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Nur der WM-Titel fehlt Erik Zabel in seiner Erfolgsbilanz © getty

Tausende Radsport-Fans sind Zeugen, als Erik Zabel beim Münsterland-Giro zum letzten Mal auf Deutschlands Straßen fährt.

Münster - Die Autogrammjäger standen Schlange, von Ehefrau Cordula gab es noch ein Küsschen und tausende Radsport-Fans bescherten "Ete" einen stimmungsvollen Abschied.

Begleitet von großem Beifall hat Erik Zabel beim Münsterland-Giro seine Abschiedsvorstellung auf deutschen Straßen gegeben - und dabei einen siegreichen Ausstand nur um Haaresbreite verpasst.

Der 38-Jährige, der zum Saisonende seine Karriere nach 16 Jahren beendet, musste sich am Tag der Deutschen Einheit nach 204 km von Bocholt nach Münster nur Andre Greipel (Rostock) vom Team Columbia geschlagen geben.

"Gehe als Freund des Radsports"

Nach seinem letzten Sprint in Deutschland bedankte sich Zabel mit einer Rede bei seinen Fans. "Man hat gesehen, dass der Radsport noch lebt. Vielen Dank für die großen Momente. Ich gehe als Freund des Radsports", sagte der Milram-Sprinter.

Der 38-Jährige, der zum Saisonende seine Karriere nach 16 Jahren beendet, stand am Tag der Deutschen Einheit noch einmal im Mittelpunkt.

Auch Gerolsteiner nimmt Abschied

"Den Abschiedsschmerz werde ich erst im Frühjahr empfinden - die Zeit, wenn ich sonst die Koffer packte, um zur Mallorca-Rundfahrt aufzubrechen. Im nächsten Jahr wird das nun wegfallen", sagte Zabel, der am 12. Oktober beim Klassiker Paris-Tours sein letztes Straßenrennen fahren wird und nach der Sixdays-Saison im Winter endgültig vom Sattel steigt.

"Auf Wiedersehen Deutschland", sagte auch das Team Gerolsteiner. Angeführt vom gebürtigen Münsteraner Fabian Wegmann waren die cyanblauen Trikots ein letztes Mal zu sehen.

Nach der ergebnislosen Sponsorensuche wird der Rennstall von Hans-Michael Holczer zum Saisonende geschlossen. Robert Förster bescherte dem Gerolsteiner-Team mit Platz drei noch einmal eine Podiumsplatzierung

55-mal auf dem Tour-Podium

Mit insgesamt 201 Siegen bei UCI-Rennen, Dutzenden weiteren Erfolgen bei kleineren Kriterien, zwei Vizeweltmeistertiteln, zwei vierten Plätzen bei Olympia, einem Gesamtweltcuperfolg, zwölf Etappensiegen bei der Tour de France (55 Podiumsplätze) wurde Zabel einer der erfolgreichsten Radprofis aller Zeiten.

Schließlich kann er auch noch auf zehn Siege bei Sechstage-Rennen verweisen.

Kein "Blick zurück im Zorn"

Zabel quälte sich 14-mal bei der "Großen Schleife" über Alpen und Pyrenäen und brachte dabei sechsmal das Grüne Trikot des Sprintstars mit in die heimische Villa.

Zabel hätte sogar noch einen Start mehr bei der Frankreich-Rundfahrt, wenn er nicht 2005 unberücksichtigt geblieben wäre.

Jan Ullrich wollte damals statt eines Sprinters einen Helfer mehr im Team. "Geschenkt", sagt Zabel heute, "ich schaue nicht zurück im Zorn. Es war alles in Ordnung."

Froh ist er im Nachhinein auch, dass er am 24. Mai vergangenen Jahres an der Seite von Rolf Aldag in Bonn vor einem Millionenpublikum ein Doping-Geständnis ablegte. "Damit war ein innerer Druck der Unehrlichkeit weg", sagt er. Das Milram-Team gab ihm damals eine zweite Chance.

Auch im Winter im Sattel

"Das Rad ist mein Freund", hat der in Unna beheimatete Zabel stets gesagt, und dabei konnte die Saison oft nicht lang genug sein. Als sich sein langjähriger Kollege Ullrich regelmäßig im Frühjahr noch mit Winterspeck herumschlug, holte Zabel mit Etappensiegen die Kohlen aus dem Feuer.

Und wenn die Kollegen im Winter längst in der Sonne lagen, sprintete der Ausnahmeathlet noch bei den Sechstagerennen um Rundengewinne. "

2009 Sonnenbrillen-Werbebotschafter

So wird er auch dieses Jahr bei den Sixdays noch einmal um die Pisten kreisen. "Ich will die gute Form nutzen."

Die Fans in Dortmund, Bremen, München und Berlin können sich freuen. In das Management seines Milram-Teams will der Unnaer nicht sofort einsteigen: "Einen so schnellen Wechsel vom Aktiven zum sportlichen Leiter halte ich nicht für günstig."

So wird Zabel im nächsten Jahr als Markenbotschafter für einen Rennrad-Hersteller und eine Sonnenbrillenmarke tätig sein.

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