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Stefan Schumacher trug 2008 zwei Tage lang das Gelbe Trikot bei der Tour de France © getty

Radprofi Stefan Schumacher steht nach seinem positiven Epo-Test bei der Tour de France 2008 vor den Scherben seiner Karriere.

München - Der Rad-Schumi wird endgültig zum Schummel-Schumi: Dreimal konnte Stefan Schumacher bereits seinen Kopf aus der Schlinge ziehen, nun ist der deutsche Radstar offenbar als Dopingsünder überführt.

Der WM-Dritte von 2007 steht nach seinen zwei positiven Epo-Test bei der diesjährigen Tour de France vor den Scherben seiner Karriere.

Eine zweijährige Sperre, dazu eine verbandsinterne Geldstrafe und Schadenersatzforderung von seinem Gerolsteiner-Rennstall dürften auf den gefallenen deutschen Shootingstar in den nächsten Wochen zukommen.

Zahlreiche Indizien

"Ich bin ein sauberer Sportler", hatte Schumacher stets betont. So richtig glauben konnte ihm das keiner. Dass es ihn nun offenbar erwischte, hat die Radsport-Welt nicht allzu sehr überrascht.

Die Liste der Verdächtigungen gegen den 27-Jährigen ist fast schon so lang wie dessen Erfolge. Bei seinem Rennstall stand er noch Anfang des Jahres vor der Entlassung.

Nur weil Hans-Michael Holczer damals arbeitsrechtlich die Hände gebunden waren, kam "Schumi" mit einer Geldstrafe davon.

Sechs Tage vor dem WM-Straßenrennen 2007 in Stuttgart hatte eine Trainingskontrolle einen Hämatokritwert von 50,5 ergeben. Schumacher hatte den Wert mit einer Durchfallerkrankung begründet, Experten sprachen von einem "Herandopen" an den Grenzwert von 50.

Da bei einer erneuten Kontrolle wenige Tage später der Hämatokritwert wieder im Normbereich lag, durfte der Nürtinger starten und belegte sogar den dritten Platz.

Unfall unter Drogeneinfluss

Der nächste Vorfall folgte nur eine Woche später. Am 7. Oktober 2007 raste der Klassikerspezialist unter Alkoholeinfluss in einen Gartenzaun. Bei der anschließenden Polizeikontrolle wurden geringe Mengen von Amphetaminen im Blut festgestellt. Schumacher, der sich den Drogen-Missbrauch nicht erklären konnte, entging damals nur einer Sperre, weil der Amphetaminnachweis außerhalb der Wettkampfphase lag.

Pollenallergie und Asthma

2005 war Schumacher sogar einmal positiv getestet worden. Bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt wurde ihm die Stimulans Cathin nachgewiesen. Doch auch hier hatte der clevere Schwabe eine Begründung parat: Schumacher verwies auf eine Pollenallergie und allergisches Asthma seit seinem achten Lebensjahr.

Deshalb war ihm von seiner als Ärztin praktizierenden Mutter Christine das Antiadipositum X 112 T verabreicht worden. Darin befand sich der Wirkstoff Norpseudoephedrin (Cathin). Der BDR sprach ihn frei, Schumacher konnte durchfahren.

Denn 2006 begann bei Schumacher der Höhenflug. Beim Giro d'Italia gewann er zwei Etappen und fuhr im Rosa Trikot des Gesamtersten, 2007 gewann er den Frühjahrsklassiker Amstel Gold Race, und im Herbst fuhr er bei der WM vor der Haustür auf den dritten Platz.

In diesem Jahr knüpfte er nahtlos an seine Erfolge an. Bei der Tour gewann er beide Einzelzeitfahren und durfte sich zwei Tage lang das Gelbe Trikot überstreifen.

Neues Testverfahren überführt

Doch bei den Anti-Doping-Experten war das Misstrauen gegen den "starken Deutschen" groß. Schumacher wurde fast jeden zweiten Tag getestet, ähnlich wie der überführte Italiener Riccardo Ricco.

Gefunden wurde im Sommer nichts, erst das neue Testverfahren war offenbar der Schlüssel zum Doping-Nachweis.

"Das ganze Team, außer Stefan"

Gerolsteiner-Teamkollege Sebastian Lang kam die ganze Sache schon damals suspekt vor. "Als bekannt wurde, dass es ein neues Testverfahren auf Cera gibt, haben wir uns alle gefreut. Wir saßen im Bus und haben richtig gejubelt. Das ganze Team, außer Stefan. Er war plötzlich ganz still und zurückgezogen. Bis zum Schluss", sagte Lang der Thüringer Allgemeinen.

Sein gut dotierter Vertrag beim Quick-Step-Rennstall im kommenden Jahr dürfte - so die B-Probe das Ergebnis bestätigt - damit hinfällig sein. Beim belgischen Rennstall sollte Schumacher keinen Geringeren als den zweimaligen Weltmeister und Athen-Olympiasieger Paolo Bettini ersetzen.

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