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Kapitän Cadel Evans (l.) mit Edelhelfer George Hincapie © getty

Mit Weltmeister Cadel Evans als Zugpferd will der Phonak-Nachfolger zur Tour. Der Teambesitzer setzt auf Erfahrung.

Agoura Hills/Kalifornien - Mit Floyd Landis war er einst ganz oben, ehe der jähe Absturz folgte. Nun wagt Millionär Andy Rihs den nächsten Anlauf.

Vier Jahre nach der Auflösung des Phonak-Teams im Zuge des Dopingskandals von Landis hat der Radsport-Verrückte aus der Schweiz kräftig in sein BMC-Team investiert.

Mit Weltmeister Cadel Evans als neuem Kapitän will der Schweizer Rennstall in seinem dritten Jahr in die erste Liga des Radsports fahren.

Unter der Sonne Kaliforniens legte das Team in den vergangenen zwei Wochen die Grundlage für die wichtigste Saison seit der Gründung.

"Das Jahr ist für uns enorm wichtig, unsere Erwartungen sind immens. Wir hoffen, dass die Fahrer unter den Bedingungen, die wir für sie schaffen, optimale Resultate rausholen", sagte Mike Hürlimann am Rande des Trainingslagers in Agoura Hills.

Mit Routiniers zur Tour

Als Ziel gibt der Vorstandsvorsitzende von BMC die Einladung zur Tour de France aus. Trotz großer Konkurrenz sind die Voraussetzungen dafür alles andere als schlecht.

Strampelten bisher vorwiegend Nachwuchsfahrer für den Schweizer Fahrradfabrikanten, so wurden im vergangenen Herbst in dem Australier Evans, Italiens Ex-Weltmeister Alessandro Ballan, dem Amerikaner George Hincapie und dem Sachsen Marcus Burghardt gestandene Siegfahrer verpflichtet. (DATENCENTER: Radsport-Ergebnisse auf einen Blick)

Für BMC-Besitzer Rihs, ein Liebhaber von Havanna-Zigarren, ist das Team auch eine Art Vergangenheitsbewältigung, denn der Unternehmer versank 2006 im Dopingsumpf des Pelotons.

Mit seiner Hörgerätefirma Phonak pumpte er Millionen in den gleichnamigen Rennstall und strahlte mit Toursieger Floyd Landis im Blitzlichtgewitter um die Wette - bis der Amerikaner des Dopings überführt wurde.

Null-Toleranz-Politik im Dopingkampf

Landis war nach Ex-Weltmeister Oscar Camenzind und Athen-Olympiasieger Tyler Hamilton innerhalb von nur zwei Jahren der dritte prominente Phonak-Fahrer, der den Dopingjägern ins Netz ging.

Rihs, der den Radsport immer für die beste Werbeplattform hielt - "egal, ob Doping drin ist oder nicht" -, zog sich desillusioniert zurück.

Nach zwei Jahren Pause kehrte er mit BMC zurück, agiert jedoch heute vorwiegend im Hintergrund. Das Tagesschäft erledigt Hürlimann. Der erfahrene John Lelangue, der bereits bei Phonak im Teamfahrzeug saß, leitet die sportlichen Geschicke.

"Gerade im Radsport haben wir in Sachen Dopingbekämpfung unheimlich viel gelernt. Wir betreiben eine konsequente Null-Toleranz-Politik, und das machen wir den Fahrern von Beginn an klar", sagt Hürlimann.

Weltmeister als Zugpferd

So sehr man bei BMC die Anti-Doping-Haltung auch betont, so stolz scheint man dennoch auf die Erfolge zu sein, die Fahrer auf den Rädern aus dem Kanton Solothurn in der Vergangenheit gefeiert haben.

Bei Präsentationen des Unternehmens wirft der Beamer wie selbstverständlich Bilder von Landis oder Hamilton an die Leinwand.

Hürlimann ist überzeugt, dass man mit einer offenen Informations-Politik, erstklassigem Material, richtiger Ernährung und modernem Training das Optimum aus einem Fahrer herausholen kann.

Spitzenfahrer Evans glaubt so sehr an das Projekt, "dass ich gleich für drei Jahre statt nur für eine Saison unterschrieben habe". Besonders der Teamgeist und die modernen Trainingsansätze gäben ihm neue Motivation nach einer - bis auf den WM-Titel - verkorksten Saison.

Als Vorbild dient BMC ausgerechnet ein Konkurrent. Das Cervelo-Team schaffte es im vergangenen Jahr mit den teuren Verpflichtungen von Carlos Sastre und Thor Hushovd sowie Top-Resultaten, zu allen wichtigen Rennen auch ohne ProTour-Lizenz eingeladen zu werden.

Vom gleichen Weg träumt man auch in der BMC-Zentrale in Grenchen, auf halber Strecke zwischen Basel und Bern.

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