Das Radrennen "Rund um Köln" hat eine lange Tradition. Cheforganisator Artur Tabat hat alle Höhen und Tiefen des Business erlebt.

Am 5. April steigt der zweitälteste deutsche Rad-Klassiker. "Rund um Köln" wird seit 1908 ausgetragen.

Wenn am Ostermontag der Tross von Gummersbach durchs Bergische Land in Richtung Domstadt auf die Reise geht, sitzt auf dem Führungswagen ein Mann, den man durchaus als Stehaufmännchen bezeichnen kann: Artur Tabat.

Der Cheforganisator erlebte alle Höhen und Tiefen eines solchen Spektakels mit, das u.a. 2003 von Jan Ullrich nach einer imposanten Alleinfahrt gewonnen wurde.

Artur Tabat, der in Hürth eine Autolackier-Werkstatt leitet, ist ein Mann des Gemüts. Er kann sich freuen wie ein Schneekönig, er kann sich ärgern und kann auch bittere Tränen vergießen. Mal war er am Boden, mal wieder ganz obenauf.

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Tabat der Strahlende: Als Ullrich am Kölner Rheinufer 2003 der Konkurrenz auf und davon fuhr und als Sieger den Zielstrich überquerte, kannte beim Cheforganisator die Freude keine Grenzen.

Anschließend beim Bankett waren sämtliche Türen für den nicht gerade großen und breiten Tabat viel zu schmal. "Siehste", sagte er zu mir, "das genau haben wir gebraucht." Tabat erinnerte daran wie Jan Ullrich nicht selten in seinen Büroräumen in Hürth übernachtet hat, wenn er in der Nähe war.

Tabat der Verärgerte: Da fallen mir zwei Ereignisse ein. Mitte der 90er-Jahre hatte der OK-Chef das Rennen ins Bergische Land verlegt und warb in den dortigen Gemeinden um Mithilfe. Doch anders als bei der Tour de France, wo die Städte noch Geld für die Ausrichtung des Rennens bezahlen, zeigten sich einige Vertreter im Bergischen verstockt.

Das Problem: Die Ampeln sollten für "Rund um Köln" abgeschaltet werden und das sollte Tabat dann auch noch bezahlen. Ein ganz findiger Mitarbeiter der Stadt Bergisch Gladbach, wo das 1500 Mark kosten sollte, witterte Morgenluft und bot Tabat einen Deal an. Er verlangte Geld, damit er die Ampeln kostenlos abschaltet. Der verärgerte Tabat lehnte aber ab, der Deal wurde öffentlich und der Mitarbeiter zeitweise entlassen.

1998 hatte sich Tabat mit "Rund um Köln" beworben, das einzige Weltcup-Rennen auf deutschem Boden auszurichten. Doch gegen Hamburg, das mit dem Energie-Versorger HEW einen Millionen-Sponsor hinter sich hatte, kam er nicht an. Tabat verlor die Bewerbung und war stinksauer. Er drohte, "Rund um Köln" nie wieder zu veranstalten und ließ vor Fotografen sogar das Plakat verbrennen.

Tabat der Weinende: Es war Ostermontag 2007. In der Nacht hatte es geschneit, große Teile der Strecke versanken unter der weißen Pracht. Im hügeligen Wermelskirchen fuhren die Kinder sogar auf der Rennstrecke Schlitten. Tabat musste nach langem Warten, Hoffen und Bangen das Rennen absagen. Ihm drohte der finanzielle Ruin, Tabat war so untröstlich als wenn er seine Familie verloren hätte.

Doch die Sponsoren und Rennställe lenkten ein. Sie verzichteten auf die Rückzahlung der schon geleisteten Gelder. Ex-Rennstars wie Marcel Wüst und Medien trommelten für das Rennen. Das Motto: "Rund um Köln darf nicht untergehen."

Artur Tabat hatte wieder Tränen in den Augen - diesmal vor Rührung.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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