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Stefan Schumacher gewann 2008 die vierte Etappe der Tour de France © getty

Der ehemalige Profi scheitert vor dem CAS mit seinem Einspruch gegen seine Dopingsperre. Letzte Hoffnung ist ein Bundesgericht.

Lausanne - Stefan Schumacher hat bei seinem Justiz-Marathon die wohl entscheidende Niederlage eingesteckt und steht nun vor den Trümmern seiner Karriere.

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat den Einspruch des WM-Dritten von 2007 gegen die zweijährige Dopingsperre abgelehnt, das Ende der Sperre aber auf den 27. August 2010 zurückgesetzt.

Ursprünglich sollte das "weltweite Fahrverbot" von Schumacher erst am 21. Januar 2011 enden.

"Ich bin unglaublich wütend. Man versucht, sich auf das Schlimmste gefasst zu machen, kann es aber doch nicht glauben. Ich bin ein Kämpfer, aber das muss ich erstmal sacken lassen", sagte Schumacher.

Schweizer Bundesgericht als Option

Der 28-Jährige überlegt nun, ähnlich wie im Fall Claudia Pechstein das Urteil vor dem Schweizer Bundesgericht anzufechten.

"Wir werden das Urteil analysieren und die Möglichkeit eines Einspruchs vor dem Schweizer Bundesgericht prüfen", sagte Anwalt Michael Lehner, der trotz "einer Reihe von Totschlagargumenten" die Sperre nicht abwenden konnte.

Parallelen zu Pechstein

Ähnlich wie bei Pechstein hatte der CAS Verfahrensfehler nicht gelten lassen und ein Dopingvergehen von Schumacher gewertet. Der 28-Jährige war in Nachkontrollen zur Tour de France 2008 positiv auf den Epo-Nachfolger Cera getestet worden.

Daraufhin hatte die französische Anti-Doping-Agentur AFLD den 28-Jährigen bis zum 21. Januar 2011 gesperrt, der Radsport-Weltverband UCI dehnte die Sperre weltweit aus.

Einspruch zwecklos

Dagegen legte Schumacher Einspruch ein und verwies auf Verfahrensfehler. Größtes Argument war dabei die Tatsache, dass das Analyseverfahren erst am 31. Mai 2009 für zulässig erklärt worden war.

Schumacher war aber bereits im Oktober vergangenen Jahres von der AFLD überführt worden. Auch positive Proben von den Olympischen Spielen in Peking wurden deutlich vor dem Stichtag analysiert.

Das IOC hatte den zweimaligen Tour-Etappensieger von 2008 bereits aus den Ergebnislisten gestrichen. Auch dagegen hatte Schumacher beim CAS Einspruch eingelegt, nach dem jetzigen Urteil dürfte dieses Unterfangen erfolglos bleiben.

Strafe zurückgesetzt

Umso überraschender war allerdings die Tatsache, dass der CAS den Beginn der Sperre auf den 28. August 2008 zurücksetzte, obwohl der Schwabe Ende September des gleichen Jahres noch bei der WM gefahren war.

"Ich habe den Eindruck, dass der CAS durch die Rückversetzung der Sperre Stefan Schumacher die Lust nehmen will, vor das Bundesgericht zu ziehen. Der CAS hat wieder einmal die Chance versäumt, sich als unabhängiges Sport- und Schiedsgericht zu profilieren", sagte Lehner.

Als Dopingsünder überführt

Erst im November 2009 war Schumacher vor dem obersten französischen Verwaltungsgericht mit einem Einspruch gegen die zweijährige Dopingsperre gescheitert. Das Analyseverfahren für die Blutproben sei regelkonform gewesen, hieß es in der Urteilsbegründung des Conseil d'Etat.

Damit scheint Schumacher im vierten Anlauf als Dopingsünder überführt. Die Liste der Verdächtigungen gegen ihn ist fast schon so lang wie seine Erfolge. Bei seinem Rennstall Gerolsteiner stand er bereits Anfang des Jahres 2008 vor der Entlassung.

Nur weil Teamchef Hans-Michael Holczer damals arbeitsrechtlich die Hände gebunden waren, kam der Nürtinger mit einer Geldstrafe davon.

Von Fall zu Fall

Sechs Tage vor dem WM-Straßenrennen 2007 in Stuttgart hatte eine Trainingskontrolle einen Hämatokritwert von 50,5 ergeben. Schumacher hatte den Wert sdamals mit einer Durchfallerkrankung begründet.

Der nächste Vorfall folgte nur eine Woche später. Am 7. Oktober 2007 raste der Klassikerspezialist unter Alkoholeinfluss in einen Gartenzaun. Bei der anschließenden Polizeikontrolle wurden geringe Mengen von Amphetaminen im Blut festgestellt.

Glück im Unglück

Schumacher, der sich den Drogen-Missbrauch nicht erklären konnte, entging damals nur einer Sperre, weil der Amphetaminnachweis außerhalb der Wettkampfphase lag.

2005 war er sogar einmal positiv getestet worden, ein nachträgliches Attest verhinderte aber Schlimmeres.

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