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Stefan Schumachers Positiv-Tests haben den Radsport in eine Existenzkrise gestürzt © imago

Zwei positive Tests bei Stefan Schumacher: Der Radsport fürchtet eine "Epo-demie" der großen Namen und das olympischen Aus.

München - Schummel-Schumi" hat mit seinem Dopingfall eine Lawine schlimmsten Ausmaßes losgetreten und den Radsport national wie international in eine tiefe Existenzkrise gestürzt.

Der Skandal um den gefallenen Shootingstar Stefan Schumacher hat womöglich das Fass im dopingverseuchten Radsport zum Überlaufen gebracht.

Bei den Olympischen Spielen droht den Radprofis zukünftig eine "Denkpause", in Deutschland überlegen die Fernsehsender ARD und ZDF einen Komplett-Ausstieg, Politiker fordern die Einstellung der Fördergelder und große Traditionsrennen stehen vor dem Aus.

Angst vor "Epo-demie"

Doch damit nicht genug: Der Fall Schumacher ist vermutlich nur der Beginn einer noch folgenden "Epo-demie". Denn die Radsport-Welt zittert bereits vor den nächsten Auswertungen der Blutproben bei der Tour de France.

So könnte das neu entwickelte Testverfahren das "Who is who" des Radsports überführen.

Eine Liste mit 30 potenziellen Dopingsündern macht inzwischen die Runde, darunter Olympiasieger Fabian Cancellara und der Tour-Dritte Bernhard Kohl vom Team Gerolsteiner.

Bach denkt über olympische Denkpause nach

Für IOC-Vizepräsident Thomas Bach ist die Situation für den Radsport durch den Dopingfall Schumacher "dramatisch" geworden.

Sollten sich jetzt nicht alle Radsport-Interessensgruppen auf eine gemeinsame Linie im Anti-Doping-Kampf verständigen, "dann muss man aus meiner Sicht auch eine olympische Denkpause für den Straßen-Radsport in Erwägung ziehen", sagte Bach.

Schumacher ist bei der diesjährigen Tour sogar zweimal positiv getestet worden - am 3. Juli bei den obligatorischen Bluttests zwei Tage vor der Tour sowie am 15. Juli am Ruhetag der Tour in Pau.

Das geht aus den Unterlagen der französischen Anti-Doping-Agentur (AFLD), die am Dienstag beim BDR eintrafen, hervor.

BDR prüft Schadenersatzforderungen

"Das ist ein Schock. Der Schaden für den Radsport ist noch gar nicht absehbar", sagte BDR-Präsident Rudolf Scharping. Dass die Folgen aber gravierend sein werden, dürfte dem früheren SPD-Chef klar sein.

Gespräche kündigte Michael Vesper als Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) an: "Ich bin erschüttert, dass der Radsport offenbar immer noch nicht aus der Vergangenheit gelernt hat. Wir müssen uns jetzt mit ihm an einen Tisch setzen und

über Konsequenzen beraten. Welche das sein können, darüber möchte ich aber nicht spekulieren."

Die Konsequenzen für Schumacher sind dagegen absehbar. Bei Bestätigung des Dopingbefunds durch die B-Probe dürfte einerseits der "Sanktionsmechanismus des DOSB" (Vesper) greifen und eine zweijährige Sperre durch den BDR folgen.

Vertrag vor der Auflösung

"Außerdem prüfen wir alle möglichen Schadenersatzforderungen", sagte Scharping, der ein Verfahren einleiten will, sobald er das Ergebnis der Blutkontrolle schriftlich vorliegen hat.

Gleichzeitig forderte der BDR-Präsident den WM-Dritten von 2007 zur Zusammenarbeit auf: "Er hat die Möglichkeit, auf das Urteil positiv einzuwirken, wenn er die Hintermänner offenlegt."

Zudem steht Schumachers Zwei-Jahres-Vertrag beim belgischen Quick-Step-Team vor der Auflösung. "Wenn er wirklich positiv ist, dann wird er bei uns keinen Vertrag erhalten", sagte Teamchef Patrick Lefevere der niederländischen Zeitung "Sportweek".

Schenk weiß von großen Namen

Schumachers nächste Rundfahrt dürfte durch die Gerichtssäle verlaufen. Denn auch Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer will es nicht bei der bislang ausgesprochenen Suspendierung belassen.

"Wir sehen uns vor Gericht wieder. Ich werde bis zum letzten Cent, den ich besitze, mit allen Konsequenzen und allen Möglichkeiten, die ich habe, versuchen, ihn zivilrechtlich zu verklagen", kündigte der Herrenberger an, der nach der ergebnislosen Sponsorensuche seinen Rennstall zum Saisonende dicht machen muss.

Nicht nur wegen Schumacher erwartet die ehemalige BDR-Präsidentin Sylvia Schenk "einen Sturm" in den nächsten Tagen. "Ich weiß, dass es offensichtlich noch ein paar größere Namen gibt, nicht nur aus Deutschland, sondern aus anderen Ländern, und dass man bei der Tour de France richtig Bedenken hat um den Radsport", sagte Schenk im "Hessischen Rundfunk".

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