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Stefan Schumacher gewann bei der Tour de France 2008 beide Einzelzeitfahren © getty

Die Schumacher-Affäre setzt deutsche Rennveranstalter unter Druck. Ein Klassiker und die Deutschland-Tour sind betroffen.

München - Die Zukunft der Radklassiker "Rund um Köln" und "Rund um den Henninger Turm" steht nach dem Dopingfall von Radprofi Stefan Schumacher stärker denn je in Frage.

"Mir ist die Spucke weggeblieben, als ich das gehört habe. Jetzt kann ich keinem Profi mehr trauen.Ich werde wohl nur noch ein Amateurrennen machen", sagte Kölns Cheforganisator Artur Tabat.

Bernd Moos-Achenbach, Chef des Henninger-Turm-Rennens, erklärte: "Ich habe in den vergangenen Wochen gute Gespräche geführt, aber der Fall Schumacher wirft uns sehr weit zurück. Es gibt Radsportler, die viel in den Beinen, aber nichts im Kopf haben. Das trifft auch auf ihn zu."

Am Ende der Fahnenstange

Aus Sicht von Tabat, der bislang erst einen Sponsor gefunden hat, der ihm ein Amateurrennen finanzieren würde, "denken viele Profis nur noch von heute auf morgen". Sie hätten immer noch nicht begriffen, dass "das Ende der Fahnenstange" erreicht sei.

Der Dopingfall Schumacher könnte auch für die Deutschland-Tour weitreichende Folgen haben. Deren Zukunft hängt maßgeblich von einer Übertragung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ab, und die steht auf der Kippe.

"Für die Kritiker am Radsport innerhalb der ARD ist dies Wind in den Segeln", sagte Rundfahrt-Chef Kai Rapp am Mittwoch: "Fürsprecher haben es dadurch noch schwerer."

Zuverlässige Kontrollen?

Schumacher habe dem Radsport einen Bärendienst erwiesen. "Es zeigt, wie Egoismus den Leistungssport dominiert", meinte Rapp.

Allerdings sei der Fall auch ein Beleg für die Zuverlässigkeit der Kontrollen: "Ich gehe davon aus, dass man anhand der im Januar 2008 eingeführten Blutprofile erkennt, wer die Schwarzen Schafe sind und sie gezielt testet."

"Jackpot im Antidopingkampf"

Doch der eingeführte Blutpass ist nur eine Maßnahme von vielen. Nach dem Fall Schumacher fordert Professor Wilhelm Schänzer im Kampf gegen die Einnahme verbotener leistungsfördernder Substanzen eine engere Kooperation zwischen Testlaboren und Arzneimittelkonzernen.

"Uns fehlen die Referenzprodukte aus den Arzneischränken der Firmen. Also Mittel, die noch in der klinischen Studie sind. Das wäre der Jackpot im Antidopingkampf", sagte der Leiter des Instituts für Biochemie an der Kölner Sporthochschule der "Stuttgarter Zeitung".

Test für neues Epo-Präparat

Allerdings gestalte sich ein derartiges Vorhaben bisher schwierig. "Die Firmen sagen uns gegenüber, dass sie aus Patentschutzgründen und aus Sorge vor der Konkurrenz bestimmte Daten so lange zurückhalten, bis die Produkte auf den Markt kommen. Das kostet uns viel Zeit", erklärte Schänzer: "Es wäre wünschenswert, dass die Konzerne - in ihrem eigenen Interesse - die Zusammenarbeit mit uns ganz gezielt ausbauen."

So sei ein neues EPO-Präparat namens Hematide "in der Pipeline", dessen Nachweisbarkeit man vorantreibe. "Wir versuchen, mit den Herstellern eng zusammenzuarbeiten, um einen Test entwickeln zu können. Das gestaltet sich aber leider sehr, sehr mühsam", berichtete der Doping-Jäger und lobte die Entwicklungen in Frankreich, die zu den jüngsten Erfolgen beim Nachweis des von Schumacher eingenommenen EPO-Mittels CERA geführt haben.

Frankreich als Vorbild

Dieses Präparat sei im Prinzip leicht nachweisbar, allerdings habe man in Deutschland bisher nicht die Möglichkeit gehabt, eng mit den Produzenten zu kooperieren.

"Das ist in Frankreich gelungen und damit eine sehr gute Abschreckung", sagte Schänzer: "Künftig überlegt vielleicht der eine oder andere, ob er wirklich etwas nehmen soll, von dem ihm der Dealer verspricht, dass es nicht nachweisbar ist."

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