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Am 26. Februar 2007 gab Jan Ullrich das Ende seiner Laufbahn als Radprofi bekannt © getty

Das Doping-Verfahren in der Schweiz ist eingestellt, der Weg damit frei fürs Comeback. Wohl aber nicht als Fahrer.

Neuss - Viel Lärm um nichts: Die "Causa Jan Ullrich" ist in der Schweiz nach über drei Jahren in aller Stille geschlossen worden, dem gefallenen Star stehen urplötzlich wieder alle Türen zurück in den Radsport offen.

Eine Lücke im System kommt dem Toursieger von 1997 zugute. (DATENCENTER: Radsport-Ergebnisse auf einen Blick)

Die vom Bundeskriminalamt auf 2219 Seiten detailliert aufgezeigte Verbindung Ullrichs zum spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes entpuppt sich damit zumindest sportrechtlich als Muster ohne Wert.

"Wenn er nicht bestraft wird, stehen ihm alle Wege offen. Soweit ich weiß, ist kein Verfahren anhängig. Er hätte die Möglichkeit, wieder eine Lizenz zu erwerben", sagte BDR-Vizepräsident Udo Sprenger.

Sportlicher Leiter oder Teamchef?

Der 36-jährige Ullrich, im Februar 2007 abgetreten, könnte nach der jüngsten Entscheidung seine Laufbahn rein theoretisch wieder aufnehmen oder in anderer Form, beispielsweise als Sportlicher Leiter oder Teamchef, im Radsport tätig werden.

Bei einer Verurteilung hätte ihm als Wiederholungstäter eine lebenslange Sperre gedroht.

Die Disziplinarkammer für Dopingfälle des Schweizer Olympischen Komitees Swiss Olympic hatte das Verfahren eingestellt, da sie nach Ullrichs Verbandsaustritt 2006 keine "Disziplinargewalt" mehr habe.

Sanktionsverfahren zu spät

Ein Sanktionsverfahren hätte im Zuge der Anschuldigungen aus Spanien eröffnet werden müssen, hieß es im Schweizer Beamtendeutsch.

Das sei zu spät geschehen, es habe vorher nur interne Vorabklärungen gegeben. So hat sich Ullrich durch die Lizenzrückgabe im Oktober 2006 erfolgreich der Schweizer Sportgerichtsbarkeit entzogen.

Diese Lücke im System ist bei den Schweizern inzwischen geschlossen, hat aber keinen Einfluss mehr auf den Fall.

Wohnsitz-Wechsel für BDR-Lizenz

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) wollte das Urteil der Schweizer nicht weiter kommentieren. "Es liegt außerhalb unserer Gerichtsbarkeit. Es gibt Regularien, an die sich die Verbände halten müssen. Wir haben darauf keinen Einfluss", sagte Sprenger weiter.

Sollte Ullrich eine neue Lizenz beispielsweise in Deutschland oder Österreich erworben wollen, müsste er dafür den Wohnsitz wechseln.

Dass Ullrich nochmal in den Sattel steigt, scheint aber ausgeschlossen.

"Für kein Geld der Welt wieder in die Hölle"

"Ich würde für kein Geld der Welt wieder in die Hölle zurückgehen. Ich hätte zwar die Fans hinter mir. Aber ich tue mir das nicht an. Ich wollte sowieso 2006 aufhören", hatte er im vergangenen Jahr gesagt.

All die Ermittlungen waren scheinbar umsonst. Dabei hatte das BKA die Verbindung Ullrichs zu Fuentes offenbar lückenlos aufgedeckt.

Das bei Fuentes sichergestellte Blut wurde per DNA-Abgleich Ullrich zugeordnet, es wurden angebliche Geldzahlungen in Höhe von 80.000 Euro an den spanischen Arzt ausfindig gemacht und weiteres belastendes Material gesammelt.

250.000 Euro Strafzahlung

Erst nach einer Zahlung in Höhe von 250.000 Euro hatte die Staatsanwaltschaft Bonn im April 2008 das zivilrechtliche Verfahren gegen Ullrich wegen "Täuschung und Betruges zum Nachteil seiner Arbeitgebers Telekom/T-Mobile sowie Coast eingestellt.

Und dass, obwohl laut der Ermittler erwiesen war, "dass Ullrich das Dopingsystem des spanischen Arztes Dr. Fuentes nutzte, um sich vertragswidrig mit leistungssteigernden Mitteln und Methoden auf seine Wettkämpfe vorzubereiten".

Gibt's noch mal Einspruch?

Der Radsport-Weltverband (UCI) und die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) können vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen die Entscheidung der Schweizer Einspruch einlegen.

"Wir haben offiziell noch keine Unterlagen erhalten. Wenn es die Möglichkeit gibt, werden wir Einspruch einlegen", sagte UCI-Sprecher Enrico Carpani.

Swiss Olympic teilte aber bereits mit, dass die Entscheidung mit den Bestimmungen der UCI und der WADA übereinstimme.

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