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Bei der Tour 2008 wurden bislang sieben Fahrer mit positiven Doping-Tests überführt © getty

Mit neuen Testverfahren soll auch Eigenblutdoping bei der Tour aufgedeckt werden. 30 Tour-Starter sind dabei im Visier.

München - Auf den im Dopingsumpf versinkenden Radsport kommen offenbar weitere Enthüllungen zu. Nach dem EPO-Dopingmittel CERA suchen die Dopingjäger in den Proben von der Tour de France nun nach Eigenbluttransfusionen.

Pierre Bordry, Chef der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD, sagte im ZDF: "Wir sind bereits im Besitz ernstzunehmender Hinweise auf Fälle von Eigenbluttransfusionen. Um wen es sich handelt, werden wir wohl erst später sagen können."

Neue Testverfahren in Aussicht

Zur Aufdeckung soll ein Testverfahren eingesetzt werden, das derzeit noch entwickelt wird. "Bald schon können wir mit dem neuen Verfahren Eigenbluttransfusionen nachweisen, und wir werden dann auch damit nachtesten", erklärte Bordry.

Die AFLD war während der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt für das Doping-Kontrollprogramm verantwortlich.

Mit einer ebenfalls neuen Methode hatte das Pariser Labor im Auftrag der AFLD in den vergangenen Wochen schon eingefrorene Blutproben auf CERA getestet und war bei Stefan Schumacher sowie dem Italiener Leonardo Piepoli fündig geworden.

Viele weitere Profis betroffen

Im Visier haben die Dopingjäger Fahrer, bei denen vor dem Start der Tour Proben genommen und dabei auffällige Werte gefunden wurden. Dabei soll es sich laut Bordry um 30 Profis handeln. Die AFLD hatte die Betroffenen und ihre Rennställe über die Testergebnisse informiert.

Bei einigen Sportlern hatten sich die Blutwerte dann während der Rundfahrt wieder normalisiert, bei anderen aber nicht: "Einige der verdächtigen Fahrer sind wieder zurück zu ihren normalen Werten gelangt. Wir waren aber überrascht zu sehen, wie schwach deren Leistungen dann waren", so Bordry.

Auch IOC lässt nachtesten

Die Fortschritte der AFLD haben unterdessen auch das Internationale Olympische Komittee auf den Plan gerufen.

Das IOC wird alle fast 1000 Blutproben der Sommerspiele von Peking mit der neuen Testmethode auf das zuvor nicht nachweisbare Blutdopingmittel CERA nachuntersuchen. Das wurde am Mittwoch bekannt.

Dabei soll die neue Untersuchungsmethode eingesetzt werden, die auch zur Überführung von Schumacher und Piepoli geführt hatten.

Bislang 16 positive Fälle

Insgesamt wurden bei den Sommerspielen in Peking während der Kontrollperiode vom 27. Juli bis 24. August 4770 Dopingtests vorgenommen, darunter 3801 Urin- und 969 Bluttests.

Für die Kontrollen waren die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und das Olympia-Organisationskomitee BOCOG zuständig. Die ersten Fünf eines jeden Wettkampfes sowie zwei weitere Athleten wurden überprüft. Außerdem gab es zahlreiche Zielkontrollen.

Bisher sind 16 positive Fälle bekannt, sechs davon bei Pferden. Zwei Athleten wurden Medaillen aberkannt.

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