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Als erster und bisher einziger Deutscher gewann Ullrich 1997 die Tour de France © getty

Das Verfahren in der Schweiz um eine mögliche Verwicklung des ehemaligen Tour-Siegers in den Fuentes-Skandal wird eingestellt.

München - Jan Ullrich hat im Streit um eine mögliche Verwicklung in den Doping-Skandal um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes einen weiteren Sieg errungen:

Knapp eineinhalb Wochen nachdem das Internationale Olympische Komitee angekündigt hatte, das Verfahren gegen den Olympiasieger von Sydney 2000 einzustellen, droht dem Tour-de-France-Sieger von 1997 auch in seiner Wahlheimat Schweiz kein Ärger mehr. (DATENCENTER: Radsport-Ergebnisse auf einen Blick)

Wie die Disziplinarkammer für Dopingfälle des Schweizer Olympischen Komitees am Mittwoch mitteilte, sei das dort anhängige Sportgerichtsverfahren gegen Ullrich eingestellt worden. Zur Begründung hieß es, dass Swiss Olympic keine "Disziplinargewalt" über den 2006 zurückgetretenen Radprofi habe.

Das Urteil kann vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS noch angefochten werden.

"Keine Disziplinargewalt gegen Ullrich"

"Jan Ullrich hat bereits 2006 seine Mitgliedschaft bei Swiss Cycling gekündigt, zu einem Zeitpunkt, als zwar interne Vorabklärungen im Zusammenhang mit allfälligen Dopingvergehen im Gang waren, gegen ihn jedoch noch kein Sanktionsverfahren hängig war", hieß es in der Urteilsbegründung.

"Da das Doping-Statut von Swiss Olympic eine fortdauernde Geltung für Athleten auch nach deren Rücktritt erst seit dem 1. Januar 2009 vorsieht, diese Möglichkeit jedoch nicht rückwirkend anwendbar ist, haben Swiss Olympic und seine Organe keine Disziplinargewalt mehr über den vor dem 1. Januar 2009 und vor Eröffnung eines Antidoping-Verfahrens zurückgetretenen Jan Ullrich."

Ullrich gelassen

Ullrichs Manager Wolfgang Strohband wollte die Einstellung des Verfahrens nicht kommentieren. "Ich kann dazu nichts sagen. Ich muss erst einmal etwas Schriftliches vorliegen haben", sagte Strohband.

Allerdings hatte sich Ullrich bereits bei Verfahrenseröffnung zuversichtlich gezeigt.

"Ich sehe diese Sache gelassen, da ich inzwischen den nötigen Abstand gewonnen habe und zuversichtlich bin, demnächst einen Schlussstrich unter die vergangenen drei Jahre ziehen zu können", hatte der 36-Jährige im Juli 2009 auf seiner Internetseite mitgeteilt.

Lebenslanger Sperre entgangen

Ullrich, der 2002 wegen einer positiven Dopingkontrolle auf Amphetamine bereits sechs Monate gesperrt und 2006 im Zuge der Operacion Puerto um den spanischen Doping-Arzt Fuentes von der Tour de France suspendiert worden war, hätte trotz seines Rücktritts im Falle einer Verurteilung als Wiederholungstäter eine lebenslange Sperre gedroht.

Zwar sitzt Ullrich seit seinem Rücktritt im Februar 2007 nicht mehr im Radsattel, bei einer Sperre durch die Schweizer hätte er jedoch auch nicht mehr als verantwortlicher Betreuer in einer Mannschaft arbeiten dürfen.

Die Schweiz ist sportjuristisch für den gebürtigen Rostocker zuständig, weil Ullrich in Scherzingen lebt und bis zu seinem Karriereende in dem Alpenland lizenziert war.

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