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Bessere Tage: Stefan Schumacher (l.) und Linus Gerdemann bei der Tour de France 2007 © getty

Nach dem "Fall Schumacher" ist die Empörung im Fahrerlager groß, insbesondere Linus Gerdemann attackiert den 27-Jährigen scharf.

München - Deutschland-Tour-Sieger Linus Gerdemann sieht den Radsport nach dem Dopingfall Stefan Schumacher in den Grundfesten erschüttert und fürchtet auch Konsequenzen für seine persönliche Karriereplanung.

"Die Auswirkungen sind gravierend. Mir wird die Plattform für meinen Beruf entzogen", erklärte der 26-Jährige im "Kölner Stadt-Anzeiger".

"Das Fernsehen überlegt seinen Ausstieg, Sponsoren auch, unsere Glaubwürdigkeit ist im Keller. Am meisten tun mir die Jugendlichen leid, denen die Basis für ihren Sport entzogen wird. Es gibt doch jetzt kein Lottogeschäft mehr, das bedenkenlos für ein Kinderrennen spendet. Das ist furchtbar", meinte der Columbia-Profi, der momentan vom Milram-Rennstall umworben wird.

Maßlose Enttäuschung

Mit Schumacher, mit dem er selbst nur oberflächlichen Kontakt gehabt habe, geht Gerdemann hart ins Gericht.

"Ich hatte den Eindruck, dass da eine große geistige Präsenz vorhanden ist. Das ist jetzt in Frage gestellt. Wie skrupellos in diesem Fall vorgegangen wurde, das übertrifft meine Erwartungen", erklärte der Münsteraner:

"Immer vorausgesetzt, dass auch seine B-Probe positiv ist."

"Mit dem Hintern eingerissen"

Gerdemann klagte, dass es ihm nach den jüngsten Entwicklungen schwerfalle, Außenstehenden klar zu machen, dass er selbst nicht dope. "Ich kann nur sagen, dass ich mich für alle Tests dieser Welt bedenkenlos zur Verfügung stelle", erklärte der Radprofi:

"Ich rede viel mit Jugendlichen und plädiere da vehement für einen sauberen Radsport. Diese ganze Arbeit hat Schumacher jetzt mit dem Hintern eingerissen."

"Betrüger werden ausgesiebt"

Seine Hoffnungen für die Zukunft zieht Gerdemann aus der Überzeugung, dass es noch viele saubere Rennfahrer gebe, sowie "der tollen Arbeit" der französischen Anti-Doping-Agentur.

"Aber es darf nicht sein, dass die Konsequenz aus dieser Arbeit eine Bestrafung ist. Zum Beispiel für die Tour de France, die als Ereignis in Frage gestellt wird. Oder auch für die Fernsehsportart Radsport", meinte Gerdemann:

"Die Betrüger werden ausgesiebt. Auch das ist eine Botschaft des Falls Schumacher."

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