrollen zur Tour de France 2008 positiv auf den Epo-Nachfolger Cera getestet worden.

Daraufhin hatte die französische Anti-Doping-Agentur AFLD den 28-Jährigen gesperrt, der Radsport-Weltverband UCI dehnte die Sperre weltweit aus.

Schumacher beteuert Unschuld

Schumacher beteuert weiter seine Unschuld. "Ich habe nicht gedopt. Ich weiß, dass alles gegen mich spricht, aber es gab so viele Verfahrensfehler. Der Test ist erst dann positiv, wenn er auf solider Basis zustande kam. Hier wurden aber alle Regeln mit Füßen getreten", sagt der WM-Dritte von 2007.

Wichtigstes Argument ist dabei die Tatsache, dass das Analyseverfahren erst am 31. Mai 2009 für zulässig erklärt wurde. Schumacher war aber bereits im Oktober 2008 von der AFLD überführt worden.

"Gehe bis zur letzten Instanz"

Auch positive Proben von den Olympischen Spielen in Peking wurden deutlich vor dem Stichtag analysiert. Das IOC hat den zweimaligen Tour-Etappensieger von 2008 bereits aus den Ergebnislisten gestrichen.

Auch dagegen hat Schumacher beim CAS Einspruch eingelegt.

Schumacher ist gewillt, den Justizmarathon bis zum Ende durchzuziehen. "Ich gehe bis zur letzten Instanz vor das Schweizer Bundesgericht. Ich werde kämpfen und bin überzeugt, dass ich vor einem ordentlichen Gericht freigesprochen werde", sagt der Nürtinger.

Teueres Verfahren

Dabei verschweigt er nicht, dass es finanziell an die Reserven geht: "Das ist mir egal. Für mich geht es ums Prinzip. Koste es, was es wolle."

Erst im November 2009 war Schumacher vor dem obersten französischen Verwaltungsgericht mit einem Einspruch gegen die zweijährige Dopingsperre gescheitert.

Das Analyseverfahren für die Blutproben sei regelkonform gewesen, hieß es in der Urteilsbegründung des Conseil d'Etat.

Training auf eigene Kosten

Egal, wie sein Fall am Ende ausgeht, Schumacher will auf jeden Fall in den Radsport zurückkehren.

"So kann ich doch nicht meine Karriere beenden. Dafür steckt noch viel zu viel Leidenschaft in mir", sagt er und verweist auf Lance Armstrong. Der sei zehn Jahre älter und beabsichtige auch noch zwei Jahre zu fahren.

Nach dem Aus des Teams Gerolsteiner hatte Schumacher bereits einen gut dotierten Vertrag beim belgischen Rennstall Quick Step unterschrieben. Der war nach dem positiven Test hinfällig. Momentan trainiere er auf eigene Kosten.

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